Theater

Theater eröffnet „Sommernachtstraum“ am Ebertplatz

Ein Liebesverwirrender: Clemens Dönicke als Puck vor der Spiegelwand mit den Porträts der „Sommernachtstraum“-Paare.

Ein Liebesverwirrender: Clemens Dönicke als Puck vor der Spiegelwand mit den Porträts der „Sommernachtstraum“-Paare.

Foto: Isabel Machado Rios

Oberhausen.  Für Shakespeares Komödie inszeniert Paul-Georg Dittrich einen Prolog auf dem Ebertplatz. Das Publikum navigiert mit Hilfe eines „Videowalks“.

Nach einer linden Sommernacht sieht die Wettervorhersage für Freitag, 24. Mai, bisher leider nicht aus. Doch das Theater hält ja Regencapes bereit für die Premiere von William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Denn dann geht’s zunächst nach draußen, auf den Ebertplatz.

Erste Außenproben – neugieriges Testpublikum inklusive – gab’s auch schon. Für die Regie dieser letzten Spielzeit-Premiere im Großen Haus zeichnet mit Paul-Georg Dittrich ein weiterer „Shooting-Star“ verantwortlich (eine neue Lieblingsvokabel im Theater-Team). Das Nachtkritik-Portal nennt den 36-Jährigen einen „aktuell ziemlich gehypten Jungregisseur auf der Überholspur“. Dittrich selbst, zum ersten Mal in Oberhausen, sagt, er habe sich „über den Anruf gefreut“ – darauf, nach einigen Opern-Inszenierungen nun zum Schauspiel zurückzukehren.

Allerdings wird auch sein „Sommernachtstraum“ ein pointiert musikalischer Abend mit Live-Band und vielen Liedern – bis hin zu „Opernarien als Kraftwerke der Gefühle“, wie Dittrich sagt. Das Oberhausener Ensemble, vom Regisseur nahezu komplett beansprucht und um Gäste verstärkt, leiste nicht nur stimmlich Beeindruckendes: „Im besten Falle wird es für alle Sinnesorgane ein großes Event – aber es tut auch weh, wie die Liebe eben.“

Die wahre Liebe in Zeiten von Tinder

Mit Shakespeare, der vor 430 Jahren Elfenkönig Oberon über wahre und falsche Liebe philosophieren ließ, fragt Paul-Georg Dittrich: „Gibt es noch die wahre Liebe – in Zeiten von Tinder und anderen Dating-Apps? Oder wird der Partner zur Trophäe?“ Zum Glück erscheint Puck, der zwischen Elfe und Dämon kreuz und quer Schießende, hier nicht als Algorithmus, sondern in Gestalt von Clemens Dönicke.

Binär gesteuerte Geräte bekommt das Publikum dennoch in die Hand: Denn der erste Akt – vor der Flucht der Liebenden in den Wald von Athen – erleben die Zuschauer auf dem Ebertplatz als „Videowalk“. Aufgeteilt in vier verschiedene Gruppen soll das Publikum dank der interaktiven Bildschirme „zwei Wirklichkeiten und zwei Zeitlinien“ verfolgen können, so Christian Wiehle, der Ausstatter dieser Inszenierung.

Mit Bob, dem Baumeister

Auch im Inneren des Theaters will er der üblichen Guckkasten-Perspektive mindestens eine weitere hinzufügen: „Wir denken das ganze Haus als Bühne.“ Und Dramaturgin Patricia Nickel-Dönicke ergänzt: „Das heißt, man muss mindestens zweimal zum Sommernachtstraum kommen.“

Die Elfen übrigens sieht Regisseur Dittrich als Spiegelungen der menschlichen Abgründe, wie sie die Nacht im Wald hervorholt – „nicht als Fabelwesen“. Und auch der unbeholfenen Handwerkertruppe, die mit einer missglückten Tragödie zum „erzwungenen Happy End“ (so Dittrich) die vielfache Hochzeits-Gesellschaft unterhält, bekommt bei ihm eine etwas andere, neuzeitige Gestalt. „Bob, der Baumeister“ ist für den Regisseur der archetypische Handwerker von heute: „Wir haben vier Bobs, die durch den Abend leiten werden.“ Sie werden hoffentlich den Nagel auf den Kopf treffen.

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