Tierschutz

Carl-Kraemer-Stiftung: Bessere Betäubung im Schlachthof

In solche Gruben werden die Tiere hinabgesenkt, diese wird dann mit Gas geflutet, die Schweine ersticken. Sofort bewusstlos sind sie dabei nicht – es gibt schonendere Methoden.

Foto: Peta-Youtube-Auftritt

In solche Gruben werden die Tiere hinabgesenkt, diese wird dann mit Gas geflutet, die Schweine ersticken. Sofort bewusstlos sind sie dabei nicht – es gibt schonendere Methoden. Foto: Peta-Youtube-Auftritt

Hilchenbach.   Die Stiftung aus Hilchenbach macht auf das Thema Schweineschlachtung aufmerksam: Die Tiere werden mit CO2betäubt und ersticken unnötig qualvoll.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Einnahmen aus dem Stiftungskapital fehlen. Wegen der aktuell niedrigen Zinsen werden kaum Erträge an die Carl-Kraemer-Stiftung in Hilchenbach ausgeschüttet, die Verleihung des Tierschutzpreises, den die Stiftung seit 1998 in unregelmäßigen Abständen vergibt, wäre nur möglich gewesen, wenn das Stiftungskapital angetastet worden wäre – laut Statut nicht möglich. Auch das Spendenaufkommen ist zur Zeit sehr niedrig. „Wir können nur ausgeben, was wir einnehmen“, sagt Kuratoriumsvorsitzende Annelie Homrighausen, über Anteile aus Waldgenossenschaften etwa. „Aber wir wollen trotzdem nicht untätig sein.“ Die Stiftung hat sich vorgenommen, Missstände im Tierschutz zum Thema zu machen.

Worum geht es?

Die Stiftung will sich für die schmerzlose Betäubung von Schweinen beim Schlachten einsetzen. Fast 40 Millionen Schweine würden in Deutschland jedes Jahr mit Kohlendioxid betäubt – „dabei sollen die Tiere weder Schmerzen haben noch leiden, so ist es gesetzlich vorgeschrieben“, so Homrighausen. Realität sei aber vielmehr, dass die Schweine in eine Grube hinabgelassen würden, die dann mit dem Gas, das schwerer als Luft ist, geflutet werde. Die betäubten Tiere werden dann geschlachtet.

„Die Betäubungswirkung des Gases tritt aber nicht sofort ein“, so Homrighausen; es dauere 10 bis 30 Sekunden, bis die Schweine bewusstlos seien. „Das Gas hat einen stechenden Geruch, reizt die Schleimhäute und ruft massive Atemnot hervor“, so die Kuratoriumsvorsitzende – die Tiere reagierten panisch, versuchten schreiend zu entkommen, „ein qualvolles Ersticken“. Videos der Tierschutzorganisation Peta im Netz belegen das.

Welche Alternativen gibt es?

Die Tiere können statt mit CO2 mit Helium oder Argon betäubt werden, die von den Schweinen nicht wahrgenommen werden, Versuche zeigten, dass keine Abwehrreaktionen gezeigt werden, die Betäubung sei stressfreier. Vielversprechend, so Homrighausen, sei eine Variante mit Stickstoff – Argon und Helium sind im Gegensatz dazu in der Natur begrenzt vorhanden und entsprechend teuer –, das Wirkprinzip sei das gleiche: „Die Tiere fallen in Ohnmacht, ohne etwas davon mitzubekommen.“

„Es ist nicht unser Ziel, alle Menschen zu Vegetariern zu machen“, sagt Homrighausen – aber dass die Tiere unnötig litten, sei unnötig. Und auch, wenn die alternative Methode etwas teurer sei, mache sich das nur minimal am Fleischpreis bemerkbar. Dafür sei das Fleisch auch besser, so Kuratoriumsmitglied und Kreisveterinär Dr. Wilhelm Pelger: Durch den Stress vor der Schlachtung werde im Schweinekörper Cortison und Adrenalin ausgestoßen. Die Qualität des Fleisches, so Pelger, sei bestimmt vom Zucker in den Zellen: so ergebe sich ein niedriger pH-Wert, der konservierende Wirkung habe. „Das Fleisch ist besser, wenn das Schwein vor dem Schlachten keinen Stress verspürt“, sagt Pelger.

Was tut die Stiftung?

Die Carl-Kraemer-Stiftung fördert den Tierschutz im Bereich Wissenschaft und Forschung. So gibt es zum Beispiel im Bereich der Stickstoffbetäubung ein Genehmigungsverfahren, die Methode ist an Geflügel bereits erprobt worden und hat sich dort bewährt. Denkbar könnte also sein, Doktorarbeiten auf diesem Gebiet zu fördern.

Die Stiftung unterstützt die Carl-Kraemer-Realschule in Hilchenbach und eine gleichnamige Grundschule in Berlin; etwa mit der Finanzierung von Ausflügen oder Ausstattung für den Unterricht.

Wer war Carl Kraemer?

Der Hilchenbacher (*22. Dezember 1873, † 12. Mai 1951) gilt als Mitgründer des deutschen Tierschutzes, unter anderem auf seine Initiative hin wurde 1933 das erste entsprechende Gesetz verabschiedet. In seiner Jugend eignete sich Kraemer umfangreiches Wissen über Tiere und Pflanzen an, mit 23 wurde Kraemer in die zoologische Sektion des Westfälischen Provinzialvereins für Wissenschaft und Kunst in Münster berufen, 1912 wurde er hauptamtlicher Mitarbeiter des Berliner Tierschutzvereins.

Während des Ersten Weltkrieges widmete er sich dem Schutz verwundeter Militärpferde und wurde dabei unter anderem vom späteren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg unterstützt.

Nach dem Krieg betrieb Kraemer in Berlin eine Druckerei, in der er in Millionenauflagen Tierschutzwerbeschriften herstellte. Er war beteiligt am Schlachtgesetz und der Betäubungsregelung für Schlachttiere.

>>>>INFO: Der Tierschutzpreis

1998 erhielt Robert Sauter den ersten Tierschutzpreis der Carl-Kraemer-Stiftung für seinen Beitrag im ADAC-Heft „Der lange Weg zum Sterben“.

2013 erhielt den bislang letzten Preis der Verein UNA Union für das Leben für den Aufbau eines Rettungsdiensts für Tiere, die in Not geraten sind.

  • Die Lokalredaktion Siegen ist auch bei Facebook.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik