Kindergarten

Die Wurzelzwerge sind endlich in Alpen angekommen

Symbolische Eröffnung: Kinder; Eltern und Erzieher feierten am Montag den Start des Waldkindergartens in Alpen.

Symbolische Eröffnung: Kinder; Eltern und Erzieher feierten am Montag den Start des Waldkindergartens in Alpen.

Foto: Fischer, Armin (arfi)

Alpen.  Nach fast zwei Jahren Vorbereitung ist der erste Waldkindergarten im Kreis Wesel eröffnet. Kinder und Erzieher sind bei Wind und Wetter draußen.

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Lange wurde ihm entgegengefiebert: Am Montagnachmittag um 14 Uhr war es soweit: Auf der Bönninghardt in Alpen öffnete der erste Waldkindergarten des Kreises Wesel seine Türen. Wobei das allerdings nur sinnbildlich zu verstehen ist, denn es gibt auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Areal weder Türen noch Räume, nur rote Bändchen markieren die Außengrenzen.

Nach einem misslungenen Versuch in Xanten-Birten hatte der Verein Waldkindergarten in Alpen einen neuen Anlauf gewagt. Treibende Kraft im fast zwei Jahre dauernden Kampf um Auflagen und Verordnungen war der Daueroptimist Carlo Ridder. Dementsprechend war dem Erzieher die Last anzusehen, die ihm am Montag vom Herzen fiel: „Es war ein langer und steiniger Weg, umso mehr freuen wir uns heute, dass es geklappt hat.“

Vorschriften müssen eingehalten werden

Größte Hürde im Genehmigungsverfahren waren der Brandschutz und die Errichtung ausreichender Rettungswege. Aber selbst an der gemütlichen Sitzecke, dem „Waldsofa“, ging der Amtsschimmel nicht achtlos vorbei. Grund dafür ist eine Plastikplane, mit der das von einer Bentjeshecke umsäumte „Wohnzimmer“ vor Sonne und Regen geschützt wird. Ridder: „Diese Plane mussten wir so befestigen, dass sie im Brandfall innerhalb von fünf Minuten abgenommen werden kann.“

Aber auch unter penibler Einhaltung aller Vorschriften stand die Eröffnung des „Waldkindergarten Wurzelzwerge“ spitz auf Knopf. „Die endgültige Betriebsgenehmigung haben wir heute Morgen auf den letzten Drücker bekommen“, erklärte Thomas Ahls. Alpens Bürgermeister zollte den ehrenamtlichen Helfern des Vereins großen Respekt: „Sie haben in Birten schon einmal vergeblich einen Wald aufgeräumt und Bäume geschnitten. Davon haben sie sich nicht entmutigen lassen und dafür sagen wir Danke.“

Gewünscht ist eine kleine homogene Gruppe

Neben Ahls überreichten Vertreter aller Alpener Parteien dem Verein einen Umschlag mit „Startkapital“. Besonders erfreut zeigte sich natürlich der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Peter Nienhaus: „Endlich ist aufgegangen, was wir uns schon ewig wünschen: Dass Kinder eine Beziehung zur Natur entwickeln, sie täglich erleben und sehen.“

Ab sofort werden 15 Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren von vier Erzieherinnen und Erziehern unter Baumkronen betreut, weitere fünf sollen hinzukommen, mehr nicht. „Wir möchten eine kleine homogene Gruppe haben, nicht mehr. Das ist unser Konzept“, erklärt Hellena Ahls, zweite Vorsitzende des Vereins.

Gespielt wird an der frischen Luft

Mit diesem Ansatz liegen sie goldrichtig, was Anfragen von Eltern für die kommenden drei Jahre unterstreichen. Zimperlich dürfen Waldkinder allerdings nicht sein. Denn egal, ob es in Strömen regnet oder klirrend kalt ist: Gespielt wird draußen. Echten „Wurzelzwergen“ macht das nichts, im Gegenteil. „Auf Regen freuen sich die Kinder am meisten, dann können sie im Matsch toben“, weiß Hellena Ahls, die sich darüber freut, dass auch die Eltern cool bleiben: „Die Kinder werden am Nachmittag dreckig abgegeben und am nächsten Tag in den gleichen dreckigen Klamotten wieder hergebracht.“

Anna-Maria Faber, Mutter des dreijährigen Piet, nimmt vermeintliche Nachteile der Outdoor-Betreuung bewusst in Kauf: „Das hier ist einfach näher an den Bedürfnissen unseres Sohnes. Die Lärmbelastung ist nicht so groß wie in geschlossenen Kindergärten, und ich finde das Angebot gut, Natur zu vermitteln und darauf aufzupassen.“ Derzeit wartet der Verein noch auf zwei spezielle „Bauwagen“ mit Ofen und Toilette. Bis die geliefert werden, dürfen die Kinder bei ganz widrigen Bedingungen einen Raum in der Grundschule „Zum Wald“ nutzen.

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