Marode Infrastruktur

Schleuse Oberhausen-Lirich ist ein Fall für den Aufbau West

Blick in die Schleusenkammer: Die SPD-Delegation in Lirich.

Blick in die Schleusenkammer: Die SPD-Delegation in Lirich.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Mehr Güter auf die Wasserstraße – dazu wird allerdings die nötige Infrastruktur gebraucht. Die SPD lernte die Lage an der Schleuse Lirich kennen.

Die jüngste Visite der SPD Oberhausen im Zuge ihrer „Sommerschule“ an der Schleuse Lirich entpuppte sich als eine echte Lehrstunde in Sachen marode Infrastruktur.

„Ein Aufbau West ist dringend nötig“, appellierte Volker Schlüter, kommissarischer Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Duisburg-Meiderich an die versammelten Sozialdemokraten. Die Schleuse Lirich sei ein gutes Beispiel dafür. Schlüter formulierte: „Ich sehe das Problem, dass wir mit unserer veralteten Technik den Rhein-Herne-Kanal nicht dauerhaft für die Schifffahrt offen halten können.“

„Wir müssen für unsere Region mehr trommeln!“

Viel Geld sei seit 1990 in den Aufbau Ost geflossen, der Westen Deutschlands und speziell auch das Ruhrgebiet seien dagegen vernachlässigt worden. Der kommissarische Amtsleiter meinte: „Die NRW-Politiker sind einfach zu nett.“

Wenn in den neuen Bundesländern eine Schleuse marode sei, werde sofort von der Politik genug Druck gemacht, damit das zügig repariert werde. „Wir müssen für unsere Region mehr trommeln!“

Die Notwendigkeit dieses Trommelns wurde beim Rundgang übers Schleusen-Areal Schritt für Schritt deutlich: Ein Schaltpult aus den frühen 1980-er Jahren; Schleusentore, von denen man nicht weiß, wie lange sie noch halten; maroder Beton an vielen Stellen in den beiden Schleusenkammern - zum letzten Punkt gab es im Juni ein spektakuläres Beispiel, als sich ein 300 Kilo schwerer Betonbrocken aus der Wand der Südkammer löste. Die Folge: eine Sofort-Sperrung der Kammer. An mehreren Juni-Tagen ruhte der Schiffsverkehr tagsüber sogar gänzlich.

Wichtige Transportroute im Ruhrgebiet

50 bis 60 Schiffe durchfahren regulär an einem Werktag die Schleuse in Lirich. Der Rhein-Herne-Kanal gilt nach wie vor als wichtige Transportroute im zentralen Revier: Was Schiffe transportieren, muss nicht per Lkw auf den ohnehin überfüllten Revier-Autobahnen befördert werden. Das unterstrichen auch die sozialdemokratischen Gäste immer wieder in ihren Nachfragen an die WSA-Mitarbeiter. Es wurde deutlich: Der SPD liegt es am Herzen, die Binnenschifffahrt im Wettbewerb mit dem Lkw -Transport auf der Straße zu stärken.

Dazu gehören auch Investitionen in die Brücken, wie Volker Schlüter deutlich machte. Mit der Brücke Ulmenstraße hat Oberhausen ja ein schlimmes Beispiel mitten im Stadtgebiet, das zeigt, wie eine Brücke zum verkehrstechnischen Nadelöhr wird, weil nötige Investitionen jahrelang nicht getätigt werden und es auch an Ingenieuren fehlt. Schlüter: „Diese Brücke wird jetzt aber gemacht.“

Zentrale Steuerung aller Kanalschleusen als Zukunftsvision

Irgendwann einmal sollen alle Schleusen am Rhein-Herne-Kanal zentral von Herne aus gesteuert werden. Doch das ist noch digitale Zukunftsmusik. „80 Prozent der nötigen Investitionen schieben wir seit Jahren immer wieder nach hinten“, sagt Volker Schlüter, der auf Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) durchaus Hoffnungen setzt. Der komme aus der Drei-Flüsse-Stadt Passau an der Donau. Dieser Verkehrsminister habe von Binnenschifffahrt jedenfalls schon mal was gehört und gesehen. Zudem würde nun auch die regionale Wirtschaft verstärkt Druck machen, denn auch sie habe erkannt, dass der Rhein-Herne-Kanal funktionstüchtig bleiben müsse.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben