Soziale Arbeit

AWO Kreisverband Siegen-Wittgenstein plagt Personalsorge

Möchten mit “AWO bewegt“ überzeugen (von links): Gilda Hey, Stefanie Rickelhoff, Carolin Groß (Förderlehrerin) Kristina Büdenbender, Greta Hering (Heilerziehungspflegerin)

Möchten mit “AWO bewegt“ überzeugen (von links): Gilda Hey, Stefanie Rickelhoff, Carolin Groß (Förderlehrerin) Kristina Büdenbender, Greta Hering (Heilerziehungspflegerin)

Foto: Fabiana Regino

Siegen.   Bewerbermangel trifft soziale Einrichtungen auf doppelter Ebene: Es fehlen Fachkräfte und Freiwillige. Eine neue Kampagne soll Abhilfe schaffen.

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Es ist ein Trend, der sich seit Jahren immer mehr abzeichnet: Fachkräftemangel. Diese Entwicklung bekommt nahezu jedes Unternehmen zunehmend zu spüren. Gleich doppelt betroffen sind sozial ausgerichtete Organisationen wie die AWO. Der Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe steht vor einer Herausforderung, denn hier wird es in absehbarer Zeit nicht nur an Fachkräften fehlen, sondern auch an Freiwilligen.

Das Problem

„Früher erreichten uns 30 bis 40 Bewerbungen auf eine freie Stelle“, erinnert sich Stefanie Rickelhoff von der Personalabteilung. Die Zeiten seien längst vorbei. Im vergangenen Jahr bearbeitete die Personalabteilung der Arbeiterwohlfahrt insgesamt 2000 Bewerbungen für 240 ausgeschriebene Stellen. Im Durchschnitt sind das acht Bewerber pro Stelle.

„Mit 2000 Bewerbungen im Jahr sind wir noch in einer relativ komfortablen Lage, trotzdem wird es zunehmend schwerer geeignete Fachkräfte zu gewinnen“, so Geschäftsführer Dr. Andreas Neumann. Für das laufende Jahr deutet die Statistik nämlich bereits ein Rekordtief an: 5,5 Bewerber sind es bislang durchschnittlich, die sich für eine Stelle interessieren.

Bei den freiwilligen Stellen, wie zum Beispiel der Bundesfreiwilligendienst, bleibe die Hälfte der ausgeschriebenen Stellen unbesetzt. Erschwerend sei dazu noch der Altersdurchschnitt der aktuellen Belegschaft beim AWO-Kreisverband. Von den insgesamt 1300 Beschäftigten (ohne Ehrenamt) sind mehr als 170 Mitarbeiter älter als 60 Jahre. 38 Prozent sind 50 Jahre und älter. „Allein bei den Führungskräften gehen in den nächsten zehn Jahren 32 Prozent in den Ruhestand“, so Neumann.

Die Ursache

Die Gründe für diese Lage sind verschieden. Zum einen spiele die steigende Akademisierung eine große Rolle. „Die Zahlen zeigen, dass immer mehr Schüler das Abitur machen. Die Folge ist, dass immer mehr Absolventen nach der Schule ein Studium beginnen“, erläutert Neumann. Auch der Wegfall des Zivildienstes nennt der Geschäftsführer als Grund. „Viele unserer langjährigen Mitarbeiter verübten bei uns den Zivildienst. Diesen ersten Berührungspunkt gibt es heute nicht mehr“, ergänzt der Geschäftsführer. Hinzu komme, dass die Jahrgänge, die jetzt auf den Arbeitsmarkt drängen, zu den geburtenschwächeren Jahrgängen zählen. „Es stehen also weniger junge Leute überhaupt zu Verfügung.“. Ebenfalls ein Grund soll Unwissenheit sein. Vielen sei nicht bewusst, welche Möglichkeiten sich bei der AWO böten.

Die Maßnahme

Mit einer Kampagne will die AWO Transparenz schaffen und über die verschiedenen beruflichen Chancen aufklären. „AWO bewegt“ heißt das Projekt, das sich vor allem in Form einer neuen Karriere-Website präsentiert. Hierbei gehe es insbesondere darum, ganz gezielt junge Menschen für die verschiedenen Berufe im Sozialwesen zu begeistern.

„Eine abwartende Haltung einzunehmen und darauf zu hoffen, dass Interessenten von selbst kommen und sich bereits für unsere Arbeitsbereiche begeistern, wäre wohl vermessen“, sagt Andreas Neumann. Die neue Website soll durch Videos einen Überblick über die Jobs innerhalb der AWO bieten. In den Videos stellen sich Mitarbeiter vor und geben Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Außerdem können Interessierte sich hier direkt bewerben oder offene Stellen in den sozialen Netzwerken teilen.

Eine von sechs Mitarbeitern, die ihre Arbeit vorstellt, ist Kristina Büdenbender. Sie ist gelernte Tischlerin und arbeitet in der Deuzer Werkstatt als Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung. Durch eine sozial-pädagogische Zusatzausbildung bei der AWO erlangte sie die nötige Qualifizierung für die Arbeit mit beeinträchtigten Menschen. „Bei mir war es Zufall, dass ich mich hier beworben habe“, erklärt Büdenbender. Ihre Arbeit biete handwerkliche sowie menschliche Weiterentwicklung, was eine tolle Kombination sei. „Die Kampagne soll auch Leute bewegen, die mit ihren Qualifikationen vielleicht gar nicht daran gedacht haben einen sozialen Arbeitgeber zu wählen“, so Personalerin Stefanie Rickelhoff.

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