Gesundheit

Projekt der Uni Siegen: Blutwerte per App in die Arztpraxis

Vanessa Simon und Alexander Keil (rechts) vom Forschungskolleg demonstrieren Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers (Mitte) den Prototyp eines Mini-EKG, das Daten via Bluetooth an einen Laptop sendet.

Vanessa Simon und Alexander Keil (rechts) vom Forschungskolleg demonstrieren Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers (Mitte) den Prototyp eines Mini-EKG, das Daten via Bluetooth an einen Laptop sendet.

Foto: Uni Siegen

Siegen/Burbach.   „DataHealth“: Die Uni Siegen erforscht den digital unterstützten Transfer von Gesundheitsdaten. Das soll vor allem Ärzte auf dem Land entlasten.

Die Gesundheitsversorgung ist wichtig, um ländliche Regionen vor Abwanderung zu schützen. Die Digitalisierung bietet viele Möglichkeiten, um die Versorgung von Patienten auf dem Land auch in Zukunft zu sichern. Im Projekt „DataHealth – Flexible Patientendaten für die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum“ untersucht das Forschungskolleg (FoKoS) der Universität Siegen jetzt gemeinsam mit der Lebenswissenschaftlichen Fakultät (LWF) Möglichkeiten des digital unterstützten Transfers von Gesundheitsdaten.

Das Projekt

Anliegen: Wie können Vitalparameter wie Blutdruck, Puls, Blutzucker, Sauerstoffsättigung oder auch ein EKG auf sicherem Weg digital per App in die Arztpraxis übermittelt werden? Am Beispiel des Hickengrundes in Burbach sollen dazu Digitalisierungsstrategien entwickelt werden. Ziel des Projekts ist es, die Versorgung größerer Patientenpopulationen auch bei abnehmenden Ärztezahlen auf einem hohen Niveau zu erhalten.

Ärztemangel: „In den nächsten zehn Jahren werden über 50 Prozent der Hausärzte im Kreis Siegen-Wittgenstein aufhören. Weniger Ärztinnen und Ärzte müssen dann deutlich mehr Patientinnen und Patienten versorgen“, sagte Dr. Dr. med. Charles Christian Adarkwah, der das Projekt gemeinsam mit Prof. Björn Niehaves und Prof. Rainer Brück leitet. Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers treibt das Thema ebenfalls um, seine ersten Gespräche mit dem FoKoS liegen inzwischen zwei Jahre zurück. „Ohne am Anfang zu wissen, worauf wir uns einlassen, haben wir offene Gespräche geführt und uns gefragt: Gibt es für den Hicken­grund, gibt es für die hausärztliche Situation Lösungen, Hilfen, damit die medizinische Versorgung vorhanden bleibt?“, sagte Christoph Ewers bei der Projektvorstellung.

Schnittstelle: Mit „DataHealth“ wird im Hickengrund „ein Leuchtturm-Projekt in der digitalen gesundheitlichen Versorgung entwickelt“, schreiben die Verantwortlichen.

„Wichtig ist, dass wir uns fokussieren. Von zentraler Bedeutung ist die Frage: Wie kann eine geeignete Schnittstelle aussehen, die einen professionellen Austausch von Vitaldaten sicherstellt?“, sagte Dr. Olaf Gaus, Geschäftsführer des FoKoS. Insbesondere Patienten, die in ihrer Mobilität eingeschränkt oder chronisch krank sind, könnten so in Zukunft weite Wege erspart werden.

Pflege: Ein zusätzlicher Fokus des Projekts liegt im pflegerischen Bereich, da insbesondere die Heimversorgung als sehr zeitaufwendig gilt. Die regelmäßige Übermittlung der Gesundheitsdaten von Pflegeheim-Bewohnern könnte den Einsatz des hausärztlichen Notdienstes am Wochenende oder gar stationäre Klinikeinweisungen reduzieren.

Infrastruktur: Über die Hausarztpraxen Dr. Marton in Burbach-Holzhausen und Fudu Yu in Niederdresselndorf sollen im Rahmen des Projekts Probanden gefunden und mit der nötigen Infrastruktur sowie mobilen Endgeräten zur Datenübertragung ausgestattet werden.

Gemeinsam mit den Praxen und den Patienten geht es anschließend darum, digitale Technologien zur Kommunikation von Gesundheitsdaten im Testbetrieb zu nutzen – und sie auf ihre Akzeptanzfähigkeit zu überprüfen.

Die Finanzierung

„DataHealth“ wird unter Vorbehalt einer Bewilligung seitens der Bezirksregierung durch das Förderprogramm Leader der Europäischen Union zur Entwicklung des ländlichen Raums unterstützt. Der Vorstand des Regionalvereins „Leader-Region 3-Länder-Eck“ mit der Vorsitzenden Roswitha Still hat das Projekt als besonders förderwürdig bewertet. Zusammen mit bereits laufenden Projekten ist „DataHealth“ Teil des umfassenden Vorhabens „Digitale Modellregion Gesundheit Südwestfalen“ des Forschungskollegs.

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