Krankentransport

Wer übernimmt die Fahrtkosten zum Untersuchungstermin?

Ein Oberhausener Patient weiß nicht, wie er zum Untersuchungstermin nach Dortmund kommen soll. Eine Fahrt mit dem Taxi kann er sich nicht leisten.

Ein Oberhausener Patient weiß nicht, wie er zum Untersuchungstermin nach Dortmund kommen soll. Eine Fahrt mit dem Taxi kann er sich nicht leisten.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Monate hatte ein Patient auf den Untersuchungstermin gewartet. Weil er aber kein Geld fürs Taxi hat, ihn niemand fahren kann, musste er absagen.

Drei Monate hatte ein Oberhausener, der seinen Namen nicht öffentlich nennen möchte, auf einen Untersuchungstermin warten müssen. Doch da er niemanden hat, der ihn nach Dortmund hätte bringen können, musste er diesen Termin nun erst einmal verschieben. In seiner Not wandte er sich an diese Redaktion.

Der Oberhausener sagt: „Ich habe hier keine Familie.“ Die kleine Rente, die er beziehe, lasse ihm keinen Spielraum für eine Taxifahrt. Er habe einen Schwerbehindertenausweis über 100 Prozent und sei auf eine Begleitung angewiesen. „Ich wusste einfach nicht, wie ich nach Dortmund kommen sollte.“ Dort hätte er – „wegen des Verdachts auf einen Tumor“ – eine Magnetresonanztomographie machen lassen sollen. „Ohne diese Untersuchung komme ich auch mit meinem Antrag auf Pflegegeld nicht weiter.“

Die Übernahme von Fahrtkosten ist klar geregelt

Anika Jurkuhn, Pressesprecherin der AOK Rheinland/Hamburg, informiert auf Nachfrage: „Die Übernahme von Fahrtkosten zur ambulanten Behandlung ist klar geregelt.“ Die entsprechenden Vorgaben würden für alle gesetzlichen Krankenkassen gleichermaßen gelten. Ausschlaggebend sei, ob zum Beispiel eine eigentlich stationäre Leistung durch eine ambulante ersetzt werden kann. „Oder die ambulante Leistung aus medizinischen Gründen zwingend erforderlich ist.“ Stets übernommen würden aber auch hochfrequente Leistungen wie beispielsweise die Fahrten zur Dialyse oder Chemotherapie.

Ein Anspruch auf Kostenübernahme bestehe aber auch, wenn bestimmte Kennzeichen im Rahmen der festgestellten Schwerbehinderung vorlägen (Kennzeichen aG, BL oder H); sowie ab dem Pflegegrad 3 (mit zugleich eingeschränkter Mobilität) und generell bei Pflegegrad 4 und 5.

„In allen übrigen Fällen muss der Arzt die individuellen Voraussetzungen bei seinem Patienten prüfen und den Anspruch begründen“, führt Jurkuhn aus. Die Fahrtkosten müssten vom Arzt verordnet werden und bei der Krankenkasse beantragt sein, bevor man sich ins Taxi setzt. Die AOK-Sprecherin ergänzt: „Dabei muss er berücksichtigen, welches Transportmittel der betreffende Versicherte aufgrund vorhandener Erkrankungen und Einschränkungen medizinisch benötigt.“ „Idealerweise bemüht sich der Arzt in dringenden Fällen auch um einen frühzeitigeren Termin für seinen Patienten.“

Das Einkommen spielt keine Rolle

Eine Entfernungsbegrenzung gebe es nicht, da ausschließlich die Frage der nächsterreichbaren geeigneten Behandlungsstätte ausschlaggebend sei. Das Einkommen eines Versicherten bei der Bewertung der Übernahme von Fahrtkosten spiele grundsätzlich keine Rolle. „Das Einkommen ist nur dann von Bedeutung, wenn die Frage der maximal zumutbaren Höhe gesetzlicher Eigenanteilsleistungen im Jahr bewertet wird“, führt Jurkuhn aus.

Allerdings gilt auch: Vermeidbare Mehrkosten muss der Patient selbst tragen. Das sei beispielsweise der Fall, wenn jemand die Untersuchung unbedingt in einer anderen Stadt durchführen lassen möchte, obwohl in seiner Stadt geeignete Anbieter derselben Leistung verfügbar sind. Für bewilligte Fahrten beträgt der Eigenanteil zehn Prozent der Kosten, mindestens 5 Euro, maximal jedoch 10 Euro.

Eine Beratung auch zu diesem Thema kann in jeder AOK-Geschäftsstelle erfolgen (auch an der Marktstraße 180). „Darüber hinaus stehen wir unseren Kunden für solche und andere Fragen kostenfrei an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden täglich unter der Rufnummer 08000 326 326 zur Verfügung.“

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