Ortsumgehungen

Bürokratie: Bau der Route 57 „kommt nicht aus dem Quark“

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Der Damm zwischen zwei Talbrücken der Südumgehung zwischen Ferndorf und Kredenbach ist längst aufgeschüttet.

Der Damm zwischen zwei Talbrücken der Südumgehung zwischen Ferndorf und Kredenbach ist längst aufgeschüttet.

Foto: Kai Osthoff

Kreuztal/Hilchenbach.  Auf dem Straßendamm in Ferndorf wächst längst wieder das Gras – der Verein Route 57 wird ungeduldig: Es tut sich nichts bei den Ortsumgehungen.

„Die Herausforderungen für den heimischen Wirtschafts- und Lebensraum werden immer größer. Fachkräfte zu gewinnen, wird zunehmend schwieriger. Auch weil diese immer größeren Wert auf eine gute verkehrliche Erreichbarkeit legen.“ Eckehard Hof, Vorsitzender des Vereins „Route 57“, erwartet mehr Tempo für die Ortsumgehungskette zwischen Kreuztal und Schameder.

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Nach der Offenlegung des Planfeststellungsbeschlusses für die Südumgehung Kreuztal vor fünf Jahren hatte die Straßenbauverwaltung bereits einen Straßendamm bei Ferndorf angelegt. „Dass hier inzwischen auf der gesamten Fläche meterhoch das Unkraut wuchert, steht sinnbildlich für den Fortschritt bei der ganzen Route 57. Es geht einfach insgesamt viel zu langsam voran.“ Die Finanzierung sei nicht das Problem, erläuterte CDU- Bundestagsabgeordneter Volkmar Klein in der jüngsten Vorstandssitzung. „Das Projekt ist im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans verankert, damit finanziell abgesichert und deshalb auch konsequent zu planen. Was die Planung vor allem erschwert, sind die zahlreichen gesetzlich vorgegebenen Umweltprüfungen, Gutachten und Kartierungen. Die überbordende Bürokratie bremst da einfach ungemein.“

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„Sorgen und Nöte der Anwohner kommen zu kurz“

Niemand könne ihm erzählen, dass die derzeitige Verkehrssituation im Ferndorftal mit den täglichen Staus und der Belastung durch die vielen Fahrzeuge auf Dauer nachhaltiger sei als die Ortsumgehungskette, betonte Vorstandsmitglied Bernd Weide. „Die Sorgen und Nöte der Anwohner kommen in der öffentlichen Diskussion leider immer wieder zu kurz. Warum sollen die Menschen in den Ortslagen ihr Leben lang tagtäglich die hohen Belastungen durch die Durchfahrtssituation für die Allgemeinheit ertragen müssen?“

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Die Region erwarte mit Recht, dass sich hier etwas tut. Erkennbar sei dies aber nicht, ergänzte Ingo Degenhardt: „Wo bleibt das Planergänzungsverfahren für Kreuztal, damit endlich Baurecht geschaffen wird?“ Auch das Flurbereinigungsverfahren zwischen Lützel und Erndtebrück lasse Fortschritte vermissen. Es könne nicht sein, dass ein für die gesamte Region derart wichtiges Infrastrukturprojekt einfach nicht „aus dem Quark komme“, so der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Route 57.

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Verein: Ortsumgehungskette ist „ökonomisch, ökologisch und sozial“

„Die Menschen wollen, dass ihre Kinder und Enkel gesicherte Lebensperspektiven in der Region vorfinden. Die Route 57 ist hier das beste Gesamtpaket, denn sie ist ökonomisch, ökologisch und sozial.“ Dies gelte es gerade auch jüngeren Menschen in der Region zu verdeutlichen, um deren Zukunft es gehe, so Eckehard Hof. Hier werde der Verein in den kommenden Monaten verstärkt aktiv werden. „Bei ihnen wie bei uns hat der Klimaschutz einen hohen Stellenwert. Deshalb werden wir auch deutlich machen, wie sehr Umweltaspekte in den Planungen schon heute berücksichtigt werden.“ Mit der kommunalen Neugliederung seien in den 70er Jahren die beiden Kreise Siegen und Wittgenstein zusammengeschlossen worden. „Dass man dem noch ein halbes Jahrhundert später nicht mit einer adäquaten, leistungsfähigen Verkehrsanbindung Rechnung getragen hat, ist eine Farce.“

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