Gericht

Schlichten, wenn Nachbarn streiten – neuer Schiedsmann in Xanten

Wer Streit schlichten möchte, kann sich an Michael Kemkes (l.) und Reiner Pulheim wenden. Dagmar Thürmer verabschiedete sich.

Foto: crei

Wer Streit schlichten möchte, kann sich an Michael Kemkes (l.) und Reiner Pulheim wenden. Dagmar Thürmer verabschiedete sich. Foto: crei

Michael Kemkes ist neuer stellvertretender Schiedsmann in Xanten. Er folgt auf Dagmar Thürmer. Für sie war es manchmal „Kindergarten“

Xanten. Als Bürgermeister Thomas Görtz jüngst mit Michael Kemkes einen neuen stellvertretenden Schiedsmann vorstellte und Dagmar Thürmer dafür Dank aussprach, dass sie sich fünf Jahre lang ehrenamtlich als Schiedsfrau in Xanten engagiert hat, brachte er es auf den Punkt: „Das Schiedsamt ist heute manchmal wichtiger denn je. Der Bürger wird immer kritischer, bisweilen auch streitsüchtiger.“ Schiedsmann Rainer Pulheim (62) teilte diese Ansicht. „Früher ging man mit einem Schnaps mal eben ’rüber und klärte das Problem mit dem Nachbarn. Heute heißt es immer öfter: Mit dem kann man ja nicht reden.“

Gerichtliche Auseinandersetzungen vermeiden

Dafür ist ja der Schiedsmann oder die Schiedsfrau da. Eine Instanz, die vorgeschaltet ist, um gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden. Eine Instanz auch, die zuhören kann und schlichten soll, bevor eine Auseinandersetzung eskaliert. Denn in der Regel geht es um Nachbarschaftsstreitigkeiten. Zum Beispiel um das Fahrrad des betagten Mieters, das sich ein anderer Mieter immer wieder aus dem Keller holt und ohne zu fragen „ausleiht“. Oder um den Hahn, der um fünf Uhr in der Frühe anfängt zu krähen und des Nachbarn Nachtruhe stört, weil der doch gerne länger schlafen möchte. Rein rechtlich darf er das übrigens auch: Von 20 Uhr bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr müssen Hähne „dunkel gesetzt“ werden, wenn den Nachbarn das morgendliche Kikeriki auf die Palme bringt. „Manchmal“, weiß Dagmar Thürmer aus ihrer fünfjährigen Amtszeit als Schiedsfrau, „da hat man schon das Gefühl, man ist im Kindergarten“.

Schiedsgericht tagt im Trauzimmer

Was den neuen stellvertretenden Schiedsmann Michael Kemkes verwundert: Immer öfter bringen Kläger ihre Rechtsanwälte mit, wenn das Schiedsgericht tagt – übrigens im Trauzimmer im Rathaus, „das strahlt schon von vornherein ein bisschen Ruhe aus“, so Pulheim. Das Prozedere ist immer gleich: A ruft den Schiedsmann an, weil er sich über einen Nachbarn ärgert oder meint, dessen Hecke sei zu hoch oder die Markise passt rein farblich nicht zum Gesamtbild in der Straße; der Schiedsmann versucht, den Streit zu schlichten. Sollte das nicht möglich sein, wird ein Termin beim Schiedsgericht festgelegt, zu dem Kläger und Beklagter geladen werden.

Sollte dann immer noch keine Einigung erzielt werden, stellt der Schiedsmann eine Bescheinigung aus, mit der der Kläger dann zur nächsten Instanz, dem Amtsgericht, gehen kann. Das lässt allerdings nicht alle Klagen zu: Kleine Verfahren wie hohe Hecken oder krähende Hähne nimmt das Gericht erst gar nicht an, sondern verweist an die Schiedspersonen, die auch Erbschaftsstreitigkeiten versuchen zu entschärfen. Etwa zehn offizielle Verfahren (Schiedsgericht) fallen im Jahr an; rund 15 mal sind es „Tür- und Angelfälle“, die durch ruhige Gespräche beim Schiedsmann gelöst werden können.

Eine ehrenamtliche Aufgabe

25 bis 40 Euro kostet eine Schiedsverhandlung, die Kosten trägt der Kläger. Und er muss bar zahlen. Die Schiedsleute müssen ihre „Einsätze“ protokollieren und ein Kassenbuch führen, das einmal im Jahr vom Amtsgericht geprüft wird. Michael Kemkes (47), der im Rahmen der beruflichen Weiterbildung zum zertifizierten Mediator hat ausbilden lassen, freut sich auf seine neue ehrenamtliche Aufgabe. „Wenn alle mit einem guten Gefühl aus einer Schiedsverhandlung gehen, dann haben wir einen guten Job gemacht.“

Kontakt: Reiner Pulheim, 02801 4343 oder 0151 17317016, reiner.pulheim@gmx.de; Michael Kemkes, 02801 77947 oder 0162 9268986, michael.kemkes@sanctos.de

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