Katholische Kirche

Vier Plakate voller Sorgen über die Kirche in Oberhausen

Maria 2.0: Engagierte Diskussion im Foyer der Sterkrader St.-Clemens-Kirche.

Maria 2.0: Engagierte Diskussion im Foyer der Sterkrader St.-Clemens-Kirche.

Foto: Kerstin Bögeholz

OBERHAUSEN.  Die neue katholische Frauenbewegung Maria 2.0 hat in Sterkrade ihre Diskussion über eine Erneuerung der Katholischen Kirche fortgesetzt.

Am Ende trugen sie ihre Sorgen vor Gott, legten sie vor dem Altar der Sterkrader St.-Clemens-Kirche ab. Auf vier Plakaten hatten die Frauen von Maria 2.0, der Protestbewegung für die Erneuerung der Katholischen Kirche, Freitagabend zusammengetragen, was sich ändern muss. Damit die Kirche aus den Negativ-Schlagzeilen herauskommt und wieder zur moralischen Instanz der Gesellschaft wird.

Anders als beim ersten Gebet, Samstag vor einer Woche, mischten sich diesmal auch Männer unter die über 30 Personen. Unter ihnen Propst Peter Fabritz und Thomas Gäng, der oberste Repräsentant der katholischen Nicht-Geistlichen in Oberhausen. Um Stehtische hatten sich alle im Eingangsbereich der Kirche versammelt. Auf jedem lag ein Plakat aus, das nach und nach beschrieben wurde.

Ein älterer Herr redet sich in Rage

„Das trifft mich“ war da zum Beispiel vorgegeben. Und hinzugefügt wurde unter anderem „Maria 2.0 schläft ein“ oder „Missbrauch vertuscht = Vertrauensverlust“. „Das muss sich ändern“ hieß es auf einem anderen Plakat. Ergänzt wurde „Gleichberechtigung für Frauen“, „Das Zölibat (Ehelosigkeit der Priester) ist nicht mehr zeitgemäß“ oder „Missbrauch muss außerhalb der Kirche vor Gericht“.

Ein älterer Herr redete sich in Rage: „Warum werden Priester nicht mit ,Du’ angeredet? Jesus hat auch einfache Arbeiter, Fischer, eingesetzt und keine ,Eminenzen’.“ Außerdem forderte er, das klamme Bistum Essen aufzulösen, statt seine Gemeinden finanziell bluten zu lassen. Peter Fabritz antwortete ruhig, er kenne keinen Bischof, der sich als „Eminenz“ anreden lasse und der Bischof selbst werde ja vom Staat bezahlt. „Ist ja noch schlimmer“, fiel ihm der Herr ins Wort, „also auch von den Steuern der Muslime.“

Latein in der Messe?

Thomas Gäng gab am Tisch nebenan zu bedenken, es gebe auch konservative Bewegungen in der Kirche. So würde die Wiedereinführung der Messe in lateinischer Sprache gefordert. Das war in den 1960er Jahren abgeschafft worden. „Wenn das kommt, bin ich nicht mehr länger dabei“, empörte sich eine Frau. „Aber wenn der Papst es erlaubt, können doch wir nicht Nein sagen“, erwiderte Gäng.

Ein paar Meter weiter bedauerten einige Frauen, dass sie sich einschlägige Filme über die Dimensionen des Missbrauchsskandals nicht gemeinsam vor Ort anschauen und darüber reden könnten. Wegen angeblicher Verleumdung sei ein solcher Beitrag jüngst sogar wieder aus dem Internet zurückgezogen worden. Aber wenn sich ein Priester in eine Frau verliebe und heirate, hieß es da, werde daraus ein Riesenskandal gemacht. Dann müsse er aus dem Amt scheiden und komme womöglich nie wieder auf die Beine.

Manche werden angehimmelt

Andere Frauen beschlich die Sorge, dass die eigene Frauengemeinschaft (kfd) noch am meisten am Althergebrachten festhalte. „Manche Priester werden von den Frauen regelrecht angehimmelt“, war zu hören.

Ihnen schien es typisch, wenn Pastor Michael Danne im Gemeindebrief zwar aus einem Lob des früheren Papstes Johannes Paul II. über die Frauen zitiert, aber kurz voranstellt, die Frage nach deren Zulassung zum Priesteramt stelle sich „dogmatisch“, also nach der Kirchenlehre, nicht.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben