ÖPNV

CDU will Busverkehr im Siegerland mit Familientickets retten

Ein Bus der Linie R 10 in Kreuztal:  Meist ist nun schon in Geisweid Endstation.

Ein Bus der Linie R 10 in Kreuztal: Meist ist nun schon in Geisweid Endstation.

Foto: Steffen Schwab / WP

Siegen-Wittgenstein.  Immer mehr Stimmen sehen die Zukunft des Bus-Nahverkehrs in einer Rekommunalisierung. Die CDU will am „eigenwirtschaftlichen“ ÖPNV festhalten.

Die CDU will an dem eigenwirtschaftlichen Bus-Nahverkehr, den die Verkehrsbetriebe auf eigene Rechnung erbringen, festhalten. Zur Unterstützung könne der Kreis, der bereits für alle Schüler Schülertickets kauft, ein subventioniertes Familienticket herausgeben, regte Bernd Ferger (CDU) am Donnerstag im Verkehrsausschuss an. Als Vorbild nannte Ferger die Vorlage der Olper Kreisverwaltung für den dortigen Kreistag: Es sei „beeindruckend, mit welchen Ideen die aufwarten.“

Eigenwirtschaftlich sei das dann aber nicht mehr, erwiderte Michael Sittler (SPD). „Wenn ich schon Geld ins System stecke, will ich in dem Unternehmen zumindest die Mehrheit haben.“ Sittler war nicht der einzige, der Sympathien für die Rekommunalisierungs-Variante erkennen ließ. „So geht es nicht mehr weiter“, sagte Ralf Knocke (Linke), „sonst fährt die ganze Sache vor die Wand.“ Der Ende August eingeführte Baustellenfahrplan mit der Trennung der Linie R 10 in Geisweid überzeuge wenig – schließlich gebe es, wie später auch Thomas Hartmann (fraktionslos) feststellte, zwischen Eiserfeld und Littfeld keine Baustellen, die Staus verursachen. Ralf Knocke: „Die Bürger haben einen richtig dicken Hals.“

Bei der FDP habe „ein Umdenken in Richtung Kommunalisierung angefangen“, berichtete deren Fraktionschef Guido Müller. Die Subventionierung durch massenhaften Fahrkartenkauf nutze nichts, wenn die Busse nicht führen, weil es keine Fahrer gebe. „Jeder Gabelstaplerfahrer verdient mehr.“

Thomas Hartmann (fraktionslos) erinnerte daran, dass der Kreis beim Wettbewerb um die Linienbündel die Entlohnung der Fahrer ausdrücklich nicht in die Bedingungen aufgenommen habe. „Dieser komische Aufruf“ – gemeint ist die Werbekampagne für den Beruf des Busfahrers – sei keine Lösung. „Plakate, die in Bussen hängen, die eh nicht fahren, bringen nichts“, pflichtete Guido Müller bei.

SPD drückt aufs Tempo

„Der Fehler ist 2008 gemacht worden“, spielte Ulrich Haas (SPD) auf den Verkauf der bis dahin kreiseigenen VWS an. Als „unredlich“ bezeichnete Vorsitzender André Jung (CDU) diesen Einwurf: „Irgendwann muss man damit seinen Frieden machen.“

Michael Sittler (SPD) drängte darauf, dass die Verwaltung ihre Studie zu einer möglichen Rekommunalisierung vorlegt: „Anfang 2020 müssen wir das wissen.“ „Entscheidend“, so FDP-Fraktionschef Guido Müller, sei ein Beschluss noch in dieser Wahlperiode des Kreistags – gewählt wird im September 2020. Ein Runder Tisch zum Thema findet am 28. Oktober beim Zweckverband Personennahverkehr (ZWS) statt. Dort, so ZWS-Geschäftsführer Günter Padt, kommen Beirat, Fraktionsvorsitzende und Vertreter der Verkehrsunternehmen zusammen. Ab 15. Januar soll wieder der reguläre Fahrplan anstelle des „Baustellenfahrplans gelten. Wenn die VWS den dann immer noch nicht bedienen könne, so warnte SPD-Fraktionschef Sittler, „haben wir eine Riesenbaustelle.“

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