Gebrüder-Busch-Theater

Bento überzeugt in Hilchenbach mit ungewöhnlichem Auftritt

Das Ensemble „Bento“ überzeugt mit einer Mischung aus neuer und klassischer Musik.

Foto: Wolfgang Leipold

Das Ensemble „Bento“ überzeugt mit einer Mischung aus neuer und klassischer Musik. Foto: Wolfgang Leipold

Dahlbruch.   Das Ensemble „Bento“ hat im Gebrüder-Busch-Theater in Hilchenbach mit einem ungewöhnlichen Auftritt, inklusive „Paukenschlag“, überzeugt.

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„Bento“ ist in Japan eine besondere Darreichungsform von Speisen: Kleine, harmonisch abgestimmte lukullische Köstlichkeiten, vielseitig in Farbe, Form und Geschmack, werden in einer hübschen Holzschachtel zu einem Gesamtkunstwerk arrangiert. Wenn ein Musiktrio sich „Bento“ nennt, zeigt das Zweierlei:

Die gemeinsame Leidenschaft für japanisches Essen und die große Freude an musikalischer Vielfalt. Und die hatten die Flötistin Sabine Kittel und die Cellistin Anke Heyn von der Sächsischen Staatskapelle Dresden sowie der renommierte Pianist Paul Rivinius beim 150. Konzert der Reihe „Meisterliche Kammermusik“ im Überfluss.

“Paukenschlag“ auf der Bühne

Sie spielten zunächst Werke nahezu unbekannter Komponisten: Philippe Gauberts kleinen Leckerbissen für Flöte, Violoncello und Klavier. Das Cello legt den Klangteppich und weit darüber schweben hell und leicht die Flötentöne. Das Klavier vermittelt zwischen Blas- und Saiteninstrument. Das Ergebnis: Romantik pur in Notenfluss und Harmonien. Der perfekte Einstieg in die Welt der Kammermusik für Künstler und Publikum.

Denn die Komposition des 30-jährigen Petr Popelka, erst vor wenigen Tagen fertiggestellt, ist ungewohnte Kost. Eine große Pauke wird auf die Bühne geholt. Beginnend mit den zarten Klängen einer Triangel und eines Mini-Schlagwerks übernimmt das Klavier. Doch dann kommt es schrill, schräg und wild.

Denn meist werden die Klaviersaiten mit den Fingern angerissen. Tobt hier ein Sturm? Hackt ein Specht? Die Zuhörer dürfen ihre ganze Phantasie spielen lassen. Dann scheint es jazzig zu werden. Rhythmisches Zupfen des Cellos beweist, dass der Komponist in seiner Heimatstadt Prag das Kontrabass-Studium absolviert hat. Die Piccolo-Flöte mutiert zur Schiedsrichter-Pfeife. Ach so, die Pauke? Sie ist nur ganz kurz in Aktion: Mit ihrem einzigen Schlag ist alles vorbei.

Mendelsohn Bartholdy zum Abschluss

Natürlich lassen die „Bento“-Künstler ihr Programm damit nicht zu Ende gehen. Das Trio für Flöte, Cello und Klavier von Jean Francaix nähert sich wieder den Hörgewohnheiten des Publikums. Felix Mendelssohn Bartholdy schuf sein Trio op. 66 in der Abgeschiedenheit des Taunus, zwei Jahre vor seinem frühen Tod mit 38 Jahren.

Da waren fast alle seine Werke schon umjubelt aufgeführt worden. Nur das Oratorium „Elias“ sollte noch folgen. Und in diesem kleinen Klaviertrio, dem Hauptwerk des Abends, hat Mendelssohn alle seine Tonkunst vereinigt: Schwelgerisch-pathetische Wohlklänge, Virtuosität in höchstem Tempo, dann wieder langsam fließende Klangwellen und schließlich Leichtes und Tänzerisches, wobei die Flöte zum Schrittmacher wird.

Die Holzschachtel ist leer. Alle Köstlichkeiten sind aufgegessen. Die meisten haben sehr gut geschmeckt, eine war gewöhnungsbedürftig. Doch alle im Theatersaal verbindet das Erlebnis, ein Trio außergewöhnlicher Künstler genossen zu haben.

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