Soziales

Blick ins Archiv: Hilchenbacher Hallenbad wird 50 Jahre alt

Auch für Kinder und Jugendliche ist das Hallenbad – hier bei einer Poolparty – eine beliebte Adresse.

Auch für Kinder und Jugendliche ist das Hallenbad – hier bei einer Poolparty – eine beliebte Adresse.

Foto: Jürgen Schade

Dahlbruch.  Kurz vor der kommunalen Neugliederung beschließt die Gemeinde Dahlbruch den Bau eines Hallenbades – einen Großteil der Kosten trägt die Stadt.

Das Dahlbrucher Hallenbad wird 50 – nicht zufällig in demselben Jahr, in dem die heutige Stadt Hilchenbach auf 50 Jahre nach der kommunalen Neugliederung zurückblickt. „Schwimmhalle Dahlbruch – das letzte Großbauwerk der selbstständigen Gemeinde Dahlbruch“ steht auf dem Grundstein, der am 22. Februar 1968 gelegt wurde.

So fing alles an

Gut ein Jahr zuvor hatte der Gemeinderat die Investition beschlossen, mit der sichergestellt werden sollte, dass das Vermögen der wohlhabenden Industriegemeinde im Dorf bleibt und nicht an den Kämmerer der Stadt Hilchenbach überwiesen werden musste. 1,4 Millionen Mark hatte die Gemeinde für den Neubau einkalkuliert. Eine Million hatte sie noch auf der hohen Kante. Aber dann versoff die Baustelle regelrecht im Grundwasser. Die Schwimmhalle wurde schließlich auf 74 Pfählen gegründet, die 13 Meter tief ins Erdreich versenkt wurden. Und zwei Meter breiter, zehn statt acht Meter, wurde die Halle mit den sechs 25-Meter-Bahnen auch noch. Als das Bad am 25. Oktober 1969 eröffnet wurde, hatte es, einschließlich Sauna, Hallenbadgaststätte, Kegelbahn und Umbauarbeiten der angrenzenden Turnhalle 2,6 Millionen Mark gekostet. Die die Stadt Hilchenbach zu bezahlen hatte.

So ging es weiter

1970 werden 86.000 Besucher gezählt, so viele wie später nie wieder. Neben Vereinen gehören 28 Schulklassen zu den Nutzern, nicht nur aus Hilchenbach, sondern auch Kreuztal – die Nachbarstadt freut sich und spart sich bis heute den Bau eines eigenen Hallenbades. Schon 1970 lösen sich Fliesen – die erste große Renovierung wird fällig.

1971 muss das Bad von September bis November schließen, wegen Wasserknappheit. Noch ist die Breitenbachtalsperre einziger großer Wasserlieferant im Kreisgebiet, die Obernautalsperre wird gerade noch angestaut.

1972 kommen die Schwimmbrillen in Mode. „Fans der Schwimmbrille versicherten, dass sich besonders unter Wasser neue Perspektiven, ganz ohne rote Augen vom gechlorten Wasser, auftäten“, berichtet Stadtarchivarin Verena Hof-Freudenberg, die zum Jubiläum Akten gesichtet hat. Anderen machten die Brillenträger einfach nur Angst.

1979 kommen erste politische Überlegungen auf, das Bad wieder zu schließen. „Die Frage muss noch einmal diskutiert werden“, fordert Stadtdirektor Dr. Hans Christhard Mahrenholz im August 1982. Der städtische Haushalt ist tief in den roten Zahlen. 300.000 Mark schießt sie in diesem Jahr für das Hallenbad zu. Spürbar wird die Konkurrenz: Netphen hat inzwischen ein attraktives Freizeitbad eröffnet. Im Dezember 1982 beschließt der Rat eine „Galgenfrist“ für das Hallenbad, die mehrfach verlängert und 1986 endgültig aufgehoben wird. Inzwischen ist aber der Betrieb der Freibäder in Hilchenbach und Müsen an die örtlichen Sportvereine übertragen worden.

1983 beginnen Ideen zu sprudeln: FKK- und Disco-Baden zwecks Attraktivitätssteigerung lehnt der Rat ab.

1985 bringt Stadtbaurat Klaus Winter eine Wasserrutsche, Whirlpools und einen Café-Hof mit Sonneninsel ins Gespräch.

1986 denkt Stadtdirektor Wolfgang Bell über ein sechs Millionen Mark teures „Badeparadies“ mit Außenbecken, Felsenrutsche und Solargrotte nach, das einem privaten Betreiber übertragen werden könnte – oder einem Zweckverband, an dem sich die Stadt Kreuztal beteiligen könnte. Der Erweiterungsbau soll auf dem benachbarten Faustballplatz hinter dem Hallenbad entstehen.

1988 platzen diese Träume, der umworbene Investor ist bankrott. Das Problem auch hier: Wenn die Stadt das Bad verkauft, darf sie es nicht selbst vorher mit Landeszuschüssen modernisieren.

1989 sieht die Stadt in einem „Saunarium“ oder „Gesundheitsbad“ eine neue Option; auch dafür hat sie einen Investor an der Angel.

1990 steht das Gesundheitsbad bereits mit einer Investition von 5,9 Millionen Euro im Jahresförderprogramm der Bezirksregierung, als der Rat auf die Bremse tritt: Erst einmal soll geprüft werden, ob die Stadt nicht lieber auf Freizeit statt auf Gesundheit setzt. Das Saunarium verschwindet aus den Etatentwurf von 1991 -- und taucht auch nie wieder auf.

1999 investiert die Stadt Hilchenbach eine Million Mark in die Modernisierung von Technik und Becken. Mit Spielnachmittagen und Schwimmdiscos hat die Stadt in den 1990er Jahren den Besuch auch für junge Gäste attraktiver gemacht. Nach der Sanierung steigen die Besucherzahlen um mehr als 20 Prozent.

2003 bewegt die „Bäderaffäre“ die Hilchenbacher Politik. Die so genannte „Einkaufswut“ der Schwimmmeister fliegt auf: Sogar Kettensägen und gleich mehrere Fernkopierer wurden über Ebay bestellt, auf dem Hallenbadkonto abgerechnet – und tauchen erst wieder auf, als der Rechnungsprüfungsausschuss die Suche aufnimmt. Weil sie es auch mit der Arbeitszeit nicht so genau genommen habe sollen, werden zwei Angestellte gefeuert. Der letzte Akt wird vor dem Arbeitsgericht verhandelt.

2004 überträgt die Stadt den Betrieb an die Lenne Therme.

2007 wird das Bad während einer mehrmonatigen Schließungszeit renoviert. Neben neuen Umkleiden und Duschen wird ein Blockheizkraftwerk installiert.

2009 verlängert die Stadt ihren Vertrag mit der Lenne Therme um zehn Jahre. Erstmals wird der Anbau einer neuen Sauna Thema. Das Hallenbad feiert 40-jähriges Bestehen.

2013 geht die Hallenbadgaststätte („Rothaarstuben“) in die Knie. Die Decke stürzt ein. Die Stadt arbeitet am Kulturellen Marktplatz. Dazu würde dann auch eine neue Gastronomie gehören.

2019 macht die Lenne Terme Tempo: Der Anbau für Fitnessstudio und Sauna soll stehen, bevor im Februar 2020 mit dem Kulturellen Marktplatz begonnen wird. Die Stadt verlängert bei der Lenne Therme um weitere zehn Jahre. Der Betrieb kostet die Stadt im Jahr knapp 500.000 Euro. Und das Hallenbad wird 50.

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