WM-Frisuren

Wichtig ist auf’m Kopf

Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

Viele Kicker bei der Fußball-Weltmeisterschaft spielen nicht nur schön. Jungs gehen mit Porträts zum Friseur. Trainiert bis in die Haarspitzen.

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Schade eigentlich, dass Leroy Sané nicht mit durfte zur WM. Der hatte die Haare schön – oder jedenfalls, interessant. Vorher – nachher: Aus Strubbelkopf mach’ Zöpfchen. Das hätte einen Run gegeben auf die Salons! So ist das nämlich immer: Kleine und große Jungs kommen zum Friseur und lassen sich die Haare schneiden. Wie Sané, bitte! Wie Lewandowski! Wie Draxler!

Dabei „wissen manche gar nicht“, verrät dessen Friseur, „wie die Spieler gerade aussehen“. Mustafa Mostafa aus Essen-Altenessen aber weiß es, weil er beim deutschen Nationalteam schon selbst die Schere angesetzt hat. „Undercut mit Seitenscheitel“, das sei der Trend 2018. Man kann das auf Mannschaftsfotos oder im Panini-Album prima sehen. An den Seiten kurz rasiert, das Deckhaar länger – und dann zur Seite „gekippt“: Toni Kroos nach links, Marco Reus nach rechts. Mario Gomez nach links, Leon Goretzka nach rechts, Julian Draxler auch.

Zudem trägt der „mit Strich“: Ein scharf anrasierter Scheitel trennt den Schopf vom Stoppel. „Sehr praktisch“ nennt das der Art Director des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks, Antonio Weinitschke. Aber, wichtig ist auf’m Kopf, „das trifft natürlich auch die Modevorschläge unseres Verbandes“. Der empfiehlt für den WM-Sommer den „Future Man“ („Längen perfekt hochgestylt, für mutige Männer“) oder „Simply Red“ („sexy undone“, was so viel bedeutet wie: stundenlang frisiert, obwohl es nicht so aussieht).

Samy Khediras Mittelscheitel ist weg, in der Mode wie auf dessen Kopf, Ilkay Gündogans dicker Schnurrbart noch nicht. Ein besserer Anhaltspunkt für Trends ist bei jeder Europa- oder Weltmeisterschaft natürlich der vermeintlich Schönste aller Spieler, Cristiano Ronaldo. Neulich sah der zwar geradezu unauffällig aus, man kennt ihn aber auch mit einrasierten Blitzen, und zum Finale der Champions League trug er „Frosted Tips“. Blondierte, gegelte Haarspitzen. Überhaupt ist Blond in, siehe Jerome Boateng oder Mats Hummels, die haben’s schon versucht. Oder der „Quiff“. Was? Eine Mischung aus Pompadour-Schnitt und „Flattop“ der 50er Jahre. Soll Ex-Kicker David Beckham aktuell spazieren führen.

Vielleicht aber auch nicht, manche Star-Spieler wechseln ja den Star

-Schnitt heutzutage schneller als den Verein. Man darf deshalb neugierig sein, wie Armando Cooper optisch die WM verbringt. Der Mittelfeld-Akteur des Neulings Panama trägt auf Fotos eine Turmfrisur, die wenig kopfballtauglich sein dürfte. Oder Diego Laxalt aus Uruguay, bislang trug der Zöpfchen. Nicht so verrückte wie einst Taribo West (Nigeria), der zwei oben auf dem Kopf auch gern grün färbte. Argentiniens Rodrigo Palacio hatte nur einen Zopf, den dafür lang. Ein Hingucker am Hinterkopf, sein Träger versemmelte 2014 im Endspiel gegen Deutschland eine Großchance und ist nun nicht mehr im Kader.

Überhaupt gilt das für viele, die auf dem Platz, vor allem aber auf dem Kopf eine Augenweide waren – oder wären, wenn sie mitspielen dürften. Abel Xavier aus Portugal mit seinem blondgefärbten Helm. Die Herren Gareth Bale (Wales) und Zlatan Ibrahimovic mit ihren Männer-Dutts. Oder Carlos Valderrama (Kolumbien) mit der gewaltigen Mähne, Marke „aufgeplatztes Sofakissen“. Ihm eifert der Fußballkopf auch heute noch nach: Brasiliens Marcelo sieht seit Jahren aus, als hätte er gerade in eine Steckdose gegriffen, Belgiens Marouane Fellaini fasste nach. Geht natürlich nur, wenn (Fußball-)Gott seinem Kicker auch die Haare dazu gegeben hat.

Aber auch eher schütter Frisierte ließen sich nie daran hindern, Vokuhila zu tragen. Würdigster Vertreter war wohl einer, der nie in einer Nationalmannschaft war: der Rostocker Mike Werner. Aber auch die Großen hatten den Vorne-kurz-hinten-lang-Schnitt fast alle. Netzer, Littbarski, Völler, Kahn, selbst Özil. Lange her? In der Mode, wir ahnen Schlimmes, kommt alles wieder.

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