Brauchtum

„Feiern, bis der Arzt kommt“: Karnevalsmotto der KAB Alpen

Da wurden die Rollen vertauscht: Der Arzt bekam bei der Büttensitzung der KAB Alpen Spritzen verabreicht – natürlich mit guter Miene entgegengenommen.   

Foto: Peter Bußmann

Da wurden die Rollen vertauscht: Der Arzt bekam bei der Büttensitzung der KAB Alpen Spritzen verabreicht – natürlich mit guter Miene entgegengenommen.   

Alpen.   Die KAB Alpen zeigte, wie man richtig Karneval feiert. Sogar der Elferrat muss sich in die Ecke quetschen, weil der Saal so gut besucht war.

Wenn Alpen Karneval feiert, dann aber richtig. Dafür sorgt alljährlich, mehr als 50 Jahre lang, die KAB – klein, aber fein. Da ist die närrisch geschmückte Scheune der Gaststätte am Dahlacker schnell ausverkauft. Selbst der Platz für den Elferrat bleibt eng in die Ecke gequetscht, denn auf der Bühne muss ja Raum sein für die närrischen Aktionen. Und die hatten es in sich, mit akrobatischen Einlagen der Kleinsten, die als tolle Tanzgarden, Mamas Lieblinge, auftraten, vor allem aber für das Männerballett aus Uedem-Keppeln. Das nämlich wirbelte über die Bühne, fetzig, akrobatisch, wagemutig. Kaum zu glauben, dass so ein kleines Bauerndorf vom Niederrhein so viel Männer und selbst eine Frau auf die Bühne bringen kann.

Los ging es pünktlich um 19.11 Uhr, als der Elferrat mit dem traditionellen Alpener Schlachtruf „Mokum mäk met“ unter Sitzungs- und Elferratspräsident Gerd Verhalen einzog. Für den Unkundigen sei es hier verraten: „Alpen macht mit“ heißt es übersetzt, denn Mokum ist ein alter niederrheinischer Name für Alpen. Klar, dass das Örtchen beim Karneval präsent ist. Ertönte Samstagabend der närrische Schlachtruf, schallte stets ein „Helau“ zurück.

„Feiern, bis der Arzt kommt“ lautete das diesjährige Motto. So zog der Elferrat komplett im Arztkittel mit Stethoskop oder Hörrohr ein. Wolfgang Ridder, den jeder in Alpen nur als Bollo kennt, brachte als Zeremonienmeister gleich am Anfang das Kinderprinzenpaar Henrick Nissing und Leonie Reitz auf die Bühne. Die begrüßten gekonnt die wild und bunt kostümierte Narrenschar in der Scheune, vergaß auch das „Mokum mäk met“ nicht. Wer aber, als die Tanzgarde der Möhnen angekündigt wurde, die alten hässlichen Weiber mit den verschrumpelten Masken erwartete, war schief gewickelt. Zwei tolle Truppen von Winzlingen traten auf, begeisterten Mama, Opa und Oma.

Büttenreden waren natürlich auf dem Programm. Die schwere Rolle des Eisbrechers übernahm der „Puma“ aus Düsseldorf, der aus seiner Familie und von seiner stotternden Frau, die auch nach A-a-a-a-alpen wollte, berichtete. Seine Freude: So viele lachende Gesichter wie in der KAB-Sitzung hatte er zuletzt bei der Beerdigung der Schwiegermutter gesehen. Er, der mit einem großen Koffer einzog, berichtete von erlebten Polizeikontrollen. „Lieber einen Koffer in Berlin als den Führerschein in Flensburg.“ Später gab’s noch ein wenig Regionalkolorit mit dem Birtener Jung, Nico Stölzer, Dirk Stoffel aus Wesel und Siggi Rose aus Neukirchen.

Schwung in die Bude brachte das Männerballett aus Uedem-Keppeln. Zwei Typen, jeder kennt sie als Panzerknacker aus den Micky-Maus-Heften, stürmten samt Säcken mit Diebesgut durch den abgedunkelten Saal auf die Bühne, verfolgt von einer halben Hundertschaft Polizisten mit gezogenen Pistolen und blendenden Taschenlampen. Die zogen auf der Bühne eine grandiose Schau ab mit viel Akrobatik, Salto und Überschlägen, dass die Polizeimützen nur so flogen. Selbst ein kleines blaulichtblitzendes Kindermotorrad flitze über die Bühne. Klar, dass man im Saal, der kochte, eine Zugabe forderte. Es wurde eine tolle Schau des Männerballetts.

Ob am Ende das Motto die Mediziner forderte, hing sicher vom Alkoholpegel ab. Manche Leber soll dem Vernehmen nach stark strapaziert worden sein. Selbst der Bürgermeister Thomas Ahls war im Arztkittel unter seinem Volk, auch wenn er mit seiner Band „Ma so, ma so“ für kölsche Karnevalsklänge sorgte.

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