René Steinberg ist im Strandbad Xantener Südsee zu Gast

 René Steinberg gastiert am Freitag in Xanten.  

 René Steinberg gastiert am Freitag in Xanten.  

Foto: Olli Haas

Xanten.  Der Kabarettist spielt am Freitag in Xanten. Im Gespräch erzählt er vom Konzept „Peinlich-Sein“und warum der Niederrhein Heimatgefühle weckt.

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Unsere Zeit: unübersichtlich, ökonomisiert, aufgeheizt und – kurz gesagt – „alle bekloppt“. In den Innenstädten Leere, auf den Autobahnen Chaos, in den sozialen Netzen Wut und in der Gesellschaft immer mehr Gegeneinander. Was also tun? Schimpfen? Schaukeln gehen? Aluhut aufsetzen? René Steinberg meint: Es muss mehr Humor gewagt werden. Humor, das ist das Thema, mit dem sich der Kabarettist am kommenden Freitag, 5. Juli, um 20 Uhr, im Strandbad Xantener Südsee beschäftigt. Im NRZ-Gespräch mit Jasmin Ohneszeit verrät er, worauf das Publikum in Xanten gefasst sein sollte.

Ihr Programm heißt „Freuwillige vor – wer lacht, macht den Mund auf“. Was erwartet die Besucher an diesem Abend?

René Steinberg: Lachen, Lachen, Lachen. Und Interaktion. Ich möchte jedes mal einen ganz besonderen, individuellen Abend, ein Live-Erlebnis schaffen. Denn darin steckt ja schon meine kabarettistische Botschaft: in den heutigen Zeiten braucht es vor allem wieder mehr Humor, mehr Miteinander und mehr Gemeinsinn; anstelle von Verrohung, Respektlosigkeiten und „ich zuerst“.

Woher nehmen Sie die denn Inspiration für den Inhalt Ihres Programms?

Wie ich stets sage: „Realität toppt immer“ – schau dir die Welt an, und wenn du genau hinschaust, siehst du sehr genau, wo der Humor steckt. So habe ich selber großen Spaß daran, dass bei diversen Nummern das Publikum sich selbst darin erkennt. Dieses zustimmende Lachen nach dem Motto „Jo, kenn ich genau so“, daran habe ich auch selbst großen Spaß.

Waren Sie denn schon einmal in Xanten zu Gast?

Was für eine Frage: aber natürlich! Wer eine Schulzeit in NRW verlebt, bei dem ist ein Besuch in Xanten doch quasi fest „eingepreist“ (lacht). Und so habe ich natürlich auch schon meine Kinder durch den Archäologischen Park gezogen. Obendrein ist durch viele Gastspiele in der Region (einmal auch schon in Xanten) und durch meine liebe Freundin und Kollegin Steffi Neu der Niederrhein für mich schon quasi zu einer zweiten Heimat geworden. Erst neulich war ich mit Steffis Kneipenquiz in Appeldorn, ich spiele mein Weihnachtsprogramm immer in Rheinberg und ich habe Karneval in Keppeln überlebt Daher weiß ich: Wenn der Niederrhein will, dann verwandelt er einen Saal in die Copacabana von NRW.

Zweite Heimat sagen Sie... Wie empfinden Sie denn Ihre hiesigen Mitmenschen, Ihr Publikum?

Vor allen Dingen ehrlich. Grundehrlich. Das oftmals zugeschriebene niederrheinische Phlegma ist ja in Wahrheit nichts anderes als Geradlinigkeit. „Tu ma keine Umstände machen“ – man verbiegt sich nicht. Ich habe hier stets das Gefühl, das Publikum denkt unisono: „Wir sind hier, du bist hier, dann zeig mal, was du kannst und wenn es uns gefällt, dann zeigen wir dir das“. Und das machen sie auch.

Es werden keine Vorschusslorbeeren verteilt, aber es gibt es auch keine hohlen Schulterklopfer. Wenn man mir hier sagt: „Das hat uns gefallen“, dann ist das so. Und wenn man sie dann mal hat, dann sind sie treu – und gehen ab wie Schmitz’ Katze.

Sie sprechen über „bekloppte Zeiten“. Warum sagen Sie, dass wir mehr Humor wagen müssen?

Weil es meiner Meinung nach eine Chance ist, aus der derzeitigen Misere raus zu kommen. Einer der zentralen Sätze des Programms ist: „Wir haben viele Probleme in der Welt und deshalb sehr viel Wut – darauf nun mit Wut antworten? Damit noch mehr Wut in die Welt kommt!?“ Ich denke, das geht schief. Meiner Meinung nach braucht es eine ganz andere Einstellung. Kritisch-konstruktiv mit Humor die Welt verändern. Mehr Freundlichkeit wagen, die öffentliche Stimmung verändern und die Dinge, die uns auf die Nerven gehen, aktiv mit Gelächter bekämpfen. Darum geht es.

Humor benennen Sie als „Wutdrucksenker“. Verraten Sie doch einmal: Wie kann man denn mit Humor diese chaotischen Zeiten überstehen?

Na dafür müssen Sie schon ins Programm kommen. Ich verrate doch nicht vorher schon alles. Aber vielleicht eines: An einer Stelle geht es um das von mir propagierte pädagogische Konzept namens „Peinlich-Sein“. Einfach mal die Tochter, die zu spät aus der Disco kommt, da abholen. Im Doppelripp-Unterhemd und mit Jogginghose. Rein in die Disco! Nicht schimpfen, sondern direkt auf die Tanzfläche. Ergebnis: Du regst dich nicht auf, Töchterchen kommt nieeeee wieder zu spät und du selber hast auch noch diebische Freude dabei. Das ist, was ich meine.

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