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Backesclub Holzhausen backt Plätzchen im Steinofen

Mit dem Brotschieber holen Karl-Heinz Stahl und Walter Schmidt die Weihnachtsplätzchen zur Kontrolle aus dem Steinofen.

Mit dem Brotschieber holen Karl-Heinz Stahl und Walter Schmidt die Weihnachtsplätzchen zur Kontrolle aus dem Steinofen.

Foto: Viktor Dobek

Holzhausen.   Zur Adventszeit werden im Holzhausener Backhaus keine Brote gebacken, sondern Weihnachtskekse. Der Ofen verleiht dem Gebäck besonderen Geschmack.

Der Steinofen ist nicht so heiß wie sonst. „Wenn wir Brot backen, dann heizen wir den Ofen auf 200 Grad. Bei den Keksen reichen 120“, erklärt Karl-Heinz Stahl, Mitglied des Backesclubs. Mit einem Brotschieber holt er ein Keksblech aus dem Ofen und kontrolliert, ob sie fertig gebacken sind: „Die müssen noch ein bisschen. Normalerweise sind es zehn Minuten, aber das kommt immer auf die Hitze an“, erklärt Stahl.

Gleichmäßige Wärme

Im Holzhausener Backhaus wird der Steinofen mit Reisigbündeln befeuert. „Zwei bis drei dieser Holzbündel reichen aus, um den Ofen anzuheizen und 20 Bleche Plätzchen zu backen“, erklärt Walter Schmidt, Vorsitzender des Backes­clubs Holzhausen. Die Kombination aus Holz und Steinofen sorgt für einen besonderen Geschmack, denn das Holz entwickele eine feine Glut, die einen Stein aufheizt, der die Wärme dann an die daraufliegenden Bleche gleichmäßig weitergibt: „Wenn man die Kekse zu Hause backt, schmecken sie wahrscheinlich ein bisschen anders“, fügt Schmitt mit einem Schmunzeln hinzu.

Backhäuser haben im Siegerland Tradition, erklärt Schmitt. „Früher haben sich Familien im Backhaus eingeschlossen und zusammen Brot gebacken, das dann drei Wochen gereicht hat.“ Das Backhaus in Holzhausen wurde 1756 errichtet und bis zum zweiten Weltkrieg auch in dieser Form genutzt, sagt Walter Schmidt. Erst danach übernahm der Backesclub Holzhausen als Verein das Gebäude und nutzte es zum gemeinsamen Brot- und Kuchenbacken. Das Haus hat nur zwei Räume: Die Vorbereitungsstube und den Ofenbereich – dahinter befindet sich noch ein Lager, in das 120 Reisigbündel passen. Vier Mal im Jahr treffen sich die rund 20 Mitglieder des Clubs, um an zwei Tagen Brot zu backen.

Zur Weihnachtszeit kommen sie ein weiteres Mal zusammen. Doch anstelle von Brot kommen Kekse in den Ofen. „Gerade beim Plätzchen backen braucht man viele Leute“, erzählt Walter Schmidt. Es gilt, 120 Kilo Teig in Kekse zu verwandeln, deshalb fängt die Vorbereitung auch schon früher an: „Drei Tage vor dem Backen rühren wir den Teig zusammen und lassen ihn in der Kälte stehen.“ An den eigentlichen„Backtagen“ wird die Arbeit geteilt: „Vier Leute sind in der Vorbereitungsstube und zwei am Ofen“, erklärt Schmidt.

Einfache Plätzchen

In der Stube steht ein Fleischwolf, Schmidt erklärt wieso: „Wir müssen den Teig durchdrehen. Wir könnten ihn auch ausrollen, aber bei den Mengen kriegen wir das mit dem Fleischwolf am besten hin.“ Kleine Teigwürste werden oben in das Gerät gesteckt. Unten kommen sie als lange, flache Masse wieder heraus. Sie werden dann in mundgerechte Stücke geteilt und auf das Backblech gelegt: „Von der Form sind das relativ einfache Plätzchen, aber die lassen sich einfach am besten backen“, sagt Walter Schmitt. Aus der Stube geht es in den Ofen. Nach ungefähr zehn Minuten sind sie fertig und werden zum Abkühlen in eine Kiste gepackt. Aus 120 Kilo Teig entstehen so 105 Kilo Weihnachtsplätzchen.

Noch einmal holt Karl-Heinz Stahl das Blech mit den Plätzchen aus dem Steinofen. Diesmal haben die Plätzchen eine dunklere Färbung: „Achtung, die Plätzchen sind fertig“, sagt er und stellt sie mit dem Brotschieber zum Abkühlen neben den Ofen. Der muss jetzt neu aufgeheizt werden. Die Asche, die von den Reisigbündeln übrig ist wird rausgeschoben. Neues Holz wird reingelegt. Walter Schmidt sagt: „Mit den Bündeln machen wir nicht nur spezielles Brot, sondern auch besondere Kekse.“

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