Kunst

Ausstellung in Siegen: So unterschiedlich wie das Leben

Auf dem Plakat des Kunstraum Siegen sieht man ihre Köpfe von hinten. Auf unserem Foto auch von vorn: Die Künstler der aktuellen Ausstellung im Haus Seel.

Auf dem Plakat des Kunstraum Siegen sieht man ihre Köpfe von hinten. Auf unserem Foto auch von vorn: Die Künstler der aktuellen Ausstellung im Haus Seel.

Foto: Wolfgang Leipold

Siegen.  Künstlergruppe „Kunstraum Siegen“ präsentiert im Haus Seel die Ausstellung „dazwischen ist shining“ – bis zum 15. September.

Man muss sich bücken, um das größte Objekt der Ausstellung im Untergeschoss des Haus Seel betreten zu können. Dreieckig, sozusagen ein Raum im Raum. Konzipiert von Gruppenmitglied Hartmut Traut haben dort sechs Künstlerinnen ihre Bilder aufgehängt. Einen bunten Stilmix, kleinformatig, teils gegenständlich, teils abstrakt, manchmal auch rätselhaft. Und überraschend, denn keine der sechs wusste vorher, was die andere in die Holzkiste gelegt hatte, aus der die Werke dann willkürlich mit Klammern an den insgesamt 400 Meter langen Seilen befestigt wurden und ein spontanes Gefüge entstehen ließen. „Der Raum vermittelt eine Form von Intimität“, sagt Petra Gerlach. Er soll sicherlich auch ein Symbol der Gemeinsamkeit der Gruppe „Kunstraum Siegen“ sein. Denn ansonsten sind die Werke der elf beteiligten Künstler und Künstlerinnen mehr als unterschiedlich.

So die Video-Audio-Installation von Barbara Weiß in einer Raumkonstruktion aus Holz, die sie direkt neben ein kleines Campingzelt gestellt hat, dessen Inhalt den Betrachter vor eine Denkaufgabe stellt – oder einfach nur schmunzeln lässt.

Mrika Sylejmani-Tahirajs Installation ist auch eine Aufarbeitung ihrer Vergangenheit. Sie ist im Kosovo aufgewachsen und kam, nachdem sie dort Kunst studiert hatte, vor zwölf Jahren nach Deutschland: Weiße Filzhüte an der Wand, wie sie alte Frauen in ihrer Heimat tragen, und darunter, scheinbar wahllos auf dem Boden verteilt, Farbkompositionen, in die sie Texte in albanischer Schrift eingefügt hat. „Ein Dokument der Erinnerung an ein Land, das nie frei war und immer nur leiden musste“, sagt Mrika Sylejmani-Tahirajs.

Im Untergeschoss des Haus Seel zeigt auch Ingrid Hamel-Weber ihre Bilder und Objekte, die sie teilweise mit Texten verbindet. Ihre Werke hängen weit auseinander. „Ich brauche Luft“, sagt sie, worauf auch der Titel der Ausstellung „dazwischen ist shining“ hindeuten könnte. Haptisch vor allem der flauschige, rosafarbene Vorhang, der zur Seite geschoben werden muss, um einen Text lesbar zu machen.

Helga Hoffmann hat einen kleinen Raum ganz für sich. Rätselhaftes – wie die Wurst auf einem Sofa – mischt sie mit Collagen. Oder einfach mit leeren Rahmen, die die Struktur der Wand zum Kunstwerk werden lassen. Ein Steak am Galgen, ein Spanferkel auf dem Grab und ein Rinderbraten in Trauerpose ergänzen sich zu einem Triptychon. „Meine Kunst ist nicht belehrend gemeint“, sagt Helga Hoffmann, „die Bilder passieren mir.“

Großformatig, farbstark, optimistisch sind drei Eigenschaften, die Larissa Hornens Bilder kennzeichnen. „Die sind innerhalb von zwei Jahren am Lago Maggiore entstanden“, sagt sie, „und in der Sonne, begleitet von Bienen malt man anders als im Atelier.“ Ihre besondere Wirkung bekommen die Bilder, weil sie Farbschichten übereinandersetzt, zum Teil auch mit großen Pinseln und viel Wasser arbeitet.

Auch Marlies Forneberg hat viel mit Acryl und Öl gemalt. Aktuell bevorzugt sie Graphit-Kreide, mit der sie ihren Bildern dekorative Strukturen gibt.

„Farben sind für mich Lebensfreude“, sagt Renate Moritz. Und das sieht man in ihren Naturmotiven, die sie mit einem Hauch Expressionismus veredelt. Ihre neun Bilder hat sie eng und damit äußerst wirkungsvoll zusammengehängt. „So eine schöne Hängung“, lobt auch Kunstraum-Kollege Stefan Krusch. Er bezeichnet sich selbst als „typischen Maler“, der seine Arbeiten mit Acrylfarben unterlegt und anschließend mit Öl verfeinert. Seine Motive sind Alltägliches: Von der Sprühflasche über einen Turnschuh bis hin zu drei seiner Zehen.

Für Petra Gerlach sind nicht nur die Motive, sondern vor allem die Untergründe wichtig. Sie möchte mit zarten Tönen die organischen Strukturen der Leinwand erfassen. Oft bemalt sie eine Stoffseite. Die Papierseite dahinter reagiert darauf, bringt Bewegungen ins Spiel und schafft eine dritte Dimension. „Meine Bilder lassen sich nicht hinter Glas drücken“, sagt sie und hängt sie so auf, dass sie sich überlappen und damit ein besonderes Raumgefühl schaffen.

Unterschiedlich wie das Leben sind die elf Künstlerinnen und Künstler und ihre Ausstellung „dazwischen ist shining“. Genau das macht einen Besuch ihrer Ausstellung spannend.

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