Stadtplanung

Straßensperrung auf Zeit für die Rheinberger Innenstadt

Derart autofrei soll es am Holz- und Fischmarkt in Rheinberg zugehen

Derart autofrei soll es am Holz- und Fischmarkt in Rheinberg zugehen

Foto: Elke Wiegmann

Rheinberg.  Der Bauausschuss in Rheinberg spricht sich für ein Durchfahrtsverbot des Holz- und Fischmarktes für Autos aus – es ist vorerst ein Testversuch.

Was während der Sanierung des Holz- und Fischmarktes unabdingbar war könnte bald schon ein Dauerzustand werden: Das Durchfahrtsverbot für den Autoverkehr über diesen Straßenabschnitt in der Rheinberger Innenstadt. Vor genau zwei Jahren beschäftigte sich der Bau- und Planungsausschuss schon einmal mit dem Thema. Damals kamen Unsicherheiten auf, ob ein mögliches Durchfahrtsverbot den Verkehr zu stark auf die angrenzenden Straßen im historischen Ortskern verlagere.

Deshalb wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die genaue Verkehrssituation zu analysieren. Das geschah während der Umbauphase und der damit verbundenen Sperrung des Holz- und Fischmarktes von Januar bis Juni. So sollte herausgefunden werden, ob, und wenn ja, wie sehr sich die Sperrung auch zukünftig auswirken könnte. Die Ergebnisse der Verkehrserhebung lagen nun vor. Hans-Rainer Runge vom Düsseldorfer Ingenieurbüro für Integrierte Verkehrsplanung, stellte diese im jüngsten Bau- und Planungsausschuss am Mittwoch vor. Eine dreistündige Verkehrszählung im Mai ergab, dass auf dem Innen- und Außenwall keine Zunahme der Verkehrsmenge gegenüber früheren Zählungen festgestellt wurde.

Der Autoverkehr habe gegenüber der Zählung im Jahr 2016 leicht abgenommen. Die gleiche Aussage gilt für die äußeren Innenstadtzufahrten Xantener Straße, Bahnhofstraße und Orsoyer Straße. Der Knotenpunkt Bahnhofstraße gelte nach dem Hausabriss am Wall als übersichtlich und leistungsfähig, heißt es im Bericht des Ingenieurbüros. „Eine deutliche Mehrbelastung mit einem Plus von 2000 Fahrzeugen, haben wir auf der L 137 festgestellt“, erklärte Hans-Rainer Runge. Dies bedeute, dass der städtische Durchgangsverkehr zum Teil auf die Umgehungsstraße abgewandert sei.

Kein Chaos für die Rheinberger Innenstadt

Auf der Goldstraße wurden während der innerstädtischen Bauphase rund 2300 Autos in 24 Stunden und auf der Straße Zum Kattewall rund 2800 ermittelt. Im Vergleich zur Verkehrsmodellrechnung 2016 bedeutet dies etwa eine Verdoppelung der Verkehrsmenge auf der Goldstraße und eine mehr als Verdreifachung auf der Straße Zum Kattewall. „Ein Verkehrschaos haben wir aber nicht festgestellt“, berichtete Runge.

Seiner Einschätzung nach, könnte der Verkehr auch zukünftig über die L 137 und die Wälle so abgewickelt werden, dass eine Sperrung des Holz- und Fischmarktes „eine machbare und weitgehend verträgliche Verkehrsregelung“ wäre. Die CDU sah das am Mittwochabend anders. „Eine Verdopplung des Verkehrs hört sich harmlos an, aber wir haben die Anwohner befragt, die das als sehr störend empfanden“, erklärte Heinz Engelke. Markus Geßmann, ebenfalls CDU, sieht nicht nur die Anwohner, sondern auch die Gewerbetreibenden von einem Durchfahrtsverbot negativ betroffen.

Die Sperrung des Holz- und Fischmarktes sei für die dortigen Gastronomen zwar eine Entlastung, wenn der Verkehr aber über die Straße Großer Markt abgeleitet werden würde, für die dort angrenzenden Gastronomiebetriebe eine Belastung, so seine Kritik. Dem schloss sich FDP-Mann Hans Peter Götzen an. Er könnte mit einem Abgang einzelner Gewerbetreibender rechnen. „Bitte keine Horrorszenarien ausmalen“, betonte Jürgen Bartsch (Grüne). Die Kritik seitens CDU und FDP konnte er genauso wenig wie Sozialdemokrat Peter Bender nachvollziehen. „Zu sagen, wir wollen die Innenstadt sperren, halte ich für äußerst unseriös. Wir reden von einem 60 Meter langen Teilstück.“

Es gibt eine Anhörung mit der Polizei

Die SPD sprach sich ebenfalls für die einjährige Sperrung aus. „Das ist eine Attraktivitätssteigerung fürs Zentrum“, so Peter Bender. Das geplante Durchfahrtsverbot soll aber nicht für den Öffentlichen Personennahverkehr gelten. Busse dürften weiterhin durch die Innenstadt fahren. Auch Fußgänger und Radfahrer könnten diesen Bereich weiter nutzen. Mehrheitlich stimmte der Ausschuss für den Beschluss, eine einjährige Testphase durchzuführen und den Teilbereich des Holz- und Fischmarktes für den motorisierten Individualverkehr zu sperren. Es war aber eine knappe Entscheidung. Elf Mitglieder stimmten dafür, acht dagegen.

CDU und FDP waren geschlossen gegen die Pläne. SPD, Grüne und Linke stimmten zu. Bevor das Durchfahrtsverbot kommt, wird zunächst eine Anhörung des Straßenbaulastträgers und der Polizei durchgeführt, damit dann die verkehrsrechtliche Anordnung der Sperrung erfolgen kann.

Die Bürger sollen deutlich vor der Sperrung informiert werden, um mögliche Konflikte frühzeitig zu verringern, heißt es von der Verwaltung. Aber auch während der Sperrung ist geplant durch Aktionen im Straßenraum die Verkehrsteilnehmer für die geänderte Verkehrsführung zu sensibilisieren.

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