Wirtschaft

Achenbach Buschhütten investiert in Technologiezentrum

Die Baustelle neben der großen Backstein-Montagehalle: Das Unternehmen verzahnt im Technologiezentrum die tägliche Arbeit und das Wissen der Mitarbeiter enger mit Forschung und Entwicklung.

Die Baustelle neben der großen Backstein-Montagehalle: Das Unternehmen verzahnt im Technologiezentrum die tägliche Arbeit und das Wissen der Mitarbeiter enger mit Forschung und Entwicklung.

Foto: Hendrik Schulz

Buschhütten.   Fabrik der Zukunft: 3,5 Millionen Euro investiert Kreuztaler Maschinen- und Anlagenbauer in das neue Technologiezentrum auf dem Betriebsgelände.

3,5 Millionen Euro investiert der Maschinen- und Anlagenbauer Achenbach Buschhütten in ein neues Technologiezentrum auf dem Betriebsgelände an der Siegener Straße. Das Gebäude wird 50 hochmoderne Büroarbeitsplätze umfassen sowie eine Montagelinie für Technologiekomponenten im Bereich Walzwerkanlagen. Digitalisierung, Forschung und Entwicklung sollen damit weiter vorangetrieben werden – und für die Mitarbeiter ein optimales Arbeitsumfeld entstehen.

Die Ausgangslage

Die Auftragsbücher sind voll, die neue Fertigungshalle, eröffnet vor vier Jahren, ist fast schon zu klein geworden: „Bislang haben wir den doppelten Auftragseingang eines normalen Jahres“, sagt Geschäftsführer André E. Barten. „Zur Zeit ist es das schwierigste, den Markt zu bedienen, die Nachfrage ist sehr hoch.“ Seit Jahren werde viel in Forschung und Entwicklung investiert, das Unternehmen will seinen Kunden die optimalen Anlagen liefern.

Rund 400 Mitarbeiter hat Achenbach Buschhütten. Inzwischen, sagt Barten, beschäftigt das Unternehmen mehr Ingenieure als Arbeiter, das werde sich weiter verschieben. „Wir sind ein großes Engineering- und ein kleines Produktionsunternehmen, der Eindruck von außen kann täuschen.“

Die Erfordernisse

„Mit Präzision sind wir dahin gelangt, wo wir heute stehen“, sagt Axel E. Barten. Achenbach Buschhütten produziert Folien, die nur tausendstel Millimeter dünn sind. Wenn man Metall erwärme, erläutert der Seniorchef, dehne es sich bereits um hundertstel Millimeter aus. Maschinenbau, Steuer- und Regelungstechnik seien heute hochpräzise Angelegenheiten, denen es zu begegnen gelte. Das will Achenbach Buschhütten auch mit Hilfe des neuen Technologiezentrums tun.

Für 1600 Quadratmeter Fläche hat sich Achenbach Buschhütten Verstärkung ins Haus geholt: Die Smarte Demofabrik Siegen (sdfd) als Experten für Fabrikplanung. Das Technologiezentrum soll ein Fabrik-Labor werden, in dem Forschen, Arbeiten, Ausprobieren und Entwickeln ineinander übergehen, eine Spielwiese für Ingenieure. Achenbach Buschhütten gab vor, was das Technologiezentrum können soll.

Die Smarte Demofabrik Siegen ist eine Ausgründung der Universität Siegen, kooperiert mit dem Werkzeugmaschinenlabor der RWTH Aachen. Sdfs entwickelt Konzepte, wie mit den Anforderungen von Betrieben umgegangen wird: Welche Produkte werden hergestellt, welche Prozesse sind dazu nötig, in welcher Reihenfolge werden Arbeitsschritte erledigt? Einfach nur eine Halle und Maschinen rein – das reicht nicht. „Wir haben das Wissen der Firma gebündelt und strukturiert“, erklärt Johannes Wagner von sdfs. „Betriebsplanung können wir für unsere Kunden extrem gut – besser, als für uns selbst“, meint André E. Barten.

Das Technologiezentrum

Einziehen werden ein Teil der Walzwerkautomatisierungstechnik sowie der neue Geschäftsbereich Digital Solutions. Hier werden Instrumente entwickelt, die es den Anlagenbetreibern ermöglichen, den gesamten Produktionsprozess zu optimieren. Denn von Buschhütten aus werden zum Beispiel die Daten der hier gefertigten Anlagen ausgewertet – diese Prozesse werden analysiert, um das Maximum aus den jeweiligen Anlagen herauszuholen.

Eine Montagelinie wird entstehen, eine Messrolle, die eine optimale Planheit bei 0,0045 Millimeter dünn gewalzten Folien gewährleistet, zwei Prüfstände, die nahezu Realbedingungen ermöglichen. „Das ist die Zukunft der modernen Produktionstechnik“, sagt André E. Barten.

Dazu wurden auf Wunsch von Achenbach Buschhütten auch die Mitarbeiter in die Planung einbezogen, die später im Technologiezentrum tätig sein werden; auch, um eine Identifikation mit dem Arbeitsplatz zu schaffen. Arbeitshöhen, Farbgestaltung, Raumgrößen – die Mitarbeiter sollen die bestmöglichen Voraussetzungen am Arbeitsplatz vorfinden. Ein Forum unterstützt Zusammenarbeit und Austausch von Mitarbeitern verschiedener Abteilungen, in einem Präsentationsraum können sich Kunden an Simulatoren über Walzwerktechnik informieren und selbst virtuell walzen. Das funktioniert ähnlich wie ein Flugzeugsimulator, erklärt Barten: Das System baut Gegendruck auf, mit Hebeln und Schaltern können die Kunden das tun, was im richtigen Walzenwerk getan wird.

2019 soll das Technologiezentrum fertig sein – und dann steht schon die nächste Ausbaustufe an: Weitere 7 Millionen Euro Investitionsvolumen.

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