Film

„Das letzte Land“: Science-Fiction-Film aus dem Siegerland

Siegen.   Filmemacher Marcel Barion und seine Crew stellen No-Budget-Filmprojekt mit professionellem Anspruch fertig. Premiere bei Max-Ophüls-Festival.

Jahrelanges Tüfteln, Schrauben, Filmen hat ein Ende, der Film ist fertig. „Das letzte Land“ erscheint Dienstag, 15. Januar, (siehe Infobox), ein Science-Fiction-Film ohne Studio, ohne Filmförderung, ohne Profis. Ein Team von Filmenthusiasten um Regisseur Marcel Barion hat in ungezählten Arbeitsstunden quasi aus dem Nichts einen abendfüllenden Spielfilm geschaffen, der keine 20.000 Euro gekostet hat. Und der nach Profis aussieht. „Prädikat: Fesselnd“, urteilt die ARD.

Der Film

„Das letzte Land“ handelt von zwei Gesetzlosen, die in einem kleinen, alten Raumschiff von einem öden Planeten flüchten und im Weltall nach einem besseren Ort suchen. Die Atmosphäre ist beklemmend, eng, die Zukunft ungewiss, die Raumfahrer stranden an immer neuen Orten, permanent Stress und Gefahr. Es ist mehr geworden als nur zwei Leute in einem Raumschiff: Ein Kammerspiel, eine Charakterstudie. Die Macher haben aus ihrer Vision Realität gemacht. „Das Raumschiff ist etwas sauberer geworden als in meiner Vorstellung damals“, sagt Marcel Barion grinsend. „Das war noch viel dreckiger.“

Die Filmemacher

„Das letzte Land“ ist ein Kumpel-Projekt. Sie kennen sich aus dem Studium, der Schule, über Bekannte oder haben über den Film zusammengefunden. Regisseur Barion ist Kulturwissenschaftler an der Uni Siegen, hat im Studium viel gelernt über Bildkomposition, Farblehre, Spannungsaufbau. Aber dann mit der Kamera arbeiten, Schauspieler leiten, visuelle und akustische Effekte entwickeln – „das mussten wir rausfinden. Durch machen“, sagt er.

Co-Regisseur und Organisator ist Johannes Bade, Softwareentwickler, „in seiner Freizeit braut er Bier und hat sich angelesen, wie man Möbel aus Beton baut“, sagt Barion. Schreinermeister Massimo Müller hat im Sommer ein Baumhaus in fünf Metern Höhe errichtet – ein Haus, keine Hütte, „keiner weiß, wie er das gemacht hat.“ Philipp Bojahr, für Elektronik zuständig, habe mal einen kleinen Toyota Aigo so umgebaut, dass er wie ein Aston Marton aussieht. Erfinder und Tüftler, genau die richtigen Leute für einen Film, der wenig kosten, aber nach viel aussehen soll.

Die Idee

Die Idee zum Film ist fast zehn Jahre alt. Johannes Bade und Marcel Barion sind Filmfans, schon immer, drehten kleinere Szenen. Ihr Traum: Ein Science-Fiction-Film, ohne großes Budget, aber mit Anspruch. Ein Film für ein breites Publikum. Science-Fiction braucht aufwendige Kulissen und Ausstattung, damit es gut wirkt. Das ist teuer und bietet sich für einen Film, der wenig kosten soll, eigentlich nicht an. „Ein Film, der in der normalen Welt spielt, ist direkt viel billiger“, erklärt Barion.

Wenn es unbedingt Science Fiction sein soll: „Der Ausweg ist oft Trash“, sagt Barion. Keine Option. Wie also macht man Science-Fiction ohne Budget so, dass es gut aussieht? Mit nur einer Kulisse, zwei Personen in einem Raumschiff, gutem Team und guten Ideen. „Das letzte Land“ ist von vorn herein so angelegt, dass man ihn mit begrenzten Mitteln auch umsetzen konnte – und professionellen Ansprüchen genügt. Barion: „Wenn wir uns erst etwas vorstellen, das umsetzen und dann merken, es klappt nicht ...“

Die Dreharbeiten

Die heiße Phase begann ab 2012. Das Team richtete sich in einer leeren Halle ein, entwickelte und baute das Raumschiff, innen und außen. Teile von Modellbausätzen wurden mit Computerplatinen zusammenmontiert, Staubsaugerschläuche, Kühlschrank- und Waschmaschinenteile an die Wände geschraubt. „Wir wollten eine offene technische Oberfläche – wie im Millennium Falcon“, erklärt Barion. Sie schauten sich viele Making-Ofs von Filmen an, um sich Anregungen zu holen, wie man Effekte hinbekommt. Experimentierten viel. „Manches wird besser, wenn man es immer wieder macht und aus den Fehlern lernt“, sagt Barion.

Das professionelle Filmemachen haben sie sich quasi selbst beigebracht. „Alle Einzelaufnahmen sind echt, wir haben keine Bilder am Computer neu generiert“, betont er. Das Weltall zum Beispiel, durch den das Raumschiff schwebt: Schwarze Pappe mit Löchern, von hinten beleuchtet und Farbe im Aquarium, geschickt beleuchtet und gefilmt. Eine Felswüste ist eigentlich ein von hinten angestrahlter Pfannkuchen. Im Computer wurde das dann verschmolzen. Barion hat Schnitt und Postproduktion verantwortet, „dem Film seine Seele gegeben“, nennt er das. Szenen montieren, Bildbearbeitung, Farben aufeinander abstimmen.

Auch die Geräusche hat er überwiegend zu Hause produziert und aufgenommen, Filmkomponist Oliver Kranz half dabei, damit das Ganze die gewünschten Effekte erzielt. Wenn sich die Schauspieler bewegen, knittert in Wahrheit Marcel Barion einen alten Rucksack. Die Geräusche der technischen Geräte entstanden teils in einer Arztpraxis, auf einer alten Nähmaschine oder ist das Surren der Ölheizung. Das alles muss unterschiedlich abgemischt werden, denn die Geräusche klingen ja anders, wenn sich die Protagonisten im Raumschiff bewegen. „Im Cockpit ist es mehr ein Flirren, im Maschinenraum wird es dumpfer“, sagt Barion.

Die Schauspieler Milan Pešl und Torben Föllmer kamen ans Set, um ihre Szenen zu drehen, zwischendurch gab es eine Crowd­funding-Kampagne, um die Materialkosten decken zu können, für Kulisse und Equipment. 8500 Euro brauchte das Team, 13.500 kamen zusammen.

Kurz vor Ende ist alles da: Bilder, Töne, Musik. Barion bringt alles zusammen, setzt es ins Verhältnis, korrigiert Kleinigkeiten. Das Team bewirbt sich mit Vorab-Versionen bei Festivals. „Sieben Amateure aus Siegen – lauter Absagen“, sagt Barion und grinst. Bis das Max-Ophüls-Festival zusagt, den Film zu zeigen. Marcel Barion hofft, dass das der Türöffner für weitere Spielorte ist.

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