Hohenroth. . Der Klimawandel macht sich mit Stürmen und Trockenheit stärker bemerkbar als gedacht, aktuell ist der Borkenkäfer für Waldschäden verantwortlich.

Wer einen Baum pflanzt, braucht einen Spaten, ist doch klar. Die kleine Elsa hat also ihren roten Spaten mitgebracht. Also eigentlich hat ihn Papa Dustin Glorius mitgebracht. Aber darum geht es ja nicht. Sondern ums Bäumepflanzen.

Häufiger Stürme und Trockenheit

„Wir werden zur Zeit dem Borkenkäfer nicht Herr“, sagt Regionalforstamtsleiter Diethard Altrogge. „Wir können etwas tun, indem wir waldbaulich auf Bergmischwald umschwenken.“ Und mehr jagen, um Schäl- und Verbissschäden zu reduzieren.

„Der Klimawandel kommt schneller und stärker als gedacht“, meint Altrogge – Stürme und Trockenheit kämen in unerwartet hoher Taktung.

Der Landesbetrieb Wald und Holz will die Siegen-Wittgensteiner Wälder zukunftsfest machen. Weg von den Monokulturen, hin zu widerstandsfähigen Bergmischwäldern, denen Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer nichts anhaben können. Denn das sind gerade die drängendsten Probleme des heimischen Walds. Und weil Radio Siegen vor zehn Jahren den Mittelpunkt des Kreises Siegen-Wittgenstein in der Nähe der Ederquelle am Forsthaus Hohenroth ermittelte, wird der Geburtstag mit einer gemeinsamen Pflanzaktion gefeiert. Bürger pflanzen 50 Bäume in dem Bereich.

Pflanzspaten und Vorschlaghammer

Einen Baum zu pflanzen, ist aber gar nicht so einfach. Er braucht Platz, Abstand zu anderen Bäumen, „die Krone eines ausgewachsenen Baums ist etwa zehn mal zehn Meter groß“, erklärt Jannis Thies, Auszubildender beim Landesbetrieb. Er und seine Kollegen stehen mit Pflanzspaten und Vorschlaghammer bereit und helfen den Leuten beim Einpflanzen. Wird ein Baum schief eingepflanzt, kann er später unter Schneelast brechen. Steckt er nicht tief genug im Erdreich, erreichen die kleinen Wurzeln des Schösslings das Wasser nicht.

Vielleicht wird der Zeitungsbaum einmal ein stattlicher Bergahorn.
Vielleicht wird der Zeitungsbaum einmal ein stattlicher Bergahorn. © Hendrik Schulz

Statt Fichte und Douglasie werden die großen Lücken in diesem Waldgebiet mit Weißtanne, Rotbuche und Bergahorn aufgeforstet, erklärt Tim Richter vom Landesbetrieb Wald und Holz. Jeder der will, sucht sich einen Schössling aus, bekommt ein Holzschild dazu und schreibt drauf, was auch immer er möchte. „Die Leute können dann zu ‘ihrem’ Baum wandern und schauen, wie es ihm geht“, sagt Richter.

Landesbetrieb-Azubis packen mit an

Hannes vom Michelshof ist drei Jahre alt und heißt eigentlich Stötzel. Seine Eltern bewirtschaften den Biohof in Sohlbach – gar nicht weit, direkt neben dem Kreismittelpunkt weiden die Kühe der Stötzels. Klar, dass sie mitmachen. „Der Mann hat gebuddelt, dann hab ich den Baum einfach reingesteckt und dann war er drin“, sagt Hannes. Ganz so einfach wird das mit dem Pflock mit dem Namensschild nicht – der Boden ist hart und trocken und der Pfahl will nicht tief genug rein. Hannes ist nicht der einzige, dem das so geht. Einmal mehr packen die kräftigen Jungs vom Landesbetrieb mit an.

Familie Glorius nach getaner Arbeit.
Familie Glorius nach getaner Arbeit. © Hendrik Schulz

Jannis Thies hilft beim Zeitungsbaum mit. Das halbrunde Spatenblatt stößt nach 20 Zentimetern auf Stein, „reicht“, meint Thies. Wenn das Loch von zwei Seiten richtig gestochen wird, lässt sich das Erdreich wie ein Pfropf in einem Stück herausnehmen. Thies nimmt den Bergahornschössling und schaufelt Erde darunter, bröselt vorsichtig den Waldboden ab und klopft das Moos rund um den kleinen Ahorn fest. Das ganze sieht aus, wie von selbst an dieser Stelle gewachsen. Bis auf die Holztafel daneben. Die vierjährige Elsa mit ihrem roten Spaten am Pflanzloch nebenan bekommt Unterstützung vom Papa. Er hatte im Radio von der Aktion gehört und fand’s super. Mit Frau Ann-Christin und den beiden Mädchen – Töchterchen Luzie ist sieben Monate alt – ging es für Familie Glorius früh am Tag den Berg hinauf. Sie haben sogar im Auto gegessen.

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