Rettungdienst

CDU bringt den Tele-Notarzt in die Debatte

Rettungswache Netphen: von Anfang an am falschen Standort,  sagen die Fachleute.

Foto: Steffen Schwab

Rettungswache Netphen: von Anfang an am falschen Standort, sagen die Fachleute. Foto: Steffen Schwab

Siegen-Wittgenstein.   Planungen für den Rettungsdienst liegen auf Eis. CDU will nicht nur Rettungswachen, sondern auch Möglichkeiten der Digitalisierung prüfen lassen.

Den „Tele-Notarzt“ hat die CDU-Kreistagsfraktion in der Rettungsleitstelle Aachen kennengelernt. Per Mobilfunk und Bluetooth-Headset sind der Notarzt in der Leitstelle und die Besatzung des Rettungswagens miteinander verbunden. Fotos und Daten werden über einen Monitor übertragen, sodass der Notarzt die Einsatzkräfte unterstützen kann und die aufnehmende Klinik frühzeitig die erforderlichen Maßnahmen vorbereiten kann.

Der Konflikt

„Es ist schon beeindruckend, wie so die Zeit verkürzt und überbrückt werden kann, wenn vor Ort nicht über einen Notarzt verfügt werden kann“, sagt Kornelia Busch-Pfaffe (CDU), Vorsitzende des Gesundheitsausschusses. Nach Aachener Erfahrungen müssten dank Tele-Notarzt nur noch in 23 Prozent der Fälle Ärzte mit zur Einsatzstelle herausfahren; vorher waren es dort 36 Prozent. So entstehe „mehr Kapazität für die wirklichen Notfälle“, erfuhr die CDU in Aachen. „Wir wünschen uns, dass auch solche neuen technologischen Möglichkeiten bei dem Gutachten für den Rettungsdienstbedarfsplan berücksichtigt werden“, sagt CDU-Fraktionschef Bernd Brandemann.

Diese Forderung fand jetzt im Gesundheitsausschuss keine Mehrheit. Während die CDU für die Erweiterung des Gutachter-Auftrags warb, zur Not auch ohne Kostenbeteiligung der Krankenkassen, riet die Kreisverwaltung, das bereits mit den Krankenkassen abgestimmte Gutachten in Auftrag zu geben und über die Digitalisierung in einem weiteren Schritt zu sprechen. Beide Positionen wurden bei Stimmengleichheit abgelehnt. Das Gutachten für den neuen Bedarfsplan wird somit erst in der März-Sitzung des Ausschusses vergeben. Der Zeitplan, bereits im September die Umsetzung der Maßnahmen einzuleiten, dürfte damit nicht mehr zu halten sein.

Die Sofortmaßnahmen

Im Sommer hatte der Kreistag den aktuellen Rettungsdienstbedarfsplan nur bis zum Jahr 2018 fortgeschrieben. Das Kernproblem: Die Kapazitäten reichen nicht mehr aus — zum einen, weil die Zahl der Notrufe steigt, zum anderen aber auch, weil der zentralisierte hausärztliche Notdienst von Hilfesuchenden offenkundig zu wenig akzeptiert wird und die deshalb im Zweifelsfall öfter den Rettungsdienst in Anspruch nehmen, statt Anfahrten und Wartezeiten zu riskieren. Mit einigen Sofortmaßnahmen hat der Kreis bereits eingegriffen:

Ein vierter Rettungswagen in Siegen und ein zweiter Rettungswagen in Wilnsdorf wurden auf einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb (168 Wochenstunden) umgestellt, in Erndtebrück wurde ein zusätzlicher Rettungswagen stationiert.
Aus Freudenberg und Burbach wurden zwei Krankentransportwagen nach Siegen verlagert, wo ohnehin die meisten Krankentransporte anfallen.

Damit sollte vermieden werden, dass Rettungswagen in Siegen mit Krankentransporten blockiert werden — was zur Folge hat, dass im Notfall Verstärkung aus Netphen geholt wird. Oft mussten auch die Siegener in Kreuztal aushelfen, wenn der dortige Rettungswagen in Wittgenstein im Einsatz ist.

Die offenen Fragen

In dem künftigen Bedarfsplan, der bis 2024 gelten soll und für den eigentlich schon in Kürze die Gutachter tätig werden sollen, geht es um mehr:

Zentrales Thema sind die Rettungswachen, ihre Standorte, ihre Ausstattung mit Fahrzeugen und mit Personal. Konkret dürfte sich Investitionsbedarf für Freudenberg und Bad Laasphe ergeben. Dass die Braas in Netphen falscher Standort für den Neubau Ende der 1990er Jahre war, sagen die Rettungsdienst-Fachleute schon lange — sie hätten ihre Basis von Anfang an lieber in Deuz gesehen. Denkbar ist auch, dass Bedarf für einen neuen Standort im Siegener Süden gesehen wird.

Die Verbindung von Rettungsdienst und hausärztlichem Notdienst: Erst im September hat sich der Gesundheitsausschuss dafür ausgesprochen, einen weiteren Anlauf für einen „Arzt in der Leitstelle“ zu probieren, der Notrufe auf Rettungsdienst und Hausärzte verteilt; dann könnten die Notrufnummern „116 117“ und „112“ zusammengeschaltet werden.

Im Raum steht der Wunsch aus der Politik, den augenärztlichen Notdienst zu verbessern.

>>>> INFO: Elf Rettungswachen in Siegen-Wittgenstein

Im Kreisgebiet gibt es elf Rettungswachen. Zehn werden vom DRK-Kreisverband im Auftrag des Kreises getragen, die in Siegen von der städtischen Feuerwehr.

In der Siegener Feuer- und Rettungswache an der Weidenauer Straße hat auch die Kreisleitstelle ihren Standort, in der der Kreis Regie führt.

  • Die Lokalredaktion Siegen ist auch auf Facebook.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik