Verkehrsunternehmen

Bus-Ausfälle: „Die VWS leiden massiv unter dem Fahrermangel“

Seit Wochen sind viele Busfahrer in Siegen-Wittgenstein krank.

Seit Wochen sind viele Busfahrer in Siegen-Wittgenstein krank.

Foto: Friederike Günzel

Siegen.   Schlechte Personalplanung sei nicht die Ursache für Bus-Ausfälle – die Reserve sei durchaus üppig, sagt der Betriebsleiter. Anwerbung im Ausland.

VWS-Geschäftsführer Klaus-Dieter Wern ist auf Europatour. Um Busfahrer anzuwerben. Was alles andere als einfach ist: Bei Fahrern aus Moldawien scheiterte es daran, dass deren Führerschein nicht anerkannt wurde. „Überall in der EU, nur nicht hier“, sagte VWS-Betriebsleiter Gerhard Bettermann in der Zweckverbandsversammlung Personennahverkehr Westfalen Süd (ZWS) am Mittwoch, 3. April. Absehbar habe er keine Hoffnung, dass sich der Krankenstand unter den Busfahrern und die damit verbundenen Fahrtausfälle signifikant ändern werden: „Alle im Nahverkehrsunternehmen leiden massiv unter Fachkräftemangel.“ Auch die VWS: „Wir müssen uns intensiv bemühen, Personal dazuzugewinnen.“ Man werde alles dafür tun, diesen Zustand so schnell wie möglich zu beenden, „aber wir können nicht alles selbst beeinflussen.“

Personalplanung

Ausfälle gebe es vielerorts: Essen, Chemnitz, Bonn, Göttingen Lübeck. „In den nächsten Jahren werden 10.000 Fahrer fehlen“, so Bettermann. Täglich müsse die VWS 161 Umläufe in Siegen-Wittgenstein und Olpe besetzen. Darin sind etwa 10 bis 14 einzelne Linienfahrten zusammengefasst, abhängig von der Länge der Fahrten. 190 Busfahrer stehen zur Verfügung, wenn alle gesund sind. Nach Abzug von Urlaubsabgeltung bleibe eine Fahrer-Reserve von 13 Prozent, so Bettermann, der durchschnittliche Krankenstand der Jahre 2014 bis 2017 liege bei 6,3 Prozent. „Eine üppige Personalplanung“, sagt der Betriebsleiter.

Aber: Durchschnittlich sei die Belegschaft 58 Jahre alt und mit dem Alter steige die Zahl der Krankentage. In der Gruppe der 25- bis 29-Jährigen seien es 11,5; bei den 55- bis 59-jährigen 27. „Sie fehlen krankheits- und nicht motivationsbedingt“, weist Bettermann entsprechende Äußerungen zurück. Und selbst in der Spitze, als über 200 Linienfahrten an einem Tag ausfielen, seien das bei 5144 Fahrten 4 Prozent gewesen.

Ein Staplerfahrer in der Industrie verdiene 17 bis 18 Euro die Stunde – der Fahrer eines Busses voller Kinder weniger, räumte Bettermann ein, auch wenn die Tarife in den vergangenen Jahren angezogen hätten. „Als junger Mensch überlege ich mir das nur einmal – ganz kurz“, so Verbandsmitglied Sonja Melanie Koch. Der Beruf müsse attraktiver werden, auch übers Geld, so Bettermann, „aber als Unternehmen muss man dazu auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten haben.“

Auftragsunternehmen

24 Leistungen, die Auftragsunternehmen zuvor zugesagt hatten, konnten mit Übernahme der Linienbündel im September und Dezember 2018 nicht realisiert werden. Die Fahrer, die diese Betriebe dafür zugesagt hatten wechselten zu anderen Unternehmen, in die Industrie oder gingen in Rente. „Die Leistungen müssen aber bedient werden“, so Bettermann. Zum 1. Mai sind weitere Umlaufrückgaben angekündigt.


Lösungen

In Moldawien scheiterte es an der Anerkennung der Führerscheine. Ein Verkehrsunternehmer aus Hessen habe kurzfristig sechs Fahrer zugesagt, man habe möblierte Wohnungen gestellt – es scheiterte an zu hohen Geldforderungen, sagt Bettermann. Personal aus Verwaltung und Werkstatt wurde hinters Lenkrad gesetzt. Vor zwei Wochen sei ein Ehepaar aus Polen angeworben worden, dem eine Wohnung gestellt werde, man unterstütze sie etwa bei Behördengängen. Kurzfristig seien Umläufe an Auftragsunternehmen vergeben worden. Auch durch den anstehenden Fahrplanwechsel hoffe man auf punktuelle Entlastungen.

Mittel- und langfristig bleibe nur Aus- und Weiterbildung und den Beruf attraktiver zu machen. Man suche gerade geeignete Bewerber für zehn neue Ausbildungsplätze; mit Bildungsträgern und dem Jobcenter kooperiere man bei der Qualifizierung von Arbeitsuchenden. „Von heute auf morgen bekomme ich keine Busfahrer“, sagt Bettermann. „Heute hole ich jemanden, zeige ihm morgen wo der Haardter Berg liegt, übermorgen fährt er dann allein – das ist nicht die Qualität, die wir brauchen.“

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