Apollo

5. Siegener Biennale: 8570 Zuschauer in 19 Theatertagen

95 Prozent der Zuschauerinnen und Zuschauer bewerteten die „Panikherz“-Aufführung bei der 5. Siegener Biennale als „sehr gut“. Damit erhält die Inszenierung des Berliner Ensembles den Publikumspreis.

95 Prozent der Zuschauerinnen und Zuschauer bewerteten die „Panikherz“-Aufführung bei der 5. Siegener Biennale als „sehr gut“. Damit erhält die Inszenierung des Berliner Ensembles den Publikumspreis.

Foto: Julian Röder

Siegen.   Die 5. Siegener Biennale zog 8570 Zuschauerinnen und Zuschauer ins Apollo-Theater Siegen. Preise für Berliner Ensemble und Münchner Kammerspiele.

Die Preise, die die beiden Gewinnerstücke der 5. Siegener Biennale – „Männerdämmerung“ – am Sonntagabend im Festivalzelt auf dem Scheinerplatz erhielten, sind zumindest teilweise eine Wette auf die Zukunft, wie Apollo-Intendant Magnus Reitschuster einräumte. Der Publikums-Sieger „Panikherz“ des Berliner Ensembles und der Jury-Sieger „Trommeln in der Nacht“ der Münchner Kammerspiele erhalten jeweils 1000 Euro – und die Einladung, zur Eröffnung des Anbaus für das Junge Apollo (JAp) im Jahr 2022 „über den Dächern der Stadt“ zu spielen“, wie der Intendant versprach. Allerdings mit dem Zusatz, dass die Realisierung dieses Anbaus „noch in den Sternen stehe“.

Preise

Nun haben spekulative Preise mit subversivem Charme beim Siegener Theaterfestival Tradition. Bei der ersten Runde 2009 gab es für die Gewinner Aktienpakete der Hypo Real Estate, bei der zweiten 2011 griechische Staatsanleihen. In der damals jeweils aktuellen Situation waren das sichere Verlustkandidaten, von der Apollo-Leitung mit ironischem Scharfsinn ausgewählt, weil wirklich überhaupt nichts von den liebevoll ausgewählten Präsenten zu erwarten war – passend zu den Biennale-Mottos „Vom Verlieren“ und „Dran glauben“.

Weil aber der Finanzmarkt manchmal so überraschend sein kann, wie gutes Theater es immer sein soll, stiegen Aktien und Anleihen massiv im Wert. Zwar habe sich die Politik noch nicht zu den Plänen für die zweite Spielstätte, die das Apollo sich für seine Jugendsparte gerne auf sein Dach setzen lassen würde, geäußert, sagte Magnus Reitschuster. Er fügte aber hinzu, die Umsetzung der Idee sei „heute fast so wahrscheinlich wie 2011 ein Gewinn mit griechischen Staatsanleihen“ – und wie die Sache ausging: siehe oben.

Preisträger

Publikumspreis: 95 Prozent der Zuschauer – abgestimmt wird in dieser Kategorie nach den Aufführungen durch Einwurf der Eintrittskarten in eine von drei im Foyer aufgestellten Wahlurnen – bewerteten „Panikherz“ des Berliner Ensembles, basierend auf dem Roman von Benjamin von Stuckrad-Barre, als „sehr gut“, nur 1 Prozent mit „war nix“. Intendant und Regisseur Oliver Reese wurde via Skype zur Preisverleihung im Biennale-Zelt zugeschaltet. Schon unmittelbar nach der Aufführung hätten die Schauspieler ihm Aufnahmen vom tosenden Applaus zugeschickt, hätten von der Begeisterung des Siegener Publikums geschwärmt. Die Auszeichnung freue ihn sehr: „Eigentlich ist nichts schöner als ein Publikumspreis – denn fürs Publikum machen wir’s ja.“ Die 1000 Euro Preisgeld, versprach er, „werde ich mit den Schauspielern sinnvollst für ein Essen ausgeben“. Zum zweiten Teil des Preises empfahl er Magnus Reitschuster: „Du kannst der Politik sagen: dass Berliner Ensemble hat zugesagt, Deine neue Spielstätte zu eröffnen.“

Jury-Preis: David Penndorf, Mitglied der vierköpfigen Jury, hielt die Laudatio auf Brechts „Trommeln in der Nacht“ der Münchner Kammerspiele. Das Preisgericht – Dr. Antonia Barten, Kristine Scholz-Linnert, Prof. Peter Schuster und er – hätten sich geschlossen für diesen Sieger ausgesprochen.

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