Volkstrauertag

Besondere Momente an der Kreisehrengedenkstätte Gosenbach

Die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung legen am Volkstrauertag in Gosenbach Kränze nieder. Außer Vertretern der Politik kommen auf der Kreisehrengedenkstätte jedes Jahr auch Jugendliche zu Wort.

Die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung legen am Volkstrauertag in Gosenbach Kränze nieder. Außer Vertretern der Politik kommen auf der Kreisehrengedenkstätte jedes Jahr auch Jugendliche zu Wort.

Foto: Michael Kunz

Gosenbach.  Volkstrauertag: Die 83-jährige Berlinerin Christel Liebram besucht bei Gedenkstunde zum ersten Mal das Grab ihres Vaters in Gosenbach.

„Ich möchte mich persönlich bei Ihnen bedanken. Das war eine beeindruckende Rede, Herr Landrat.“ Andreas Müller nimmt die Worte mit einem Lächeln entgegen, die ihm von Christel Liebram zuteil werden. Die 83-jährige Berlinerin ist mit ihrer Familie zum Volkstrauertag nach Siegen gekommen, um das Grab ihres Vaters zu besuchen. Erich Preuß starb mit 34 Jahren, fern der Heimat und seiner Lieben. Er liegt seit Anfang der 50er Jahre unter einem der 81 Kreuze auf der Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach, an der in jedem Jahr der Toten der Weltkriege, von Flucht und Vertreibung, inzwischen aber auch der Opfer aktueller Konflikte gedacht wird.

Christel Liebram war noch nie in Siegen, wurde von ihrer Tochter Claudia überredet, nun doch einmal herzukommen. Der Vater sei ja dreimal umgebettet worden, erklärt die Seniorin den Grund, warum sie bislang nicht gekommen ist. „Und Sie haben im Osten gelebt“, ergänzt Andreas Müller.

Generationen gedenken gemeinsam

Christel Liebram nickt, ist nun in jeder Hinsicht froh, die Reise auf sich genommen zu haben. „Alles so bodenständig“, beurteilt sie den Ablauf der Feierstunde. Keine Verletzungen anderer, „keine Phrasen“, besser könnten derartige Veranstaltungen gar nicht sein. Leider sei es anders da, wo sie herkomme. „Auch die Schüler“ haben sie beeindruckt. Wie in jedem Jahr haben Jungen und Mädchen des Löhrtor-Gymnasiums auf ihre eigene Weise der für sie so fernen Kriegszeit gedacht, Vergleiche zwischen ihrer unbeschwerten Jugendzeit und jener der Kriegsgenerationen gezogen, damals und heute.

Ein Fünftel aller Kinder dieser Welt müsse in der Gegenwart unter solchen Bedingungen aufwachsen, sagt Helene Herbst und wünscht sich, dass Veranstaltungen wie diese Feierstunde ein anderes Bewusstsein bei den Menschen wecken. „Muss denn jede Generation, wie ein kleines Kind, die gleichen Fehler wiederholen?“, fragt sich die junge Frau, während ihre Mitschüler bedauern, wie wenige Menschen „auch in meiner Generation“ noch von der Zerstörung Siegens wüssten, während ihre größte Sorge sei, den gerade aktuellen Trend oder das neueste Smartphone verpasst zu haben.

„Irgendwie bekommen wir Menschen es einfach nicht hin, friedlich miteinander umzugehen“, muss der Landrat ebenfalls konstatieren, an die vielen Konflikte in allen Teilen der Welt denkend. Auch im Inneren Deutschlands sei es nicht friedlich, wie der Anschlag in Halle, der Mord an Walter Lübcke und andere Vorfälle zeigten. Jene, die sich als Verteidiger des Abendlandes aufspielen wollten, hätten überhaupt keine Vorstellung von christlichen Werten, kritisiert Andreas Müller, bekennt sich deutlich zu Artikel I des Grundgesetzes und fordert jeden Einzelnen auf, für diese Werte zu kämpfen.

Gelbe Rosen und rote Grablichter

„Wo wir dies tun, fängt der Frieden an“, stimmt etwas später Pfarrerin Annette Hinzmann zu, wünscht sich eine offene Haltung und Respekt für jeden Menschen, egal welcher Herkunft, Sprache oder religiöser Ausrichtung. Und sie erinnert an jene Menschen, die keine Stelen oder Steine haben, an denen Angehörige trauern können.

Der Bläserkreis Niederschelden sorgt für die musikalische Umrahmung, zu der natürlich das Lied vom guten Kameraden gehört. Der Chor der Kreisverwaltung stimmt unter anderem „Näher, mein Gott, zu Dir“ an. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr erinnern noch einmal an alle Toten, während die Kränze platziert werden und die Gymnasiasten die traditionellen gelben Rosen auf die Grabkreuze legen. Auf dem Stein, unter dem Erich Preuss gemeinsam mit Anton Gollasch (1919 - 1945) die endgültig letzte Ruhe gefunden hat, haben die Nachgeborenen zwei rote Grablichter aufgestellt. Ein besonderer Moment nach all den Jahren.

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