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A 45 Siegen: Bau-Experte erklärt Vorgehen bei Rahmede-Brücke

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Die marode A45-Autobahnbrücke Rahmede wird gesprengt

Die marode A45-Autobahnbrücke Rahmede wird gesprengt

Die A45-Talbrücke Rahmede bei Lüdenscheid ist seit Anfang Dezember gesperrt. Jetzt steht fest: Die marode Brücke wird gesprengt.

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Siegen.  Siegener Reinhard Quast macht vorsichtig Hoffnung, dass es bei der Rahmede-Talbrücke einigermaßen zügig vorangeht. Am Wichtigsten: Schnell Bauen.

Seine Worte signalisierten vorsichtige Hoffnung: Vor der neu zusammengesetzten Vollversammlung der IHK Siegen gab der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Reinhard Quast (Otto Quast GmbH & Co. KG), einen Einblick in die Vorbereitungen zum Neubau der gesperrten A-45-Talbrücke Rahmede. Wichtiges Ziel sei eine deutlich verkürzte Bauzeit.

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Auch wenn noch nicht viel zu sehen sei, gehe es voran: „Die Kippsprengung ist noch in diesem Jahr vorgesehen, erfordert aber umfangreiche Erdarbeiten unter der Brücke. Der notwendige Grunderwerb ist weitgehend vorbereitet. Angestrebt wird zudem eine funktionale Ausschreibung, die dem Bieter ermöglicht, an der Ermittlung der besten Lösung mitzuwirken“, betonte Reinhard Quast.

Neue Rahmede-Talbrücke an der A 45 soll mindestens 60 Jahre halten

Überlegungen, die bestehenden Pfeiler für einen neuen Überbau zu nutzen, um so die Bauzeit zu verkürzen, erteilte der Fachmann eine Absage. Die neue Brücke werde schwerer und stabiler. Es werde zudem mit einer Lebensdauer zwischen 60 und 100 Jahren geplant. Das sei mit den jetzigen Pfeilern nicht zu machen, zumal die neue Brücke aus zwei Baukörpern bestehen werde. Auch die besonders schnelle Baumethode, das sogenannte „Taktschiebeverfahren“, setze neue Brückenpfeiler voraus.

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Der Ersatzneubau im Rahmedetal stelle in jedem Fall eine Herausforderung dar. „Die Bodenbeschaffenheit ist sehr heterogen. In jedem Fall ist eine Hangsicherung erforderlich.“ Die Talbrücke Rahmede habe den Zustand der Brücken bundesweit in den Fokus gerückt, erläuterte Reinhard Quast. Von den insgesamt rund 28.000 Autobahnbrücken in Deutschland sei die Hälfte zwischen den 60er und 80er Jahren gebaut worden. Etwa 4000 Brücken, die starke Beschädigungen aufwiesen, müssten in den kommenden zehn Jahren erneuert werden. Hierum kümmere sich eine eigens bei der Autobahn GmbH gebildete „Brücken-Taskforce“.

Zeitverluste für Lastwagen in Lüdenscheid: 225.000 verlorene Stunden in sechs Monaten

Die Zeit drängt: Ein halbes Jahr nach der Sperrung der Brücke beläuft sich der volkswirtschaftliche Schaden nach Berechnungen des Institutes der Deutschen Wirtschaft (IW Consult GmbH) auf mindestens 180 Millionen Euro. In dieser Zeit quälten sich 1,8 Millionen Autos und 770.000 Lastwagen durch die Straßen Lüdenscheids. Neben der Belastung der Anwohner steigen auch die Kosten, die mit den Umleitungen einhergehen. Alleine die Zeitverluste bei der Lkw-Durchfahrt durch Lüdenscheid belaufen sich in den ersten sechs Monaten nach der Sprengung auf 225.000 verlorene Stunden.

„Der Schaden für die Region wächst mit jedem einzelnen Tag, an dem die Brücke nicht befahren werden kann. Das schwächt schon jetzt die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten südwestfälischen Wirtschaftsraumes, der so völlig unverschuldet in eine kritische Situation geraten ist“, unterstreicht der neue Präsident der IHK Siegen, Walter Viegener. „Die Erwartung der heimischen Wirtschaft ist deshalb, dass alle am Prozess Beteiligten die Köpfe zusammenstecken und im Interesse des wichtigsten nordrhein-westfälischen Industriestandortes Wege zur maximalen Beschleunigung finden. Jeder gewonnene Monat hilft!“

IHK Siegen: „Dynamisch abwarten“ reicht nicht – Projektideen gefordert

Das Bundesverkehrsministerium sei hier ebenso gefordert wie die Autobahn GmbH und das Fernstraßenbundesamt. Gemeinsam mit den IHKs in Arnsberg und Hagen setzt sich die IHK Siegen angesichts der gravierenden Auswirkungen der Brückensperrung für einen Nachteilsausgleich in der Region ein. Auf Initiative der südwestfälischen Kammern erarbeiten rund 80 Fachleute derzeit gezielte Projektvorschläge, die die Region voranbringen sollen.

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IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener: „Die aktuelle Entwicklung bei Kostal in Lüdenscheid verdeutlicht, in welche Bredouille der südwestfälische Wirtschaftsraum mittlerweile geraten ist. Die Hände in den Schoß zu legen und dynamisch abzuwarten, reicht nicht. Wir müssen die Transformation und die Digitalisierung als Chance begreifen und hierfür neuartige Projektideen entwickeln. Wenn Altes nicht mehr trägt, muss Neues her. In diesem schwierigen Prozess dürfen uns Bund und Land gerade jetzt nicht im Regen stehen lassen!“ Im Spätsommer sollen die Projektansätze vorliegen

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