Justiz

Sex mit 13-jährigem Mädchen im Apollo-Parkhaus in Siegen

Die Freundin des Opfers verstrickt sich vor dem Schöffengericht in Widersprüche.

Die Freundin des Opfers verstrickt sich vor dem Schöffengericht in Widersprüche.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Vorwurf Kindesmissbrauch und Kinderpornografie vor dem Schöffengericht: Wusste Mann, dass sie noch minderjährig war? Freizügige Fotos geschickt.

Sex mit einem minderjährigen Mädchen im Apollo-Parkhaus wird einem Mann zur Last gelegt. Der Vorfall ereignete sich im September 2015. Zudem wurden kinderpornografische Fotos bei ihm gefunden.

Dass es zu sexuellen Handlungen kam, hat der Mittzwanziger zugegeben; der Geschlechtsverkehr war einvernehmlich, daran hat das Siegener Schöffengericht keine Zweifel. Entscheidend: Wusste der junge Mann, dass das Mädchen erst 13 war? Vor Gericht schweigt der Mittzwanziger. Ihm ist die Sache sichtlich unangenehm, er blickt vor sich auf den Tisch, knetet die Finger.

Der Vorfall

Laut Anklageschrift war der Soldat aus Großenkneten mit der damals 13-Jährigen aus Altenkirchen in Siegen unterwegs. Sie brachte ihn zum Auto zurück, dort hatten sie auf der Rückbank einvernehmlichen Sex. Die Freundin, die die 13-Jährige begleitet hatte, erwischte die beiden. Bei der Durchsuchung der Stube des Angeklagten in der Marinekaserne Bremerhaven und seiner Privaträume wurden Datenträger sichergestellt, auf denen gelöschte freizügige Fotos des Mädchens rekonstruiert wurden. Sie hatte ihm die Bilder geschickt.

Die Zeugen

Der Ermittler. „Er war total baff“, erinnert sich der inzwischen pensionierte Beamte: Als er den Soldaten in Anwesenheit seiner Vorgesetzten mit den Vorwürfen konfrontierte, habe der den Sex sofort zugegeben und auch sonst kooperiert. Bei der Vernehmung bestätigte der Mann das Geständnis, wies aber Vorwürfe von sich, die Fotos an den Vater des Mädchens geschickt zu haben. Der Angeklagte sagte zudem, dass sie mit den sexuellen Handlungen begonnen habe. Vom Datenexperten habe der Ermittler erfahren, dass der Soldat das Alter des Mädchens aus den sozialen Netzwerken habe kennen müssen.

Der Datenexperte. Das bestätigt der Kripo-Mitarbeiter: Er rekonstruierte die gelöschten Aufnahmen, konnte aber nichts zum Datum beitragen. Explizit thematisiert wurde das Alter des Mädchens in einem Chatverlauf im Dezember 2015 – drei Monate nach der Tat. Bei der Datensicherung fand der Experte der Kripo einschlägige Googleabfragen kinderpornografischen Inhalts, nach denen der Angeklagte gesucht hatte.

Die Freundin. Sie habe ihre Freundin als Vorwand begleitet, sagt die heute 17-Jährige – der Vater wusste nichts von der Beziehung mit dem Soldaten. Sie habe den deutlich älteren Mann, damals Anfang 20, noch gefragt, ob er wisse, dass die Freundin erst 13 sei. Das Pärchen habe das übergegangen. Sie hätten sich immer wieder geküsst und als er abends fahren wollte, brachte sie ihn zum Auto. Als sie nach 45 Minuten immer noch nicht zurückgewesen sei, habe sie nachgesehen, die beiden erwischt und ans Fenster geklopft. Beide hätten sich vielfach entschuldigt. Ihre Freundin habe nichts gesagt, das darauf hindeuten würde, dass der Sex nicht einvernehmlich gewesen sei, sagt die Zeugin – zumal sich die beiden nochmals zum Abschied geküsst hätten.

Das Gericht

Wann genau der Soldat vom Alter des Mädchens erfuhr, lässt sich nur schwer rekonstruieren. Insbesondere die abweichenden Zeugenaussagen der Freundin lassen Richterin Antonia Kuhli zweifeln. „Dass sie ihr Alter präzise thematisiert hat, hat sie bisher so nicht gesagt“, so die Vorsitzende. Diese sei jetzt die dritte Version. Da dem Soldaten nur der Besitz der Nacktfotos des Mädchens zur Last gelegt werden könne, die sie ihm aber zumindest selbst geschickt habe, wird das Verfahren gegen Zahlung von 3000 Euro eingestellt.

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