Schule heißt künftig Städtisches Gymnasium Kreuztal

Aus für Flick-Gymnasium

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Siegerland/Kreuztal. (bor) In geheimer Abstimmung hat gestern Abend der Rat der Stadt Kreuztal für eine Umbenennung des Friedrich-Flick-Gymnasiums votiert. Als Bürgermeister Rudolf Biermann das Abstimmungsergebnis vortrug, brandete Applaus auf. 250 Zuschauer hatten die Ratssitzung verfolgt.

Das Gymnasium heißt künftig Städtisches Gymnasium Kreuztal.

Nach den erbitterten Diskussionen der letzten Monate wurde gestern ein Schlusstrich gezogen. Ein Antrag der CDU-Fraktion, die Bürger an die Urne zu rufen und über den Namen für das Gymnasium abstimmen zu wollen war zuvor gescheitert.

Mit 26:12 Stimmen sprach sich der Rat schließlich deutlich für die Umbenennung aus. SPD, Grüne und FDP hatten bereits vor der Ratssitzung deutlich gemacht für eine Umbenennung zu votieren. Die drei Fraktionen bringen es plus Bürgermeister aber nur auf 20 Stimmen. Aus Reihen von CDU, UWG und Bürgergemeinschaft Kreuztal, die sich im Vorfeld nicht eindeutig geäußert hatten, müssen also mindestens sechs Parlamentarier ebenfalls für eine Umbenennung gestimmt haben. Die stellvertrende Bürgermeisterin Rosemarie Seibt (CDU) hatte vor der Abstimmung den Ratssaal mit dem Hinweis, sie werde sich später äußern, verlassen.

Eine Aussprache fand nicht statt. Der Ältestenrat der Stadt hatte am Vortag einstimmig beschlossen die Abstimmung ohne vorherige Debatte durchzuführen. Ein Vorstoß, der womöglich verhindern sollte, dass vor Presse und Publikum eine Diskussion stattfindet, die vergiftetes Blut hätte hinterlassen können.

Bereits der Antrag der CDU, per Bürgerentscheid die Flick-Frage klären zu lassen, hatte zu einer hoch emotionalen Diskussion geführt, die Biermann nach einer halben Stunde beendete.

Einzig der Bürgermeister ergriff beim entscheidenden Tagesordnungspunkt das Wort. „Es hat viel Unruhe, Zwietracht und Streit gegeben”, sagte ein nachdenklich wirkender Biermann, der bereits vor einigen Wochen erklärt hatte, für eine Umbenennung des Gymnasiums stimmen zu wollen. Es gelte nicht, nachträglich ein weiteres Urteil über Flick zu fällen, sondern Schaden von Schule und Stadt abzuwenden.

Bis hin zum polnischen und ukrainischen Fernsehen hatte die Namensgebung jüngst für völliges Unverständnis gesorgt. Eine Internetinitiative ehemaliger Schüler (www.flick-ist-kein-vorbild.de) hatte den Prostest in die Welt getragen. Die Front der Kritiker ist auch bundesweit stark.

Wegen der außerordentlichen Bedeutung der Entscheidung hatte Biermann von einer „Gewissensentscheidung” der Parlametarier gesprochen; eine Entscheidung also, die ohne fraktionelle Zwänge zu fällen sei. Friedrich Flick, so Biermann, sei tief involviert gewesen in das Naziregime. „Somit ist er mitverantwortlich - er fand kein Wort der Reue oder des Bedauerns und verweigerte jegliche Wiedergutmachung an die Opfer”, machte Biermann seine Position deutlich.

Mit dem gestrigen Beschluss ist das Thema „Flick” indes für die Stadt Kreuztal noch nicht vollständig beendet. Offen ist, ob die Stadt die Millionenspende Flicks, die seinerzeit die Gründung des Gymnasiums in Kreuztal erst möglich gemacht hatte, zurück zahlen muss.

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