Straßenfest

Quiz, Tanz, Sütterlin: Geburtstagskind VHS zeigt viel Talent

Vor dem Bert-Brecht-Haus konnte man einen Heißluftballon betreten, was manchen Gast zum Selfie inspirierte.

Vor dem Bert-Brecht-Haus konnte man einen Heißluftballon betreten, was manchen Gast zum Selfie inspirierte.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  1919 - 2019: Das VHS-Jubiläum hielt am Wochenende Oberhausen in Atem. Auf dem Sapo-Platz wurde bei allerbestem Wetter groß gefeiert.

Über vier Etagen erstreckt sich die Volkshochschule im Bert-Brecht-Haus an der Langemarkstraße. Wie vielseitig ihre Angebote sind, wurde am Samstag, beim großen Familienfest zum 100-jährigen Bestehen in Oberhausen, deutlich. Zahlreiche Menschen nahmen die Gelegenheit wahr, sich im Haus mal umzusehen.

Auch auf dem Saporishjaplatz hatte sich die Volkshochschule breit gemacht. Imbiss-, Eis- und Getränkestände hatten gut zu tun. Ein Zauberer ging mit Kindern dort gedanklich auf Weltreise. Erinnerungsfotos im Bilderrahmen, sofort zum Mitnehmen, waren gefragt. Beim Kinderschminken und Tattoos-Aufmalen standen die Mädchen und Jungen Schlange. Die inszenierte Landung eines Heißluftballons zog die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich, zumal man das Innere der Ballonhülle erkunden konnte.

Blockflöten, Mode, Handarbeit

Im Gebäude selbst wurden die Besucher am Nachmittag unter anderem mit einem Blockflötenkonzert begrüßt. Im dritten Stock fand eine Modenschau statt. Frauen aus den Handarbeitskursen demonstrierten auch als Models, dass sie es offenbar gelernt haben, perfekt sitzende Bekleidung zu schneidern. Eine Ausstellung zeigte die Vielfalt der erstellten Handarbeiten.

Seit ihrer großen Gründungswelle in den 1920er Jahren verstehen sich Volkshochschulen auch als Träger politischer Bildung. So zeigte einer der Räume eine Ausstellung zu den Grundrechten im Grundgesetz, die mit meist ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotos bebildert war. An einer Pinnwand wurde festgehalten, was sich Besucher an Seminarthemen von der VHS wünschen:. „Die Parkplatzsituation in Oberhausen“, hieß es zum Beispiel ganz aktuell.

Unterdessen drang zünftige Blasmusik vom Saporishjaplatz nach oben. Fahnenschwenker machten dem Geburtstagskind ihre Aufwartung. Ihre Musik vermischte sich im dritten Stock mit der Musik beim Line-Dance mit seinen synchronen Tanzbewegungen der Teilnehmer. In einem etwas abgelegenen Seminarraum lösten Besucherinnen und Besucher mit einer jungen Sprachlehrerin ein Quiz über die Benelux-Staaten. Woher die Tradition in den Niederlanden stammt, dass man in die Wohnzimmer der Menschen schauen kann, war dort Thema. „Beim bescheidenen Calvinismus gab es nichts zu verbergen“, lüftete die Lehrerin das Rätsel.

Im vierten Stock drehte sich alles ums Lernen. Dort war die Sütterlin-Schreibstube aus Wesel zu Gast. Günther Wagener und seine Aktiven übertragen Dokumente von heute in die klassische Handschrift. Im „Sind Sie noch fit für den Schulabschluss?“ wurde da gefragt. Wer dem gewachsen war, konnte einige Türen weiter bei Jana Knigge mit Leichtigkeit testen, ob sie oder er auch den Einbürgerungstest für Ausländer schaffen würde. Schließlich weiß man doch, dass man das Ehrenamt im Wahllokal annehmen muss, wenn man dazu aufgefordert wird. Ein älteres Paar brütete über den 33 Testfragen.

Fußballfragen für England-Fans

Mitten im Foyer ließen sich Interessierte von einem Fachmann die Grundzüge der arabischen Schrift erklären. Zwei Frauen und zwei Männer nahmen unweit entfernt an einem Quiz über England teil. So sollten sie unter anderem wissen, ob Jürgen Klinsmann oder Jürgen Klopp Trainer des Champions-League-Siegers FC Liverpool ist.

Das kreative Können ist im Bert-Brecht-Haus in der fünften Etage zu Hause. Da wurden am Samstag Anhänger aus Papier gebastelt. Im Raum nebenan entstanden Aquarellbilder, die nachher auf dem Flur zu einem 100-Jahre-Großbild zusammengefügt wurden.

Der sechste Stock schließlich war der Wellness vorbehalten. Jasmin Hambach verwaltete dort die verschiedenen Anmeldelisten, unter anderem für Herma-Handmalerei, Massage im Liegen oder Klangschalenmassage. Auch Qi Gong oder Meditationstanz wurden gezeigt. „Es war sehr gut besucht heute“, lautete am späten Nachmittag ihre Bilanz.

Persönlichkeit auf dem Prüfstand

Monika Böggemann, die auf Stress-Vorbeugung spezialisiert ist, führte mit Freiwilligen einen Persönlichkeits-Selbsttest durch. „Man kann damit zum Beispiel herausfinden, ob jemand zu Perfektionismus neigt oder zur Eitelkeit“, erklärte sie. Mit ihrer Freundin Jutta Weiß hatte sie es gerade ausprobiert. „Der Test hat den Nagel auf den Kopf getroffen“, sagte die zum Ergebnis. Einzelheiten blieben natürlich ihr Geheimnis.

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