Lyz

Helen Schneider in Siegen: Das Singen ist ihre Therapie

Helen Schneider und Gitarrist Jo Ambros tragen im Siegener Lyz Lieder von Schneiders neuem Album „Movin’ on“ vor: Songs, die auch einen Teil des bewegten Lebens der gebürtigen New Yorkerin beschreiben.   

Foto: Wolfgang Leipold

Helen Schneider und Gitarrist Jo Ambros tragen im Siegener Lyz Lieder von Schneiders neuem Album „Movin’ on“ vor: Songs, die auch einen Teil des bewegten Lebens der gebürtigen New Yorkerin beschreiben.   Foto: Wolfgang Leipold

Siegen.   Helen Schneider singt im Lyz Lieder von ihrem neuesten Album „Movin’ On“. Ein emotionaler, trauriger, kraftvoller Abend.

Schauspielerin, Autorin eines Kinderbuchs, Sängerin von Jazz über Kurt Weill bis zur Oper, musikalische Partnerin von Hildegard Knef über Udo Lindenberg, Gunther Gabriel und Till Brönner bis zu Andrea Bocelli. Als Darstellerin von Evita Peron, Frida Kahlo, Mrs. Robinson und June Carter, der Ehefrau von Jonny Cash, in Musicals auf Festivals von Recklinghausen bis Bad Hersfeld. Auf sehr großen Bühnen genauso zu Hause wie auf einer ganz kleinen: dem Siegener Lyz.

Dort nimmt Helen Schneider vom ersten Takt an das Publikum für sich und ihre Songs ein. Und erzählt von der Entstehung ihrer letzten CD „Movin’ On“, deren zehn Titel sie in den Mittelpunkt ihres Konzerts in Siegen setzt. Ihre Freundin und Kollegin Linda Uruburu hat die Texte geschrieben und Jo Ambros, ihr kongenialer Partner an der Gitarre, die Musik dazu komponiert. Lieder, die auch einen Teil des bewegten Lebens der gebürtigen New Yorkerin beschreiben, die zu ihren silbernen Haaren steht und ihre Lebensjahre nicht verschweigt: Sie wird noch in diesem Jahr, am Tag vor Heiligabend, ihren 65. Geburtstag feiern. Ihr Alter, das gelebte Leben, die schmerzlichen Verluste, aber am Ende auch die Freude auf die Zukunft ziehen sich wie ein roter Faden durch den Abend.

Sichtlich bewegt

Man spürt: In Teilen sind die Songs für Helen Schneider fast therapeutisch. Wenn sie über ihre kleinen Depressionen und die Verluste der Menschen singt, die ihr am meisten bedeutet haben: Ihren Partner, der sie 40 Jahre lang durch ihr Leben begleitet hat. Und ihren Vater, ein Wissenschaftler, der ihr wichtigster Berater und größter Fan war und mit dem sie in ihren (teilweise etwas zu langen) Moderationen oft den Begriff „Weisheit“ verbindet.

Ihnen widmet Helen Schneider die emotionalsten, traurigsten, gleichzeitig aber auch kraftvollsten Lieder: „In meinen dunkelsten Tagen bist du immer ein Teil von mir.“ Sehnsuchtsvoll klagend auch „So far from home“, die Erinnerung an ihre Heimat Neuengland, die sie im Alter von 17 Jahren verlassen hat. Das Lied macht ihr, die seit etwa zehn Jahren in Berlin lebt, sichtlich zu schaffen. Ohnehin fast zerbrechlich wirkend muss sie für einen Moment schlucken.

Gitarrist für alle Fälle

Doch Helen Schneider hat mit Jo Ambros einen Partner an ihrer Seite, der sich als Mann für alle Fälle erweist: Als ruhender Pol des Duos, Helfer in der Not, wenn sie einmal die richtigen deutschen Vokabeln nicht findet – und vor allem mit seiner Gitarre und teilweise auch Mitsänger als unaufdringlicher, aber umso wichtigerer Begleiter und Taktgeber.

Fast zwei Stunden lang entlockt Helen Schneider ihrer Stimme jede nur denkbare Nuance. Manchmal sanft, nachdenklich, dann wieder voller Emotionen wechselt sie mühelos zwischen Brust- und Kopfstimme, zwischen weichen Alt-Tönen und einem reifen Sopran. Und nach dem unvermeidlichen Ausflug in die aktuelle amerikanische Politik („George Bush war ein „A…“, aber heute vermisse ich ihn“) swingt sie nach Herzenslust und fügt eine Prise Erotik hinzu, Mrs. Robinson lässt grüßen. „Wir hatten einen tollen Abend zusammen“, sagt Helen Schneider zum Publikum. Dessen Dank ist mindestens ebenso herzlich.

  • Die Lokalredaktion Siegen ist auch auf Facebook

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik