Serie „Hunde im Dienst“

Burbacherin Uschi Loth bildet Assistenzhunde aus

Inhaberin und Ausbilderin Uschi Loth am Hundezentrum Siegerland mit ihrem Vierbeiner. Sie bildet Assistenzhunde aus.

Foto: Jennifer Wirth

Inhaberin und Ausbilderin Uschi Loth am Hundezentrum Siegerland mit ihrem Vierbeiner. Sie bildet Assistenzhunde aus. Foto: Jennifer Wirth

Burbach.   Die Burbacherin Uschi Loth rettet im übertragenen Sinne Leben. Sie bildet in ihrem Hundezentrum am Siegerland-Flughafen Assistenzhunde aus.

Hunde können mehr als spielen, fressen und schlafen. Sie sind für viele Halter treue Weggefährten – doch für Menschen mit Handicap werden sie nicht selten sogar zum Lebensretter. So wie der ehemalige Straßenhund Vegas. Er passt auf Simon (12) aus Dortmund auf, denn der leidet an Diabetes. Eine Unterzuckerung kann für den Jungen lebensbedrohlich werden. Doch auch Simons Mutter leidet an der Krankheit.

Hunde im Dienst - Was tun die Tiere und wie helfen sie? „Vegas hat ihr das Leben gerettet“, sagt Uschi Loth, die den Diabetikerwarnhund ausgebildet hat. Bei einem Spaziergang sei die Frau plötzlich in die Unterzuckerung gerutscht. „Das Hirn sagt: Nimm dir etwas zu Essen. Doch die Muskeln spielen nicht mit. Vegas hat sie so lange genervt und gekratzt, bis sie schließlich etwas zuckerhaltiges getrunken hat“, so Uschi Loth. Vegas ist ein Lebensretter.

70 000 Quadratmeter zur Hundeausbildung

Direkt am Siegerland Flughafen liegt das Hundezentrum von Uschi Loth. Auf etwa 70 000 Quadratmetern bildet die Trainerin mit ihren Mitarbeitern Hunde aus: Besuchshunde, Behindertenbegleithunde, Hunde für Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS), für autistische Kinder oder für Menschen, die an Diabetes leiden. Diese Tiere lernen ihren Besitzer zu unterstützen.

Anders als bei der Ausbildung für Blindenführhunde, die komplett einsatzfähig zum Halter kommen, erfolgt das Training bei Uschi Loth von Anfang an im Team. Hund und Halter bilden eine Einheit, die starke Bindung ist sehr wichtig. „Es geht nicht nur um den Hund, sondern auch um den Menschen“, sagt die studierte Tiertherapeutin und Pädagogin.

Eignung

Prinzipiell kommt jeder Hund für eine Ausbildung zum Assistenztier in Betracht, solang er ein Teamplayer ist und ein freundliches Wesen hat. „Es ist wichtig, dass sie arbeiten wollen und Spaß daran haben“, sagt Uschi Loth. Hütehunde oder Hunde, die gerne apportieren, seien besonders gut geeignet.

„Die Größe ist egal. Es hängt ganz davon ab, was der Mensch will, denn der Hund ist ja auch ein Familienmitglied“, sagt die Expertin. Auch ehemalige Straßenhunde hat sie bereits erfolgreich ausgebildet.

Ausbildung

Die Ausbildung eines Assistenzhundes dauert erfahrungsgemäß zwischen drei Monaten und einem Jahr, sagt Uschi Loth. „Bei älteren ist es einfacher, weil schon die Grunderziehung da ist.“

Zu alt sollten die Tiere jedoch nicht sein, damit sich die Ausbildung noch lohnt. Die Kosten richten sich nach der Dauer. „1500 Euro für ein Jahr sind normal“, so Loth.

Diabetikerwarnhund

Die Tiere werden auf den Unterzuckerungsgeruch ihrer Bezugsperson konditioniert. Das geschieht über Geruchsproben Schritt für Schritt. „Die Hunde machen sich ein Gesamtbild vom Herrchen oder Frauchen und halten sie in Grenzen“, sagt Uschi Loth.

Die Vierbeiner lernen auf verschiedene Arten anzuzeigen und bei Kindern eine Funkklingel zu betätigen, um die Eltern zu alarmieren. Zudem bringt das Tier einen Notfallbeutel.

Behindertenbegleithund

Die Ausbildung erfolgt individuell – meist lernt das Tier den Grundgehorsam in einer Gastfamilie, bevor mit dem Betroffenen geübt wird. Ziel ist es, dass der Hund assistiert: Socken ausziehen, Lichtschalter betätigen, Krücken bringen, Sachen holen und anreichen.

Auch gut neben dem Rollstuhl zu laufen ist wichtig. Der Hund lernt, angepasst an die Bedürfnisse seines Menschen zu agieren. Das geschieht, indem er die Aufgaben mit etwas Positivem verbindet.

Therapiehund für PTBS

Auch bei der Ausbildung zum Therapiehund bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung wird das trainiert, was sich die Person wünscht. „Hier kann ich nur bei der Grunderziehung helfen“, sagt Uschi Loth.

Durch Übungen wird das Vertrauen gestärkt und in typischen Situationen Stress gemildert. So kann das Tier seinen Besitzer beispielsweise durch Berührungen und Zuwendung aus einer sich anbahnenden Krise führen.

Rechte

Blindenführhunde haben vom Gesetz her als einzige eine besondere Stellung, die es den Haltern ermöglicht, sie überall hin mitzunehmen. Dieses Standing haben andere Assistenzhunde zwar nicht, doch die Kenndecke, die sie nach der Prüfung erhalten, und ein Ausweis helfen dabei, Akzeptanz zu schaffen.

So können sie fast immer dort sein, wo Herrchen oder Frauchen ihre Hilfe braucht. So wie Vegas bei Simon und seiner Mutter.

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