NRW-Wahl 2017

Brigitte Eger-Kahleis kommt von der CDU zur AfD

Brigitte Eger-Kahleis hat das Obere Schloss als Ort fürs Interview gewählt. Sie kommt zwar nicht aus Siegen, „aber ich fühle mich der lokalen Geschichte sehr verbunden“. Mit der lokalen Historie hat sie sich intensiv befasst: Sie ist unter anderem immer wieder mal als Stadtführerin im Einsatz.

Brigitte Eger-Kahleis hat das Obere Schloss als Ort fürs Interview gewählt. Sie kommt zwar nicht aus Siegen, „aber ich fühle mich der lokalen Geschichte sehr verbunden“. Mit der lokalen Historie hat sie sich intensiv befasst: Sie ist unter anderem immer wieder mal als Stadtführerin im Einsatz.

Siegen.   Die Winzertochter war im aktiven Berufsleben Flugbegleiterin. Heute macht Brigitte Eger-Kahleis in Geschichte — und Politik. Sie tritt für die AfD im Wahlkreis Siegen-Wittgenstein 1 an.

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Richtig gut war ihr Start in Siegen nicht. Als Brigitte Eger-Kahleis anfangs mit ihrer kleinen Tochter zur Fastnacht gehen wollte – „Fastnacht“, nicht „Karneval“ –, erntete sie bei manchen Zeitgenossen im pietistisch geprägten Siegerland ehrliche Entrüstung. Als Winzertochter aus dem Landkreis Mainz-Bingen, die 1977 nach Siegen umzog, muss sie ziemlich irritiert gewesen sein angesichts einer solchen Reaktion.

Einstieg bei der CDU

Inzwischen fühlt sie sich in der Region längst so heimisch, dass sie ihr als NRW-Landtagskandidatin der AfD ein Gesicht geben möchte. Als Ort für das Interview hat sie das Obere Schloss gewählt, „weil ich mich der lokalen Geschichte sehr verbunden fühle.“ Nachdem ihr Mann eine Stelle an der noch jungen Universität-Gesamthochschule Siegen (wie sie damals noch hieß) bekommen hatte, war es die Beschäftigung mit der Historie, die ihr nach einem etwas schwierigen Start half, sich zu Hause zu fühlen.

Sie besuchte VHS-Angebote und die Mittwochsakademie, machte Anfang der 90er Jahre Kurse, um als Stadtführerin arbeiten zu können – was sie bis heute immer wieder mal tut. „Da habe ich wirklich eine Beziehung zur Region bekommen – durch die Geschichte. Ich finde es spannend, die Zusammenhänge zu sehen. Geschichte ist das Fundament für die Zukunft.“

Sie tritt im Wahlkreis Siegen-Wittgenstein 1 an, auf der Landesliste hat sie Platz 48. Chancen auf einen Sitz in Düsseldorf rechnet sie sich damit nicht aus. Und einen solchen strebte sie auch gar nicht an. Als es beim Parteitag um die Aufstellung der Kandidaten ging, „da habe ich mich ganz spontan vorgestellt“, sagt die ehemalige Flugbegleiterin. Die Entscheidung sei auch im Hinblick darauf gefallen, wer sich von den Anwesenden sonst noch auf einen Listenplatz beworben hat, räumt sie ein.

Politische Erfahrungen im Siegener Stadtrat

Eger-Kahleis hat politische Erfahrungen, ging vor 15 Jahren zur CDU, saß für diese im Siegener Stadtrat. Aber bei den Christdemokraten „habe ich mich unbeliebt gemacht, weil ich den Haushalten nicht zugestimmt habe“. Ratsmitglied ist sie noch immer, nun aber für die AfS, die „Alternative für Siegen“, eine lokale AfD-Abspaltung.

„Die CDU ist nicht mehr eine Partei der Mitte“, sagt sie, sie habe statt dessen einen „Links-Drift“ beobachtet. „Ich selber bin nicht links oder rechts – ich bin geradeaus, vernunft-orientiert.“ Dass die AfD in der öffentlichen Wahrnehmung nicht so mittig verortet wird, nimmt sie zur Kenntnis. Personen wie Björn Höcke, bekannt für diverse höchst umstrittene Äußerungen, sieht sie kritisch: „Ich finde, dass der aus der AfD austreten müsste.“

Der Komplex Verschuldung und Ausgabenverhalten der öffentlichen Hand ist eines ihrer zentralen Themen, kommunal, auf Landes- und auf Bundesebene. „Wir müssen vorausdenken. Wir können nicht einfach die Kassen der folgenden Generationen leermachen, das ist weder christlich noch moralisch noch sozial.“ Was sie damit meint, wird immer wieder in ihren Wortmeldungen im Rat und seinen Gremien deutlich, wenn sie bei den meisten Projekten – vor allem bei den freiwilligen Leistungen – auf die Kosten hinweist. Und oft nicht zustimmt.

Dass nicht selten ein genervtes Raunen durch die Reihen geht, dass ihren Redebeiträgen mitunter offene Ablehnung entgegenschlägt, hält sie nicht ab, ihren Standpunkt immer wieder zu vertreten. „Das kostet Kraft“, sagt sie offen. Stadtentwicklungsprojekte, Kita-Förderung, „das ist alles gut und schön. Aber unsere Stadt ist hoch verschuldet, und ich lege eben immer wieder den Finger in die Wunde.“

Doppelkopf ist auch eine Alternative

Je länger Eger-Kahleis redet, um so mehr Leidenschaft und Energie spricht aus ihrem Duktus. Und doch bleibt sie beherrscht, betont durchgehend, dass sie eine persönliche Meinung vertritt. Das gilt auch beim Thema Zuwanderung. Die Zahl der Menschen, die seit dem Jahr 2015 nach Deutschland kommen, sei „zu hoch, als dass Integration gelingen könnte. Ich fürchte, es werden Parallelgesellschaften entstehen. Und ich fürchte um die sozialen Systeme.“

Hinzu komme, dass einige Menschen mit geringem Einkommen, „Zuwanderer als Konkurrenz betrachten“. Eger-Kahleis schwebt ein anderer Weg vor. „Ich habe überall auf der Welt Elendsquartiere gesehen“, sagt sie. „Diese Menschen haben keine Chance, selbst etwas daran zu ändern. Aber es ist auch keine Lösung, dass wir die Grenzen für unkontrollierte Zuwanderung öffnen. Wir müssen dafür sorgen, dass wir den Menschen Perspektiven in ihren Heimatländern geben.“

Die Positionen der AfD sind nicht jedermanns Sache, privat „gehen einige schon auf Distanz“, sagt sie. „Aber ich finde mich in unserem Programm wieder. Ich habe meine Werte, und die sage ich auch.“ Mit manchen Bekannten „meiden wir einfach politische Themen – und spielen Doppelkopf.“

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