Prozess

Bandendiebstahl: Sextett steht vor dem Landgericht

Zwei Männer brachen regelmäßig in Häuser ein.

Foto: Hendrik Schulz

Zwei Männer brachen regelmäßig in Häuser ein. Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Angeklagte sollen mit klarer Arbeitsteilung in Siegen und Umgebung am Werk gewesen sein.

Es war eine klassische Arbeitsteilung. Zwei Männer stiegen zwischen dem 26. Mai und dem 4. Juli 2017 regelmäßig in Häuser und Wohnungen ein, von denen sie wussten, dass sie gerade wegen Urlaub oder Krankheit nicht bewohnt waren. Zwei weitere kümmerten sich später um die Sortierung der erbeuteten Wertgegenstände. Einer war für das Transportieren zuständig, der sechste Komplize schließlich fuhr Taxi und horchte seine Kunden aus, gab entsprechend lukrative Tipps an den Rest der Bande: Bandendiebstahl ist der verbindende Begriff der Anklage, der sich das Sextett seit gestern im Siegener Landgericht gegenüber sieht.

Dabei sind die beiden „Haupteinbrecher“ für insgesamt elf Taten angeklagt; in Siegen, Morsbach und Bad Laasphe, bei den anderen geht es unter anderem um Beihilfe in acht Fällen. Erbeutet wurden meistens Schmuck, Bargeld, Elektrogeräte und andere Wertgegenstände, einmal mehrere Pelzmäntel und auch ein BMW, dessen Schicksal nach wie vor ungeklärt ist. Vor allem der Schmuck konnte im Nachhinein sehr schnell abgesetzt werden, „bei einem in Kreuztal, ohne Rechnung und Nachweis“.

Diese Information gibt es am Freitagmittag vom „Chauffeur“, der sich als einziger bereits zu einer Einlassung bereiterklärt. Die anderen verweigern die Aussage oder erklären, sich zumindest jetzt noch nicht äußern zu wollen. Das Verfahren dauere ja noch ein bisschen, bleibt Staatsanwalt Philipp Scharfenbaum gelassen.

Vom Verwandten angesprochen

Der 29-jährige Siegener mit Führerschein berichtet, wie er in die ganze Einbruchsserie verwickelt worden war: Der Cousin seiner Frau habe ihn im Mai angesprochen, ob er ihn und einige Bekannte nicht hier und da einmal fahren könne, wenn etwas abgeholt werden müsse. „Ich bin sehr hilfsbereit. Wenn mich jemand anruft, dann mache ich das eben“, entschuldigt der Mann sein Tun. Er habe den Verwandten, der erst kurz zuvor aus der Haft beziehungsweise einem Drogenentzug gekommen sei, schon vorher in anderen Sachen gefahren. Zunächst sei ihm an den nächtlichen Unternehmungen nichts komisch vorgekommen, bis er dann von Einbrüchen in den Medien las und mehr oder weniger die Verbindungen zog. Da sei es aber schon zu spät gewesen. Er habe auch ein paar Mal Taschen getragen, die von den Raubzügen mitgebracht wurden, die beiden „Sortierer“ bei deren Arbeit beobachtet. Auch von Drogengeschäften will er einiges gesehen haben.

Überhaupt hätten die beiden Einbrecher vor jeder Tat Kokain genommen und betont, dass sie bei einer Verhaftung dann auf Milde hoffen und direkt in eine Therapie gehen könnten.

Den zweiten Mann habe er über seinen Verwandten kennengelernt und vorher nie gesehen, behauptet der Angeklagte. Verteidigerin Katharina Batz fragt hier sehr genau nach und deutet an, dass es offenbar doch schon ein früheres Zusammentreffen gegeben haben könnte. Der Mann bleibt aber fest und besteht darauf, insgesamt nur „ein- oder zweimal 100 Euro bekommen“ zu haben: „Für Sprit. Das reichte aber nicht.“ Geschnappt wurde er, wie die beiden Haupttäter, am 4. Juli bei einem gescheiterten Unternehmen in einer Siegener Apotheke. Er wartete draußen, plötzlich seien von allen Seiten Streifenwagen gekommen. Der Angeklagte suchte nach der „dunkelsten Ecke“, verkroch sich in einem Keller. Dort wurde er nach einiger Zeit entdeckt und verhaftet.

Staatsanwalt bleibt misstrauisch

Nicht ganz zufrieden ist Staatsanwalt Scharfenbaum. Da müsse einer doch misstrauisch werden, wenn er von einem Mann zu so einer Aktion eingeladen werde, der Drogen nehme und gerade eine Strafe wegen Einbruch hinter sich habe, nimmt er dem Angeklagten die Darstellung des Nichtwissens nicht ab. So sei es aber, antwortet dieser: „Ich kann mich nur noch mal entschuldigen!“

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