Corona-Lockerungen

Staatssekretärin überzeugt sich: Tanzen hilft in der Krise

Andrea Milz, NRW-Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt, sprach bei ihrem Besuch mit Frank Fischer (hinten) vom Oberhausener Tanzhaus Valentino über die Sorgen und Anliegen der Tanzschul-Branche.

Andrea Milz, NRW-Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt, sprach bei ihrem Besuch mit Frank Fischer (hinten) vom Oberhausener Tanzhaus Valentino über die Sorgen und Anliegen der Tanzschul-Branche.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Eine NRW-Staatssekretärin im Tanzhaus Valentino? Das Ehepaar Fischer macht es möglich – und denkt beim Besuch über Oberhausen hinaus.

Auf dem Parkett des Tanzhauses Valentino stehen sich knapp ein Dutzend Menschen in einem großen Kreis gegenüber. Sie sprechen abwechselnd und hören sich zu. Fast wie in einer Therapiesitzung, nur ohne Stühle. Mit den beiden Patienten Daniela und Frank Fischer, die vom Corona-Leidensweg ihres Tanzhauses berichten. Einerseits.

Andererseits schafft das Ehepaar an diesem Abend auch ein Bewusstsein für eine Branche, die nach Frank Fischers Angaben „unter dem Radar fliegt“, aber den Menschen Bewegung und Lebensfreude gebe. Zwei Heilmittel gegen die Schäden, die Covid-19 an Körper und Geist hinterlässt. Weshalb eine Staatssekretärin, zwei Landtagsabgeordnete und ein Bürgermeister im Kommunalwahlkampf-Jahr ganz genau zuhören.

Milz, Zimkeit und Hausmann zu Gast bei Valentino

Warum geben sich die Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt Andrea Milz (CDU), die beiden Landtagsabgeordneten Stefan Zimkeit (SPD) und Wilhelm Hausmann (CDU) sowie Bürgermeister Klaus-Dieter Broß (CDU) in Vertretung von Oberbürgermeister Daniel Schranz (CDU) an einem Montagabend in der Sterkrader Steinbrinkstraße die desinfizierte Klinke in die Hand, Frank Fischer?

„Ich muss zugeben, dass meine Frau und ich schon seit Wochen Kontakt zu Landtagsabgeordneten haben“, sagt Frank Fischer und erzählt von Mails, Konzepten und Gesprächen. Die Botschaft: Tanzen ist Krisenbewältigung. Eine Botschaft, die nach Angaben des Inhabers zu Beginn der Coronakrise keine Lobby gehabt hätte. In den Schließungsverordnungen Mitte März seien Tanzschulen nicht einmal aufgetaucht. Es fehle die politische Einordnung, erläutert Fischer, die Branche sitze zwischen den Stühlen von sportlicher Aktivität, Ausbildung, sozialer Interaktion, Brauchtum.

Staatssekretärin Andrea Milz verkündet Wiedereröffnung

Das ändert sich unter anderem durch die Beharrlichkeit der beiden Inhaber. Andrea Milz kündigt auf einer Pressekonferenz vor gut zwei Wochen die Wiedereröffnung von Tanzschulen für den 11. Mai an. Und bekommt kurz darauf Post von den Fischers. Nicht die Sorte unsachliche Kritik, die der Staatssekretärin auch ins Fach flattert, sondern treffend im Ton. „Aus dem Herzen“, wie es die 57-Jährige beschreibt. Ein Termin ist deshalb Formsache, um die Umsetzung der Schutzauflagen aus nächster Nähe zu begutachten.

Darum geht es bei dem Besuch aber dann doch kaum. Stattdessen kreisen Gäste und Gespräch. Die Staatssekretärin nutzt die Bühne, um die Politik der Landesregierung zu erklären. „Wir können nicht verteufeln, was drinnen stattfindet. Wir haben Vertrauen in die Menschen und die Menschen haben das Vertrauen verdient, denn sie nehmen die Vorschriften an und setzen sie um.“

Wunsch der Öffnung – über Oberhausen hinaus

Auch die Fischers nutzen die Bühne, um für ihre Standpunkte zu werben. Manchmal mit unsicherem Wort, die Stimme vor Aufregung wegbrechend, aber sicher in der Sache. „Wir wünschen uns auch für die Tanzschulen in den anderen Bundesländern, dass sie öffnen dürfen – dafür wollen wir Sie gewinnen“, ist solch ein Satz.

Oder was das Tanzen ausmache für die Gäste, die teils mit den Tränen in den Augen in der Tür stünden. Selbst um Hilfe auf der Suche nach einer politischen Heimat für die Tanzbranche bittet Frank Fischer die Staatssekretärin, was diese aber lächelnd ablehnt und weiter an den Landessportbund delegiert. Immerhin gibt es das Versprechen zu Telefonnummern und Ansprechpartnern.

Eine Erklärung, Rumba und ein paar Fotos

Nach knapp 40 Minuten trudeln dann die fünf Paare ein, um die es an diesem Abend eigentlich gehen sollte. Kurz werden die kleinen Kreuze aus Paketklebeband erklärt, die das Parkett verzieren und zum „stationären Tanz“ auffordern, wie Daniela Fischer es erklärt. Dann geht es mit einem Rumba los.

„Das ist so schön zu sehen“, sagt die Inhaberin, die fast verträumt auf die Tanzfläche blickt. Dort wahren die Paare vorbildlich die Balance zwischen Social Dancing und Social Distancing. Die gerät dann allerdings in Gefahr, als sich Bürgermeister, Landtagsabgeordnete und Staatssekretärin für Fotos in die Lücken schieben. Nach ein paar Wahlkampf-Schnappschüssen dauert es nur wenige Minuten, bevor die Paare den Saal wieder ganz für sich haben.

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