US-Car-Treffen am Centro: Der amerikanische Traum auf Rädern

US-Schönheiten auf vier Rädern am Centro.

US-Schönheiten auf vier Rädern am Centro.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Das Centro Oberhausen ist zum 16. Mal Schau-Parkplatz für 1000 Autos amerikanischer Hersteller – Cadillac und Co. glänzen im Fan-Selfie-Licht.

Mustang, der: zäh, kompakt, stabil. Ohne die Pferde der Cowboys im Wilden Westen sehe das Land jenseits des Atlantiks womöglich ganz anders aus und die Kultmarke des Herstellers Ford hätte vermutlich einen anderen Namen verpasst bekommen. Doch gut für Autofans enormer Pferdestärken: Beim 16. US-Car-Treffen am Centro Oberhausen waren die wilden Lieblinge zahlreich vertreten.

Am Wochenende war es wieder soweit: Rund 1000 reinrassige PS-Boliden „made in USA“ strahlten im Selfie-Licht der Besucher um die Wette. Der Platz der Guten Hoffnung wurde somit zum Schau-Parkplatz, auf dem sich Besitzer und Bewunderer der Ford Mustangs, Cadillacs, Lincolns oder Dodge Challengers gegenseitig an den vielen hochglanzpolierten Boliden erfreuten.

Trotz Klimakrise: US-Autos immer beliebter

Organisator Lars Schirg (41) setzt mit 20 Hilfskräften seit 2003 alles daran, möglichst viele Zuschauer ans Centro zu locken. „Schönes Wetter hilft natürlich“, erklärt er am Samstagmittag zwischen sonnenrotem Challenger in gesprenkelter Tarnoptik und himmelblauem Dodge Ram. Letzterer ist ein Pick-up mit großer Ladefläche und überragt die meisten Besucher mit zwei Metern Höhe ganz locker. Für deutsche Verhältnisse sind alle Autos aus den Staaten deutlich größer, schwerer und länger. Trotz Klimadebatte ziehe der Verkauf von US-Modellen hierzulande an, weiß Lars Schirg.

„Ohne das Internet waren Teile früher nur schwer zu bekommen – heute kann man die meisten Verschleißteile online kaufen“ Kupplung, Abgasanlage, Scheinwerfer oder neue Batterien sind im Nu beim US-Fan. Es gibt zudem immer mehr Händler, die sich auf den Import aus den USA spezialisieren. „Außerdem war der Verkaufsstart des Mustangs nochmal so ein Punkt, der die Gemeinschaft wachsen lässt.“ Seit 2015 wird dieser bei Ford Deutschland angeboten und allein US-Car-Treffen Veranstalter „Dr-Mustang“ zählt im Internetforum derzeit über 10.000 Mitglieder.

„K.I.T.T. – hol mich hier raus!“

Zu Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“ der Coverband „Free Bears“ tuckern deshalb ziemlich laute Autos wie der Ford Mustang eher leise vor den Centro-Eingang. Vor einem schwarzem Pontiac Firebird Trans Am unterhalb des Busbahnhofs bleiben manche Besucher verdutzt stehen. Hat das Auto gerade mit mir gesprochen? Rote LEDs auf der Haube verraten: Ja, hat er. „K.I.T.T“, der Kult-Wagen aus „Knight Rider“ ist auch gekommen. Dass David Hasselhoff fehlt, ist den Besuchern egal. Den Unterschied zur Serie erkennt von außen keiner, wenngleich drinnen kein „Turbo-Boost“ verbaut ist.

Bei den hohen PS-Zahlen und massiven Hubraum-Angaben fragt sich mancher Besucher vielleicht, was die Ami-Schlitten an der Tankstelle brauchen, um satt zu werden. Für Organisator und Lincoln-Besitzer Lars Schirg ein oft gehörter Einwurf. Dabei benötige sein Auto rund zwölf Liter auf 100 Kilometer. „Ein Mercedes in der Größe liegt beim Verbrauch ähnlich.“ Die Klimadiskussion zählt beim US-Car-Treffen sowieso nicht zu den Themen, die eine Rolle spielen. Die rote Lampe geht bei Detlef Willems zum Beispiel (55) nur im Zusammenhang mit seinem Chrom-Schmuckstück an.

New Jersey – Hamburg – Leichlingen – Oberhausen

Denn zwischen den schnellen Sportwagen blitzt sein rotes Feuerwehrauto merklich hervor. Vergangenes Jahr löschte der 20 Tonnen schwere Koloss samt siebenköpfiger „Firefighter“-Besatzung sogar noch Brände in Aberdeen, New Jersey. 150 Kilometer von New York entfernt. Zufall, gute Kontakte und selbstbetitelte „Verrücktheit“ führen dazu, dass der amerikanische Traum über den Ozean im Container nach Hamburg ins nordrhein-westfälische Leichlingen seinen Weg findet.

Ein paar Umbauten (10.000 Euro!) später lockt der „Rescue Pumper“ die Leute an Detlef Willems Stand. „Für uns hat sich das schon gelohnt“, meint er und deutet auf ein Schild neben dem Löschwagen. Weil seine Firma „Bos112“ Feuerwehrleute in ganz Deutschland ausbildet, für Werksfeuerwehren zum Beispiel, erfüllt sein Traum zusätzlich gleich einen Sinn. Das mag beim Rest der großen Autoshow anders sein – aber träumen darf jawohl erlaubt sein.

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