Pflegeschule

Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe BIGS Siegen eröffnet

Letzte Arbeiten werden noch erledigt: Nach knapp zweijähriger Bauzeit werden hier ab April die ersten 50 jungen Menschen unterrichtet.

Letzte Arbeiten werden noch erledigt: Nach knapp zweijähriger Bauzeit werden hier ab April die ersten 50 jungen Menschen unterrichtet.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann eröffnet die Pflegeschule auf dem Wellerstberg. Träger wollen Beruf attraktiv für Nachwuchs machen.

Intern nennen sie es schon „Projekt Pflege neu denken“. 425 Ausbildungsplätze, fünf Ausbildungs- und 15 Weiterbildungsgänge: Das Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe in Südwestfalen (BIGS) auf dem Siegener Wellersberg soll die Situation der Pflege in der Region, insbesondere die Gewinnung von Nachwuchs, für die Zukunft stabilisieren. „Jeder, der Pflegekraft werden will, dem müssen wir einen Platz anbieten“, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Freitag, 8. Februar, bei der offiziellen Eröffnung.

Das Institut

Träger sind DRK-Kinderklinik, Mariengesellschaft und Kreisklinikum. 150 Ausbildungsplätze mehr als die drei Pflegeschulen der Träger bislang hatten sind entstanden, den Auszubildenden stehen Lernlabore, Simulationstrainings, digitale Medientechnik zur Verfügung. Acht Millionen Euro wurden investiert – nicht renditeorientiert, ohne Fördermittel von Land oder Bund, betont Hans-Jürgen Winkelmann, Vorsitzender der BIGS-Gesellschafterversammlung. Man wolle Strukturen nachhaltig verändern.

Die Stimmen

Analog zum Projekt „Medizin neu denken“ der Uni Siegen, das auch die Versorgung mit Ärzten auf dem Land sicherstellen soll, sei das BIGS eine Chance, Pflegeberufe attraktiver zu machen, so Hans-Jürgen Winkelmann. Es fehlten qualifizierte, motivierte Fachkräfte, „die alten Rezepte taugen nichts mehr, wir müssen junge Menschen anders ansprechen“, sagte der Geschäftsführer der Mariengesellschaft. Geplant sind unter anderem eine Kooperation mit der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Uni, um der Akademisierung auch in den Pflegeberufen Rechnung zu tragen.

Karl-Josef Laumann skizzierte den Personalmangel als größte Herausforderung im Gesundheitswesen: „Die Versorgungsfrage im Gesundheitsbereich wird über den Nachwuchs entschieden. Man habe so viel Geld, „dass wir Leute aus dem Ausland holen können“, so der Gesundheitsminister – aber vor Ort würden Bewerberpotenziale nicht ausgeschöpft. Entsprechend müsse die Zahl der Ausbildungsplätze steigen – das BIGS sei da ein gutes Vorbild. Dazu gelte es, möglichst viele Talente für die Pflegeberufe zu gewinnen, da die Ausbildung in Konkurrenz zu anderen Wirtschaftszweigen und zum Studium stehe. Wenn man Abiturienten nichts in der Branche bieten könne, dann würden sie sich anderweitig orientieren. Dabei wiederum dürften Haupt- und Realschüler nicht als Fachkräfte zweiter Klasse betrachtet werden: „Auch die unterhalb des Staatsexamens brauchen wir. Und wir müssen ihnen eine helfende Hand zum Staatsexamen reichen, wenn sie das später möchten.“ Insbesondere die Frage der Finanzierung müsse dazu geklärt sein.

Landrat Andreas Müller lobte die Kooperation vor allem der beteiligten Krankenhäuser, um die Gesundheitsregion Siegen-Wittgenstein nach vorne zu bringen. Bestmögliche Qualität von Medizin, Therapie und Pflege funktioniere nur gemeinsam und nicht durch „falsch verstandenen Wettbewerb“, so der Landrat. In die gleiche Kerbe schlug Siegens Bürgermeister Steffen Mues, der sich durch die Stärkung des Gesundheitsstandorts Siegen auch über die Attraktivitätsteigerung als Wohn-, Lebens- und Arbeitsort freute. Dazu trage das Kooperationsnetzwerk der Akteure, darunter auch die Uni, erheblich bei. Ausbildung sei in einem gemeinsamen Institut mehrerer Häuser sehr viel effektiver und intensiver möglich, als wenn jeder für sich agiere.

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