Shared Mobility

Antworten aus Netphen: Wie bleiben wir in Zukunft mobil?

| Lesedauer: 8 Minuten
Jahrzehntelang galt ein eigenes Auto in Mobilitätsfragen als Maß der Dinge. Doch zunehmend setzen sich andere Konzepte und Vorstellungen durch.

Jahrzehntelang galt ein eigenes Auto in Mobilitätsfragen als Maß der Dinge. Doch zunehmend setzen sich andere Konzepte und Vorstellungen durch.

Foto: INVERS GmbH

Dreis-Tiefenbach.  Die INVERS GmbH aus Dreis-Tiefenbach entwickelt Lösungen für Shared Mobility. Es geht über Car Sharing hinaus: Fünf Trends zeichnen sich ab.

Elektromobilität, autonomes Fahren, Leichtfahrzeuge und innovative Nutzungsszenarien: Mobilität verändert sich zunehmend. Das Hard- und Software Entwicklungsunternehmen INVERS GmbH für automatisierte Fahrzeug-Sharing-Mobilität geht davon aus, dass in diesem Jahr die Konzepte weiter ausgearbeitet werden. „Der Markt für Mobilitätslösungen wird 2022 weiterhin eine sehr dynamische Entwicklung erleben, weil technische Innovationen zum Beispiel im Carsharing oder Auto-Abos neue Angebote möglich machen“, erklärt Alexander Kirn, CEO von INVERS.

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Ein grundlegend zu beobachtender Trend sei die Nutzung von Shared-Mobility-Fahrzeugen. „Diese bieten flexible Lösungen sowie eine immer komfortablere Alternative zum Fahrzeugbesitz und sind dabei nachhaltiger als das herkömmliche eigene Auto.“ Die Mobilitätsexperten von INVERS haben fünf aktuelle Entwicklungen identifiziert, die die Shared-Mobility-Branche 2022 vorantreiben werden.

Netphen-Dreis-Tiefenbach: INVERS GmbH macht fünf Mobilitäts-Trends aus

Datengewinnung. Zum einen würden Fahrzeugdaten immer mehr an Relevanz gewinnen. Für Anwendungen wie autonomes Fahren, Infotainment, Komfort-Funktionen und Fahrtenanalysen benötige man umfassende und verlässliche Daten. Das sei nichts Neues, Carsharing-Anbieter würden solche technischen Angaben schon länger nutzen. Allerdings gerate das Thema zunehmend ins öffentliche Interesse. Nach Einschätzung von INVERS liegt das unter anderem daran, dass sich diese Fahrzeugdaten für weitere innovative Dienste einsetzen lassen.

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„Verkehrsplaner können beispielsweise Daten von Carsharing-Anbietern nutzen, die ihnen zeigen, welche Straßen besonders häufig oder selten benutzt werden oder wie der Straßenzustand ist, wenn die Autos über entsprechende Sensoren verfügen“, sagt Alexander Kirn. Damit seien Fragen verbunden, welche Daten wem gehören und wie mit sensiblen Daten in Zukunft umzugehen ist. Das Unternehmen habe innovative Ansätze ausgearbeitet, wie sich Mobilität auf der Basis intelligenten Dateneinsatzes verbessern lasse. So könne mithilfe von Fahrtenanalysen zum Beispiel umweltschonende Mobilität mehr Beachtung finden. Außerdem können Sharing-Angebote die Fahrzeugauslastung steigern. „Mithilfe von Daten aus dem Fahrzeug lässt sich sehr genau feststellen, ob ein Fahrzeug beispielsweise für kurze oder doch eher längere Fahrten genutzt wurde.“

Siegen und Umland: Auto-Abos als Alternativen zum eigenen Wagen

Auto-Abos. Insgesamt sei bei Kunden ein Trend weg vom Besitzen hin zum Nutzen bei Bedarf zu sehen. Eine komfortable Alternative zum Autobesitz bieten laut den Mobilitätsexperten vor allem Auto-Abos. „Nutzer nehmen zunehmend Angebote an, bei denen sie ein Fahrzeug für begrenzte Zeit nutzen, manchmal nur für eine Fahrt mit dem Scooter zum Bahnhof oder mit dem Carsharing-Auto zum Einkaufen“, sagt der Geschäftsführer. Das locke weitere Anbieter.

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Auch andere Marktteilnehmer aus verschiedenen Segmenten haben dieses Potenzial für sich entdeckt. Dazu würden Fahrzeughersteller wie VW zählen. „Der ID.3 ist seit September 2021 in Deutschland im Abo zu haben.“ Darüber hinaus stiegen immer mehr klassische Autovermietungen in das Geschäft ein. „Der Trend des veränderten Nutzerverhaltens stellt sowohl Fahrzeughersteller als auch Fahrzeugvermieter vor eine neue Herausforderung, bietet ihnen aber auch einen neuen Vertriebskanal.“ Besonders attraktiv seien Auto-Abos derzeit für die Hersteller von E-Autos. Denn viele würden die hohen Anschaffungskosten scheuen, finden aber ein E-Auto im Abo attraktiv.

Revival der Leichtfahrzeuge – aber noch ist unklar, ob der Trend anhält

Leichtfahrzeuge. Leichtfahrzeuge erleben derzeit ein Revival. Sie seien anders als das klassische Auto bedarfsgerecht für das klar definierte Einsatzfeld der urbanen Mobilität entwickelt worden. „Die geringeren Anschaffungskosten der kleinen Fahrzeuge im Vergleich zu E-Autos machen die Leichtfahrzeuge zudem für Sharing-Betreiber attraktiv“, sagt Alexander Kirn. Denn so können Sharing Fahrten preiswerter angeboten werden.

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„Als Zwischenstufe aus Auto und Motorrad kombinieren sie die Parkvorteile eines Zweirads mit den Transportmöglichkeiten eines Autos.“ Ausgestattet mit Elektroantrieb kommen sie außerdem dem Bedürfnis nach nachhaltigerer, innerstädtischer Mobilität entgegen. Das sei ein wesentlicher Pluspunkt aus der Sicht der Städte- und Verkehrsplaner, von denen sich viele „Sustainable Urban Mobility“ („Nachhaltige urbane Mobilität“) zum Ziel gesetzt haben. Die Gelegenheit sei günstig – die spannende Frage für das Jahr 2022 laute daher: „Werden Microcars ihren Platz im urbanen Mobilitätsmix behaupten können?“ Die kommenden Monate würden zeigen, ob die Leichtfahrzeuge bei den Kunden in der Stadt ankommen.

INVERS GmbH aus Netphen: Sharing-Systeme auch für Wohnmobile

Urlaub im Wohnmobil. Auch das digitale Angebot des Campervan-Sharings wachse weiter. Entspannter Urlaub in Pandemie-Zeiten? „Viele Reisefans haben im letzten Jahr den Wohnmobil-Urlaub für sich entdeckt.“ Grund dafür sei nicht nur der pandemiebedingte Wunsch nach Abstand, sondern auch die Entwicklung hin zum Urlaub im eigenen Land und dem Reisen in kleinen Gruppen.

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„Im Wohnmobil sind Reisende unter sich, können gut Abstand halten und flexibel an weniger stark besuchte Orte reisen“, erläutert Alexander Kirn. Darüber hinaus sei zu beobachten, dass Vermieter ihren Kunden ein komfortables Buchungs- und Übernahmeangebot präsentieren wollen. Der Campervan werde digital. Den gesamten Buchungsprozess könne man inzwischen online abschließen und den Van mit dem Smartphone übernehmen.

Shared Mobility schließt längst auch Fahrräder, E-Bikes und Lastenräder ein

Lastenräder. Außerdem beflügeln Lastenräder das Bike-Sharing zunehmend. „Sie entlasten Städte, tragen zur Verkehrswende bei und entwickeln sich aktuell zu einem lukrativen Geschäftsmodell.“ Der Markt erlebe momentan einen regelrechten Boom: Vielfalt und Größe der Angebote wachsen. Die aktuelle Studie „European cargo bike industry survey results 2021“ des Projekts“ City Changer Cargo Bike“ hat die 38 wichtigsten Anbieter im europäischen Markt unter die Lupe genommen und für 2021 ein Wachstum von rund 66 Prozent prognostiziert.

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Der Trend zeige sich auch in Deutschland. Laut dem Branchenverband „cargobike.jetzt“ gibt es deutschlandweit rund 150 Anbieter für das Lastenrad-Sharing. Die Entwicklung hin zu mehr Shared-Mobility könne dafür sorgen, dass Verbraucher Fahrzeuge effizienter nutzen und der Verkehr in Städten entlastet wird, da so weniger Platz für parkende Fahrzeuge benötigt werde. „Wir werden also künftig seltener Fahrzeuge kaufen, sondern häufiger geteilte Fahrzeuge nutzen, um flexibel von A nach B zu kommen“, schlussfolgert Alexander Kirn.

INVERS GmbH Dreis-Tiefenbach: Seit 1993 am Markt für Shared-Mobility-Lösungen aktiv

Die INVERS GmbH entwickelt speziell für „Shared Mobility“-Anbieter Hard- und Software-Lösungen für das digital automatisierte Fahrzeug-Sharing, mit denen Betreiber ihre Angebote einführen, umsetzen und skalieren können. „Privatbesitzer bieten ihr Automobil auf Online-Plattformen wie zum Beispiel der unseres Kunden Getaround für Zeiträume zur Vermietung an, in denen sie es selbst nicht benötigen“, erklärt Alexander Kirn. Auch Anbieter von Wohnmobilvermietungen oder Auto-Abos profitieren von den technischen Lösungen des Unternehmens. Als – nach eigenen Angaben – weltweit erstes Technologieunternehmen im Bereich Shared Mobility erarbeitet und managt INVERS grundlegende technische Bausteine für die Kunden mit dem Ziel, eine effiziente und einfach zu implementierende Hardware zu bieten.

„Mit der Technologie von Invers lassen sich Fahrzeuge in digitale Prozesse einbinden, sodass sich beispielsweise Carsharing-Autos oder geteilte Mopeds mit dem Smartphone finden, buchen und öffnen lassen“, sagt der Geschäftsführer. Das Unternehmen agiert als unabhängiger Partner für Betreiber von Shared-Mobility-Angeboten wie Carsharing, Scooter Sharing, Ride Pooling und Car Rental. Das Ziel von INVERS sei es, Shared Mobility zu einer günstigen und komfortablen Alternative zum eigenen Fahrzeug zu machen. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet und hat Standorte in Siegen, Köln und Vancouver.

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