Karneval

Alpen: „Wennse katholisch bist“

Kabarettistin Ulrike Böhmer als Erna Schabiewsky.

Foto: arfi

Kabarettistin Ulrike Böhmer als Erna Schabiewsky. Foto: arfi

Kirchenkabarett ist genauso so lustig wie Karneval: Ulrike Bäumer alias Erna Schabiewsky ist Stammgästin bei der kfd St. Ulrich in Alpen.

Alpen. Kaneval gibt’s was auf die Lachmuskeln: Die Frauengemeinschaft St. Ulrich Alpen (kfd) hat sich da mitten in der jecken Hochzeit etwas ganz Besonderes gegönnt. Das erneute Gastspiel von Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer als Erna Schabiewsky, die „Konifere inne Belange vonne Kirche“, wie sie von sich selber sagt. Ulrike Bäumer, die ausgebildete katholische Gemeindereferentin, weiß, wie das Revier tickt. Abends treibt es sie dann raus, um zum Lutherjahr im ganzen Land ihre persönlichen Erlebnisse und Erkenntnisse unter die Menschheit zu bringen. „Hier steh ich nun, ich kann auch anders“ lautet ihr neues Programm in Anlehnung an Luthers Thesenanschlag vor 500 Jahren an die Wittenberger Kirchentür.

Schwarze Kniestrümpfe

Erna Schabiewsky ist sich treu, wenn es um das modische Outfit geht. Pepita-Hütchen, rote Strickjacke und Handtasche, locker um den Arm gehängt. Ihr Rock reicht allerdings nicht über die schwarzen Kniestrümpfe. Die Kniee blitzen hervor. Sie will den Gästen im ausverkauften Alpener Pfarrheim etwas über das „Reformationsjubiläumsgedöns“ erzählen. Völlig unbefangen und voreingenommen, denn „wennse katholisch bis, musse nicht von allem Ahnung haben.“ Das kommt an am Niederrhein.

Wie gut, dass es in ihrer Heimatgemeinde die Paderborner Bistumszeitung „Der Dom“ und den Obermessdiener Ulf gibt. Der Abiturient ist der „Einzigste“ in diesem Kirchendienst. Luther beschäftigt Frau Schabiewsky sehr. „Der war Professor und brauchte für seine ‚Themmatik‘ 95 Thesen“, erklärt sie dem geneigten Publikum.

Und schon ist sie beim Ablasshandel, den es heute ja auch irgendwie noch gibt. ‚Urbi et Orbi‘, den Segen vom Papst an die heilige Stadt und die Welt zu Weihnachten und Ostern, hat sie auf Video. Wenn ihr Alltag zu heftig war, schaltet sie Fernseher samt Video an, nimmt eine fromme Haltung ein und bekommt so ihren Segen. Zu jeder Zeit. „Dat is dat Gute, wennse katholisch bis.“

Dank „Internetzrecherche“ von Ulf ist sie auf dem neusten Stand der Lutherforschung. Ulf hat Erna Schabiewsky derart enthusiastisch aufgeklärt, dass sie das Schlimmste befürchtet. Der Obermessdiener kennt ab sofort nur noch ein Berufsziel: das Studium der evangelischen Theologie und die Nachfolge Luthers. Erna gerät „in eine ehrliche Erschütterung“.

Dennoch: „Ich bin Luther so dankbar für die deutsche Übersetzung der Bibel“, erklärt sie und nimmt langen Anlauf zur Rechtfertigungslehre des Reformators und landet bei Katharina von Bora, Luthers Frau. Zwei Mal im Jahr hängt der Haussegen im Ruhrgebiet schief. „Denn der Gatte ist total fertig, weil seine Frau recht hat. Diese Rechtfertigungslehre reicht für ein halbes Jahr“, lautet zusammengefasst ihre Erfahrung.

Langsam schließt sie den Kreis um Ulf, Luther und die Bistumszeitung. Sie teilt aus, überspitzt, erklärt und attackiert dabei treffsicher die katholische Kirche, moniert das starre Festhalten an alten Denkmustern. Das Publikum im Pfarrheim ist von ihren katholisch-evangelischen Konstellationen begeistert. „Auch unser Papst Franziskus passt in die Nachfolge von Luther. Wenn der frei raus spricht, mischt der die katholische Kirche auf!“ Erna Schabiewsky ist ganz klar auf dem „okenemischen Tripp“ und rät sogar den Alpener kfd-Frauen zu einem entsprechenden Bibelkreis. „Da braucht man keinen Pastor für. Nehmt euch eine evangelische Pastorin.“

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