Läden mit Pfiff

Paradies der Comic-Sprechblasen in Oberhausen

Foto: WAZ FotoPool

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Oberhausen.Es ist wie der Blick in ein Füllhorn voller Kuriositäten: Wrestling-Figuren mit dicken Plastik-Muskeln, Poster mit Batmans besten Momenten und hinter Plastik gefangene Dinosaurier zum selber Zusammenbauen.

Jörg Hedtkamp (46) schlendert an den Ausstellungsstücken im Comic Zentrum an der Havensteinstraße entlang. Die hohen Regale sind bis unter die Decke gefüllt. Ganz oben steht eine Nachbildung der „Krieg der Sterne“-Figur R2D2. „Ich bin nicht sicher, ob das Ding noch Batterien benötigt“, sagt Hedtkamp. Der kleine Weltraumroboter ist in Wahrheit ein Mülleimer - mit Geräuschkulisse, die beim Befüllen ertönt.

Jörg Hedtkamp arbeitet im Paradies. Zumindest für jemanden, der etwas mit populären Sprechblasen-Geschichten und Bergen von Zubehör aus dem Comic- und Filmuniversum anfangen kann. Eigentlich ist Hedtkamp gelernter Maschinenschlosser. Hinter die Theke, an die Vermittlungsstelle für Superhelden und Alleskönner, gelangte er „eher durch Zufall“. Das Interesse für gute Geschichten in Kombination mit gezeichneten Bildern ließ ihn über die Jahre immer stärker mit dem Job verwachsen. Heute betreut er den Laden in Oberhausen, das Comic Zentrum gehört zu einem Verbund von mehreren Geschäften.

Comics alleine reichen nicht zum Überleben

Mit Comics alleine können die Fachgeschäfte heutzutage nicht mehr überleben. Daher steht auch viel Zubehör im Laden. Alfred E. Neumann aus dem MAD-Magazin mit Weihnachtsmannmütze, Postkarten mit einer schnurrenden Catwoman - es gibt nichts, was es nicht gibt.

Schon klingelt es an der Tür, ein Kunde geht zielstrebig zu den Pappkartons, wo die klassischen Comics fein säuberlich sortiert lagern. „70 bis 80 Prozent unserer Kunden kommen regelmäßig“, erklärt Hedtkamp. Dadurch entstehe eine gewisse Bindung zur Kundschaft. Ein „Nerd“ wie der Comicbuchverkäufer in der TV-Kultserie „Die Simpsons“ muss er aber nicht gleich sein. „Da erkenn’ ich mich nicht unbedingt wieder“, sagt Hedtkamp mit einem Augenzwinkern. Doch über Neuerscheinungen angeregt zu diskutieren, gehöre in einem Comicgeschäft irgendwie dazu.

Die Zeiten, in denen man mit dem Comic-Handel die Geldbörse zum Explodieren brachte, sind indes vorbei. Bei 2,50 Euro fangen die Preise der Hefte in der Regel an. Für exklusive Sammlereditionen steigen die Kurse auch schon mal auf 250 Euro. Hedtkamp: „Das sind aber Ausnahmefälle!“ Denn wer in seinem Keller ein altes Schätzchen entdeckt, der sollte nicht verfrüht mit seinem Schmuckstück prahlen. „Oftmals stehen in speziellen Sammler-Katalogen zwar hohe Preise für seltene Comics, aber man muss erst mal einen Käufer finden, der bereit ist, diesen Kurs auch zu zahlen.“

Sammeln hat seinen Reiz

Trotzdem habe das Sammeln seinen Reiz. Was steht beim Herrn der Comics selbst im Regal? „Ich lese gerne US-Comics - dabei aber keine Superhelden.“ Die Comic-Szene verehrt gestandene Autoren und Zeichner - einer von ihnen ist Frank Miller, dessen Kult-Comic „Sin City“ bereits Publikumswirksam verfilmt worden ist.

Jörg Hedtkamp fühlt sich im Reich der Pop-Kultur wohl. Auch, wenn sich das Geschäft in der Innenstadt über die Jahre aus seiner Sicht geändert hat. „Die Laufkundschaft hat sich deutlich verringert!“ Vielleicht braucht es einen der Superhelden aus den Heften, um neben dem Stammpublikum für „neuen Schwung“ zu sorgen.

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