Kleinkunst

„Dead or Alive“-Poetry Slam im Siegener Apollo-Theater

Theresa Sperling

Theresa Sperling

Foto: Antonia Jost

Siegen.   Bei ungewöhnlichem Format messen sich lebende Slammer mit toten Literaten in Sachen Wortakrobatik und Lyrik. Die Siegerin heißt Theresa Sperling.

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Eine ganz besondere Spielart des Poetry Slams: Im „Dead or Alive“-Slam sind am Samstagabend im Apollo-Theater Wortakrobaten gegen berühmte – tote – Schriftsteller angetreten, die von Schauspielern verkörpert wurden.


So funktioniert’s: Die Spielregeln sind die gleichen wie beim normalen Slam auch, erklärt Moderator Olaf Neopan Schwanke: In der ersten Runde treten alle Teilnehmer an, eine Jury bewertet die Auftritte auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (herausragend). Immer abwechselnd präsentieren an diesem Abend die „lebenden“ Slammer und die „toten“ Schriftsteller ihre Werke. Dabei steigen die „Toten“ stilecht aus einer Gruft auf die Bühne.

Die machen mit: Auf beiden Seiten sind bekannte Namen dabei: Johann Wolfgang von Goethe als wohl bekanntester deutscher Dichter wird verkörpert vom Kölner Schauspieler Thomas Schrage, während auf der Seite der „Lebendigen“ Theresa Sperling und Daniel Wagner bekannte Vertreter der Szene sind.

So kommt’s an: Tendenziell lassen sich die Zuschauer mehr für moderne Texte begeistern als für die sehr unterschiedlich, aber immer authentisch und passioniert dargestellten verstorbenen Schriftsteller und ihre Stücke.

Vielleicht hat der „Zauberlehrling“ mit der Zeit an Überzeugungskraft verloren, denn die Darstellung von Thomas Schrage als Lehrling und Hexenmeister ist zwar schauspielerisch solide, die Besucher reagieren aber eher verhalten auf die Interpretation von des Werks von Johann Wolfgang von Goethe.

Da können die Slammer durchaus mehr von sich überzeugen: Daniel Wagner begeistert das Publikum mit einem Liebesbrief an seine Traumfrau in „atomarer“ Sprache und einem Text, der die Vorliebe für Käse und die Abneigung gegen Fleischprodukte in wortakrobatischen Gebilden als Synonym für Pegida und Co vorstellt und am Ende eindeutig wird: „Dieser Text hat nur eine Botschaft – Dass Faschismus immer Käse ist“.

Auch Theresa Sperling befasst sich mit einer ähnlichen Thematik: Ihr zweiter Beitrag mit dem Titel „Amelia“ erzählt in ausgewählten Sprachbildern von einem Flüchtlingskind, dessen Entwicklung sie für kurze Zeit mitverfolgen durfte: „Sie knüpft aus Buchstabenmaschen feine Fallnetze, damit sie nicht noch tiefer fällt“. Ebenso wie ihr erster Text „Sezierung“ trifft sie mit ihrer schnellen und fast schon unbarmherzigen Art, die Dinge nicht nur beim Namen zu nennen, sondern tiefer zu gehen, den Nerv der Zuschauer und erhält 48 von 50 möglichen Punkten.

Eine Kombination aus Slam und Schauspiel präsentiert Wehwalt Koslovsky als der deutsche Dichter Friedrich Rückert. Der Hamburger hat in der Vergangenheit bereits einige Slams für sich entschieden und schafft es auch dieses Mal gemeinsam mit Theresa Sperling ins Finale. Hier bestimmen die Zuschauer durch Applausstärke den Sieger.

So geht’s aus: Am Ende überzeugt Theresa Sperling. Ihre Texte „Ludwigs Blumen“ und „Was ich meinen Söhnen nie sagen würde“ trägt sie nicht weniger fulminant vor als die ersten beiden Beiträge und erzählt darin von Mut und Zivilcourage, der bitteren Wahrheit der ersten Liebe und davon, warum es manchmal besser ist, wenn die eigenen Kindern nicht schonungslos mit der Realität konfrontiert werden.

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