Kommentar

Warum die Energie-Manager lieber nur über die Zukunft reden

Redakteur Peter Szymaniak kommentiert die Lage beim Energieversorger EVO.

Redakteur Peter Szymaniak kommentiert die Lage beim Energieversorger EVO.

Foto: Gerd Bertelmann / funkegrafik nrw

Oberhausen.  Die über 424 Mitarbeiter der Energieversorgung Oberhausen (EVO) müssen sich ganz schön anstrengen. Denn das Geschäft wird immer schwieriger.

Eine eigentlich strunznormale Bilanz-Pressekonferenz hat der größte Oberhausener Energieversorger diesmal ganz besonders inszeniert: Die EVO-Vorstände luden die Medien auf die luftige Höhe der Aussichtsplattform im Nirgendwo des Osterfelder Olga-Parks ein – mit schönem Rundblick auf Gasometer und RWO-Stadion. Das gibt beeindruckende Bilder bei entspannter Atmosphäre.

Doch all die Inszenierung hilft beim Blick auf die nüchternen Zahlen des Bilanzjahres 2018 und der Vorjahre nichts: Die EVO verliert schon seit mehreren Jahren in ihren Stamm-Geschäftsfeldern; die einst so gülden glänzenden Bilanzen erhalten Jahr für Jahr rostige Flecken. Der Gewinn aus dem Kerngeschäft sinkt. Deshalb reden die EVO-Chefs nur kurz über wenige Zahlen der Vergangenheit – gerne sprechen sie ausführlich über ihre neuen Einnahme-Ideen, mit denen sie die EVO in die Zukunft führen möchten.

Lamentieren hilft nicht

Tatsächlich hilft all das Lamentieren über die raue Wirklichkeit eben nichts: Immer mehr Anbieter von Strom und Gas drängen nach Oberhausen, bieten Billigpreise für ein austauschbares Produkt und die Bürger sind mehr und mehr bereit, andere auszuprobieren. Zu viele müssen auf jeden Euro in der Tasche achten – und wechseln deshalb auch für kleine Ersparnisse den Anbieter. Dabei beachten selbst leidenschaftliche Oberhausener zu wenig, welche Leistungen die EVO für die Stadt bringt: Arbeitsplätze, Aufträge für Handwerker, Sponsoring von Sport- und Kulturereignissen – und eine zweistellige Millionensumme für den Stadtsäckel.

Bequeme Monopolisten-Zeiten vorbei

Die bequemen Zeiten der Monopolisten-Ära jedenfalls, als Stadtwerke und Stromkonzerne leicht das Geld der Bürger kassierten, kehren nicht zurück. Die EVO hat darauf bereits mit Arbeitsplatz- und Kostenabbau reagiert, doch hier scheint das Ende der Fahnenstange erreicht.

Deshalb ist es richtig, dass die EVO-Chefs rund um die Energieversorgungskompetenz ihrer über 420 Mitarbeiter neue Einnahmequellen suchen. Das Problem: Der Aufbau neuer Geschäftsfelder kostet Zeit und benötigt viel Geduld. Mal sehen, wie gelassen die EVO-Eigentümer, Innogy SE und die Stadt, sein können, wenn die Ausschüttungen magerer werden.

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