Kunst

Dänische Stickkunst im Siegerlandmuseum

Annette Rubertus zeigt ein altes Hochzeitskleid. An der Wand ihre Collage mit Stick-Techniken.

Annette Rubertus zeigt ein altes Hochzeitskleid. An der Wand ihre Collage mit Stick-Techniken.

Foto: Wolfgang Leipold

Siegen.  Annette Rubertus zog von Seeland ins Siegerland. Ihre Stick-Leidenschaft brachte sie mit. Nun zeigt sie dänische Stickkunst im Siegerlandmuseum.

Annette Rubertus stellt im Siegerlandmuseum traditionelle dänische Stickerei-Kostbarkeiten und auch eigene Stickkunst aus. „Das Ambiente spielt für mich eine besondere Rolle“, sagt Annette Rubertus und meint damit den höchstgelegenen Ausstellungsraum des Siegerlandmuseums. Den könne sie von ihrer Wohnung Am Stadtwald sehen.

Die ältesten Kunstwerke stammen aus dem 19. Jahrhundert

Die Wände des Raums sind geschmückt mit Beispielen außergewöhnlicher Stickkunst, die im alten Dänemark und auch heute noch eine große Bedeutung hat. Die ältesten Kunstwerke stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert von der Insel Seeland mit den Städten Kopenhagen und Roskilde. Die Jahreszahlen 1808 und 1828 sind gut lesbar eingestickt. Seeland ist die Heimat von Annette Rubertus, die, wie sie sagt „nach einem Zigeunerleben“ schließlich 1980 im Siegerland eine neue Heimat fand.

Die Stick-Leidenschaft brachte sie mit. Schließlich hatte sie schon mit drei Jahren eine Mütze gestickt und ebenso die Kleider für ihre Puppen. Die im Siegerlandmuseum ausgestellte Sammlung altdänischer Stickkunst bekam sie als Teenager geschenkt. 40 Jahre lang wurden die Kunstwerke im Museum Kopenhagen gezeigt und jetzt, dank Ursula Blanchebarbe, auch in Siegen. Es sind schlichte, einfache, oft geometrische Motive und die Ergebnisse monatelanger Arbeit. Oft als Schmuck für Betten oder als Tischdecke gedacht, die nur an besonderen Feiertagen präsentiert wurde.

Stickanleitungen auf Dänisch sind anschaulich illustriert

Einigen der bestickten Leinentücher sieht man jedoch an, dass sie irgendwann abgeschnitten oder nicht fachgerecht geflickt wurden. Zwei Beispiele ihrer eigenen Stickkunst sind auch zu sehen. Ein Vorhang mit botanischen Motiven und eine Collage, auf der alle Sticktechniken zu sehen sind. Direkt daneben die mehr als 100 Jahre alte handgeschriebene Anleitung einer besonderen Sticktechnik. Alles auf Dänisch, aber so anschaulich illustriert, dass man sie auch heute noch als Anleitung zum Sticken benutzen könnte.

Besonders beeindruckende Teile der Ausstellung sind Kleidungsstücke. Festtagskleider für Frauen und ein Männerhemd. Das stickte die Verlobte für ihren Bräutigam. Erst wenn es fertig war, konnte geheiratet werden. Erkaltete die Liebe irgendwann, so ist zu vermuten, dass sich die Fertigstellung des Hemdes sehr in die Länge zog. Doch trug es der Bräutigam bei der Hochzeit, wurde es am Ende seines Lebens auch das Totenhemd.

Annette Rubertus sagt: „Ich empfehle gestressten Menschen zu sticken. Sticken erfordert das, was unsere Welt heute braucht: Geduld.“

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Stickunterricht für Anfänger und Fortgeschrittene: 3. September von 10 bis 13 Uhr und 5. September von 14 bis 17 Uhr; Kosten je 20 Euro. Termin für Kinder: 7. September von 10.30 bis 12 Uhr, kostenfrei dank „Inner Wheel Club Siegen. Anmeldungen: und siegerlandmuseum@siegen.de. Die Ausstellung wird am Sonntag, 25. August, um 11 Uhr eröffnet. Die Einführung wird die Kunsthistorikerin Susanne Kern-Terheyden geben. Die Ausstellung dauert bis zum 6. Oktober.

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