Förderung

Angebot: Stadt Kreuztal startet Projekt gegen Leseschwäche

Tanja Bingener, Uwe Montanus und Edelgard Blümel (von links) unterstützen Menschen mit Lese-, Schreib- und Rechenschwächen.

Tanja Bingener, Uwe Montanus und Edelgard Blümel (von links) unterstützen Menschen mit Lese-, Schreib- und Rechenschwächen.

Foto: Jana Wehmann

Kreuztal.   Stadt Kreuztal startet Offensive für Menschen mit Lese-, Schreib- und Rechenschwächen. Tanja Bingener begleitet die Betroffenen und das Angebot.

99 Erwachsene nahmen in 2018 an einem Kursus der Volkshochschule Kreuztal zur Alphabetisierung teil. In ganz Deutschland können 6,2 Millionen Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren nicht richtig lesen, schreiben und rechnen. In NRW sind 1,5 Millionen Menschen betroffen. „Das Ausmaß ist vielen nicht bekannt, dabei ist die Dunkelziffer noch größer“, sagt Stadträtin Edelgard Blümel. Um den Betroffenen das Leben zu erleichtern, startet die Stadt Kreuztal eine Offensive für Menschen mit geringem Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen. Tanja Bingener, Projektkoordinatorin, steht ab sofort als Ansprechpartnerin für Betroffene vor Ort zur Verfügung.

Das Problem

Es sind Freunde, Nachbarn oder auch Kollegen, die durch Analphabetismus eingeschränkt leben. Bei vielen falle dieses Phänomen nicht auf. „Viele sind erwerbstätig und haben eine lange Schullaufbahn hinter sich“, sagt Amtsleiter Uwe Montanus. Die Scham sei groß, erzählt Tanja Bingener, Diplom-Pädagogin und Deutschlehrerin. „Durch die Hemmungen sprechen die Betroffenen nicht über ihr Problem“, ergänzt Bingener, „Doch das ist nicht alles. Es fehlt das Verständnis vom Umfeld und von der Gesellschaft. Das macht es nicht einfacher.“ Durch die Scham können Betroffene sogar an Depressionen erkranken.

Das Projekt

Im Rahmen des Bundesprogrammes Mehrgenerationenhaus fördert das Bundesministerium Bildung und Forschung „Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen“. Für das Kreuztaler Projekt erhält das Mehrgenerationenhaus die maximale Förderung von 15.000 Euro.

Tanja Bingener ist ab sofort für die neuen Aufgaben zuständig. Ziel ist es, Lernangebote zur Alphabetisierung und Grundbildung zu schaffen. „Wir entwickeln derzeit verschiedene Angebote und Lerninhalte“, erklärt Bingener.

Ein Runder Tisch für „Menschen mit geringer Literalität“ wird in den kommenden Wochen geschaffen. Das bedeutet, Menschen, die nicht richtig lesen, schreiben und rechnen können, treffen sich und können sich austauschen.

Für Anonyme Sprechstunden steht Tanja Bingener im Stadtteilbüro und Mehrgenerationenhaus zur Verfügung. Sie ist mittwochs bis freitags zwischen zwölf bis 16 Uhr als Ansprechpartnerin vor Ort oder auch telefonisch erreichbar. „Die Sprechstunde wird eine ganz lockere Atmosphäre haben. Man geht einfach spazieren oder einen Kaffee trinken, und dann höre ich den Betroffenen zu. Dann findet man eine Lösung“, sagt die Projektkoordinatorin.

Ein Lern- und Lesecafé wird im Mehrgenerationenhaus eingerichtet. Verschiedene Lernangebote, wie Bücher in einfacher Sprache, werden dort ausgelegt.

Eine Medienecke als Selbstlernzentrum finden Interessierte demnächst in der Kreuztaler Stadtbibliothek. „Auch hier gibt es verschiedene Lernmaterialien“, sagt Tanja Bingener.

Neben den Lernangeboten unterstützt Bingener die Betroffenen außerdem bei alltäglichen Aufgaben. „Das kann das Schreiben einer Bewerbung sein, aber auch das Vorlesen eines Briefes. Wichtig sei es, Betroffene auf das Angebot hinzuweisen. „Das Projekt kann nur ein Gewinn sein“, sagt Edelgard Blümel.

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