Inklusion

Das Haus Burgweg in Burbach setzt sich für Inklusion ein

Eine bunte Runde: Neben den ehrenamtlichen Helfern stehen die Rollstühle der Bewohner. Bei einer großen Runde am Tisch werden alltägliche Dinge wie der Arztbesuch besprochen oder Pilze gemalt.

Foto: Saskia Krauskopf

Eine bunte Runde: Neben den ehrenamtlichen Helfern stehen die Rollstühle der Bewohner. Bei einer großen Runde am Tisch werden alltägliche Dinge wie der Arztbesuch besprochen oder Pilze gemalt. Foto: Saskia Krauskopf

Burbach.   Eingliederungshilfe verschafft Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderungen den Einstieg in einen angenehmen Alltag.

Haus Burgweg, mitten in Burbach in einer Seitenstraße. Der Eingangsbereich erinnert an ein Krankenhaus, etwas steril, künstliches Licht. Das Haus wurde früher als Mutter-Kind-Kurklinik genutzt. Das erklärt den ersten Eindruck. Einen Blick nach links: offene, helle Räume mit viel Platz für Spiele und Musikinstrumente. Eine Tür weiter sitzt eine kleine Gruppe von Ehrenämtlern und Menschen mit Behinderung am Tisch, sie bemalen Stoffe mit Pilzstempeln.

Die Menschen lachen, unterhalten sich ausgiebig über Arztbesuche, die Jüngsten erzählen von der Schule. Es wirkt alles friedlich und unbeschwert. Doch nicht alle in diesem Raum haben es leicht. Das Haus Burgweg: Ein Ort zwischen Freude und Trauer.

Das Haus

Das Haus wurde 2013 von der Stiftung Bethel übernommen, für rund 2,5 Millionen Euro barrierefrei umgebaut und saniert. „Eigentlich war die Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen gedacht, allerdings hat sich das im Lauf der letzten Jahre geändert“, so Volker Reichmann, Betriebsleiter und Diplom-Psychologe. Denn die Anschlussplätze fehlen. „Wir können und wollen keinen Bewohner aufgrund seiner Volljährigkeit aus dem Haus weisen. Darum bleiben sie hier“, ergänzt der Pädagoge. Die älteste Bewohnerin ist bereits 42 Jahre alt. „Wir sind keine Pflegeeinrichtung, sondern eine Eingliederungshilfe. Natürlich kümmern wir uns um die Bewohner, doch primär sind wir für soziale Kontakte, Normalisierung und Entwicklung einer Selbstständigkeit wichtig.“

Die Bewohner

27 Menschen mit Behinderung leben in der Einrichtung. Der Jüngste ist acht Jahre. Die Bewohner haben geistige, seelische oder körperliche Handicaps, einige komplexe Mehrfachbehinderungen. Überall stehen Rollstühle. Mechthild Jung und Heike Löcker arbeiten im Haus. Löckers Tochter lebt im Haus Bethel. „Es ist schön, die Kinder lachen zu sehen“, sagt Mechthild Jung. Im Spieleraum toben Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten. „Ich bin ein DJ, das hier ist mein Schloss. Du kommst nur hier rein, wenn du dich vor mich verbeugst“, sagt einer der älteren Jungs. Er rappt ein paar Strophen und wendet sich dann wieder dem Bällebad zu.

Die 16 männlichen und elf weiblichen Bewohner leben in vier Wohngruppen, ihrem Alter entsprechend. Die Kinder und Jugendlichen fahren jeden Morgen mit einem Bus der AWO in ihre Schulen. „Das hängt vom Gesundheitszustand ab“, so Volker Reichmann. Denn manche seien schlicht zu krank, um zur Schule zu gehen. „Doch sie haben die Möglichkeit hier im Haus einzeln unterrichtet zu werden.“

Die Älteren können in einer AWO-Werkstatt eine Ausbildung machen. „Vor allem Menschen mit Behinderungen brauchen eine Aufgabe“, sagt der Bereichsleiter.

Das Programm

„Wir können keinen einheitlichen Plan für alle Bewohner aufstellen. Jeder ist anders und jeder hat andere Bedürfnisse“, sagt Volker Reichmann. Die Pläne seien individuell und auf den jeweiligen Bewohner passend zugeschnitten. „Nur so können wir jeden pädagogisch und sinnvoll betreuen“, sagt er. Außerdem stellen die rund 80 Mitarbeiter des Hauses verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um die Freizeit auch sinnvoll zu planen. „Die Kinder können mit uns in die Eisdiele, auf dem eigenen Spielplatz spielen oder einfach mit einem von uns die Zeit verbringen“, sagt der Bereichsleiter. Auch Ausflüge wie in das Musical Starlight Express oder in den Panoramapark werden mit den Behinderten gemacht.

Der Tagesablauf für jeden Bewohner unterschiedlich. „Jeder ist anders. Manche gehen nach der Schule oder der Werkstatt direkt auf ihr Zimmer. Andere setzen sich in ihrer Wohngruppe zusammen und reden über den Tag“, sagt Reichmann. Der Gemeinschaftsraum ist lichtdurchflutet, selbstgemalte Bilder hängen an den Wänden. Es gibt eine Kuschelecke mit Decken, einem Fernseher und Kissen. Gemütlich soll es sein. Aber auch Trauer ist ein Thema in den Gesprächen. „Manche der Bewohner werden ihre gesamte restliche Lebenszeit im Haus Burgweg verbringen“, sagt Reichmann. Manchen Bewohnern und vor allem ihren Eltern fällt es schwer, das zu verkraften.

Die Inklusion

„Inklusion beginnt vor der Haustür.“ Die Einrichtung bietet jeden Dienstag einen Tag der offenen Tür, damit Außenstehende und Ehrenamtler sich mit den Bewohnern beschäftigen und mit ihnen etwas unternehmen können. „Wir schenken ihnen unsere Zeit“, sagt Reichmann. Die Gemeinde Burbach und die Stiftung Bethel haben gemeinsam ein Konzept entwickelt, um die Bürger und Menschen mit Behinderung zusammenzubringen.

Auf dem Gelände des Hauses soll ein Ort der Begegnung entstehen, der „Treffpunkt Leben“. „Hier können die Menschen aus Burbach Kontakt zu unseren Bewohnern herstellen, mit ihnen Zeit verbringen und sich näher kennenlernen“, sagt Volker Reichmann. Denn das Tor zu dem Spielplatz soll öffentlich zugänglich sein.

>>>> INFO: Förderverein Kinderzuhause Burbach unterstützt

Der Förderverein sammelt Spenden, um anfallende Kosten des Hauses Burgweg zu decken. Außerdem wird das Geld für die Optimierung von Rollstühlen oder Gruppen- und Einzeltherapien genutzt. Durch Spenden und Sponsoring kaufte der Verein einen Sprinter mit hydraulischer Rampe. Zwei Teilzeitkräfte, regelmäßige Supervision der pflegenden und betreuenden Fachkräfte werden vom Kinderzuhause finanziert. Ein Elternteil eines Bewohners ist im Vorstand des Fördervereins.

Die Stiftung Bethel möchte zwei neue Einrichtungen in Siegen und Freudenberg bis 2018 einrichten, in denen Bewohner ab 18 Jahren leben können. „Wir stellen es unseren Bewohnern zur Wahl, ob sie umziehen oder bei uns bleiben möchten. Denn rausschmeißen tun wir niemanden“, sagt Volker Reichmann.

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