Karneval

Altweiber: Käner Karneval Club KKC stürmt Rathaus Weidenau

Prinzessin Jessica I. erobert mit Hilfe ihrer Leute die oberste Etage im Rathaus Weidenau. Kämmerer Wolfgang Cavelius (hinten, mit bunter Perücke) scheint’s zu freuen.

Prinzessin Jessica I. erobert mit Hilfe ihrer Leute die oberste Etage im Rathaus Weidenau. Kämmerer Wolfgang Cavelius (hinten, mit bunter Perücke) scheint’s zu freuen.

Foto: Hendrik Schulz

Weidenau.   Kämmerer Wolfgang Cavelius, saarländer Karnevalist, etabliert in Siegen weiter das jecke Treiben. Dabei trifft er durchaus auf Gleichgesinnte.

Die vorderste Frontlinie hat Durst. „Drei Bier“, ruft der schottische Freiheitskämpfer William Wallace – das Schwerterkreuzen mit Robin Hood und dem Ritter zu Siegen ist anstrengend. Feuerwehrchef Matthias Ebertz (blau-weiße Schminke, Kilt), Wirtschaftsförderer Dominik Eichbaum (Bogen, Waldläufer-Umhang) und Feuerwehr-Pressesprecher Karl-Heinz Richter (Kettenhemd, orange-blaues Wams) verteidigen die schier unüberwindbare Mauer aus beklebten Styroporquadern vor dem Kämmerer-Büro gegen die anstürmenden Horden des Käner Karneval Clubs (KKC). Drei Bier, kommt sofort.

Ein Sieg der Galanterie

Die grimmige Miene der drei Recken steht ihrer imposanten Statur in nichts nach. Während sich die Käner Karnevalisten nach der ruckeligen Fahrt im rot-gelben Hübbelbummler-Truppentransporter formieren, sagt Ebertz: „Karl-Heinz, zieh mal mein Schwert.“ Der afro-perückte Hausherr Wolfgang Cavelius gibt in Feldherren-Manier seinem Fußvolk Anweisungen: „Ihr kommt hier nicht rein!“ Kommen sie aber doch. Wohl auch aus Galanterie, schließlich stürzt sich Prinzessin Jessica I. einfach über die Rücken ihrer Gardisten hinweg in die Mauer – und schon kann weitergefeiert werden. Allzu erbittert verteidigt haben die mittelalterlichen Kämpen nicht.

Wolfgang Cavelius muss den Holzschlüssel herausrücken, der vermutlich in jede Tür im Weidenauer Rathaus passt, damit der KKC – wo er Mitglied ist – bis Aschermittwoch an seiner statt hier regieren kann. Ist ihm aber egal. „Ich fahr morgen ins Saarland“, sagt der Kämmerer. Was sollen sie auch in der Oberstadt – „hier sitzt das Geld“, finden die KKC-Leute und der amtierende Prinz Alexander II. drückt Cavelius eine gemeinsame Büttenrede mit Bürgermeister Steffen Mues aufs Auge. „Als Büttenredner seit 1976 sollte mir das leicht fallen“, grinst Cavelius. „Viel erzählen, das nicht immer der Wahrheit entspricht“ – das mache er bei jeder Haushaltseinbringung. „Der Bürgermeister schwitzt bestimmt schon, was er sagen soll“, frotzelt ein KKC-Vertreter. Das historische Rathaus am Markt haben sie zuvor gestürmt. Viel bedächtiger sei es da gewesen, weniger ausgelassen, erzählt einer.

Karneval kommt immer mehr in Siegen an

Selbstverständlich haben sie in Weidenau alle ausgestempelt, die Feier findet nicht während der Arbeitszeit statt. Er sei froh, dass der Karneval immer mehr in Siegen ankomme, sagt Karl-Heinz Richter zwischen zwei Strophen „Superjeile Zick“. Er komme ja aus dem Oberbergischen – in Sachen Karneval ist Siegen vergleichsweise mau. Aber das ändert sich ja vielleicht – der Kämmerer hat jedenfalls nicht lange gebraucht, bis sich in seinem Rathaus eine ordentliche Fete etabliert hat. Der Rathaussturm fand nach 2017 erst zum zweiten Mal statt.

Aus Wirtschaftsförderungs-Sicht sei so ein Rathaussturm auch durchaus positiv fürs Image, findet Dominik Eichbaum: So könne man Fachkräften signalisieren, dass auch in Siegen gelacht werde. So was soll ja vorkommen. Angesichts steigender Mieten in Köln vielleicht eine Alternative für Karnevals-Affine? „Ich bin seit 22 Jahren bei der Stadt – dass ich das hier noch erleben kann“, jubelt eine Frau, die beim Jugendamt arbeitet.

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