Serie „Aus Bildung wird Beruf“

Barbara Koch lernt beim Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein

Barbara Koch ist kein Stadtmensch, sagt sie über sich: „Ich brauche die Natur.“ Sie macht eine Ausbildung beim Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein.

Barbara Koch ist kein Stadtmensch, sagt sie über sich: „Ich brauche die Natur.“ Sie macht eine Ausbildung beim Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein.

Foto: Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein

Siegen.  Barbara Koch macht beim Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement – dort kein reiner Schreibtischjob.

Mit Blick auf das, was Barbara Koch vor ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement beim Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein gemacht hat, kann man sich schon ein wenig wundern. Über den Unterschied zur jetzigen Tätigkeit: „Als ich 18 war, bin ich nach Bochum gegangen und habe dort eine Ausbildung zur Fotografin gemacht“, sagt die heute 26-Jährige, gebürtige Kasachin, deren Familie ins Siegerland gezogen ist, als sie drei Jahre alt war.

Nach 18 Monaten Studioausbildung in einer großen Firma in Bochum wechselte sie zu einer Agentur nach Düsseldorf, die sie zu unterschiedlichen Veranstaltungen nach Berlin, Hamburg und München schickte. „Portrait-, Architektur-, Produktfotografie, ich habe alles gelernt“, sagt Barbara Koch, die auch nach ihrer Rückkehr ins Siegerland weiter als Fotografin arbeitet, sich selbstständig macht.

Vom Ruhrpott zurück in die Siegerländer Heimat

Barbara Koch wird schwanger und gesteht sich ein, dass ihr Beruf mit der Familienplanung nicht reibungslos vereinbar ist. „Fotografen arbeiten oftmals dann, wenn andere Freizeit haben: abends. Das ist mit einem kleinen Kind schwierig.“

Sie macht sich Gedanken, welche Alternativen zur Auswahl stehen, und entscheidet sich für eine zweite, eine neue Ausbildung und bewirbt sich für die Stelle als Kauffrau für Büromanagement, absolviert erfolgreich den Einstellungstest. „Ich bin kein Stadtmensch. Ich brauche die Natur“, begründet Barbara Koch ihre Motivation, sich nicht nur gezielt für eine Ausbildung beim Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein beworben zu haben, sondern auch wieder in die siegerländische Heimat gezogen zu sein. Ihre Eltern wohnen am Waldrand, die Ruhe und die Vorzüge der zahlreichen Naherholungsmöglichkeiten hätte sie schon früh zu schätzen gelernt – und im Ruhrgebiet vermisst.

Beim Girl’s Day mit den Mädchen unterwegs

Allerdings dürfe man sich ihre Ausbildung nicht gänzlich im Wald vorstellen. Die meiste Zeit sei sie mit der Bürokratie des Forstamts vom Büro aus beschäftigt: Rahmenbestellungen für sowohl interne Mitarbeiter als auch die Förster im ganzen Verbreitungsgebiet aufnehmen, das Kfz-Management aller Dienstwagen, die Buchhaltung des Amts und nicht zuletzt die Öffentlichkeitsarbeit fallen unter anderem in Barbara Kochs Aufgabenbereich.

Dazu zählt beispielsweise der „Girl’s Day“, an dem Mädchen einen Tag lang die tägliche Arbeit der Förster im Kreis Siegen-Wittgenstein begleiten können. Hierbei spielten sowohl die praktischen Einsätze als auch die typischen Verwaltungsaufgaben eine Rolle. Die Aktion ist eine Initiative, um Mädchen für eher männergeprägte Berufsbilder zu begeistern. „Ich begleite die Mädels, bin ihre Ansprechperson und führe sie mit den Förstern durch den Wald“, sagt Barbara Koch.

Bewusstsein für den Wald

Mehrmals im Jahr werde sie zudem vom Forstamt auch auf themenbezogene Exkursionen in den Wald geschickt. Im vergangenen Jahr waren die rasante Ausbreitung des Borkenkäfers und die damit einhergehenden Probleme Auslöser für einen lehrreichen Ausflug in den Wald. „Wie kann ich Borkenkäfer bekämpfen, wo sind die Lagerplätze, welche Schäden richten sie konkret an Bäumen an? Das ist für uns Interne sehr interessant: vor Ort zu sehen, was eigentlich im Wald passiert“, sagt Barbara Koch. Zumal der Unterricht in der Berufsschule nicht die speziellen Themenfelder dieses Forstamts beinhaltet.

„Das, was draußen passiert, kommt auch hier im Büro an“, sagt sie – auch vor dem Hintergrund, dass das Schicksal der Wälder, beeinflusst durch Borkenkäferbefall, Wasserknappheit und Rekordsommer, sich auch in der Länge der Arbeitsprozesse im Büro widerspiegelt. Ein sensibles Bewusstsein für die Themen draußen wie drinnen sei deshalb unbedingt notwendig. Barbara Koch ist wissbegierig, möchte sich mit diesen Themen auseinandersetzen und Ansprechperson für die Förster in der Region sein – und bleiben, auch über die Ausbildungszeit hinaus.

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