Garten

Der Schnitt macht’s: Obstbäume richtig präparieren

Mit der Astschere bearbeitet Heinrich Bruch den Apfelbaum, der bald seit 30 Jahren in seinem Garten steht. Damit der Baum im Herbst reichlich Äpfel trägt, ist ein richtiger Schnitt gefordert.

Mit der Astschere bearbeitet Heinrich Bruch den Apfelbaum, der bald seit 30 Jahren in seinem Garten steht. Damit der Baum im Herbst reichlich Äpfel trägt, ist ein richtiger Schnitt gefordert.

Foto: Fabiana Regino

Irmgarteichen.   Wer viele leckere Früchte aus dem eigenen Garten ernten will, sollte jetzt Hand anlegen. Gartenexperte Heinrich Bruch verrät worauf es ankommt.

Brummende Insekten fliegen den Garten von Hobbygärtner Heinrich Bruch ab. Sie suchen sich ein Plätzchen an den gelb leuchtenden Trompetenblumen. Denn noch gibt es nicht viele bunte Blüten, die sie ansteuern können. Vor allem die Bäume und Büsche sehen recht karg aus, doch das soll sich bald ändern.

Äpfel, Johannisbeeren oder Rosen: Die am Hang gelegene Fläche eröffnet viele Gestaltungsmöglichkeiten. Heinrich Bruch weiß, worauf es jetzt im Garten ankommt, damit seine Pflanzen bald auch Früchte tragen: Auf den richtigen Schnitt kommt es an.

Vorbereitung

Damit es losgehen kann, braucht der Hobbygärtner das richtige Werkzeug. Heinrich Bruch benutzt vor allem eine einschneidige Leichtmetallschere, eine Bügelsäge mit verstellbarem Blatt und ein Messer mit gebogener Klinge. „Praxis ist hier ganz wichtig“, weiß der Gartenexperte.

Daher empfehle er einen Kurs bei einem Gartenbauverein oder einer Volkshochschule zu besuchen, bevor man im heimischen Garten wild drauflos schneide. Buchwissen sei zwar hilfreich, aber nicht ausreichend für einen gelungenen Pflanzenschnitt.

Kernobstbäume

Eine Faustregel beim Pflanzschnitt (Schnittmaßnahmen an jungen Pflanzen) sei: Stark wachsende Bäume schwach schneiden, schwach wachsende Bäume stark schneiden. „Der richtige Schnitt ist die halbe Miete für wünschenswerte Obsterträge“, sagt der Experte. Bei Kernobstbäumen, wie dem Apfelbaum, sucht Heinrich Bruch sich zunächst drei Leittriebe und den Mitteltrieb aus.

Zu den Leittrieben zählen die dickeren, seitlich wachsenden Äste. Der Mitteltrieb ist sozusagen die Verlängerung des Baumstamms und wächst normalerweise am stärksten. Beide möchte er kürzen. „Geschnitten wird immer über einer nach außen gerichteten Knospe“, erklärt Bruch.

Die übrigen Triebe werden bei jungen Bäumen komplett entfernt. Das wirke vielleicht radikal, aber damit fördere man einen straffen Kronenaufbau des Baums und das Dickenwachstum der Äste, so Bruch. Die Leitäste sollen dabei einen Winkel von ungefähr 45 Grad nach oben vom Stamm aus einhalten.

Überwachungsschnitt

Ist ein Baum oder freistehender Busch älter als sechs Jahre, verändert sich die Struktur der Krone normalerweise nur noch wenig. Ab diesem Zeitpunkt werde der sogenannte Überwachungsschnitt angewendet.
Bei dieser Schnittmaßnahme stehen Äste, die Früchte tragen, herabhängen und älter als drei Jahre sind, im Blickpunkt.

Diese müssen komplett entfernt werden. Im oberen Teil der Baumkrone müssen zu dicht beieinander wachsende Zweige beseitigt werden, sodass die Krone nach dem Schnitt eher locker aufgebaut ist. „Bei älteren Bäumen reicht es absolut aus, wenn man diese alle drei bis fünf Jahre stutzt“, ergänzt Heinrich Bruch.

Beeren

Beerensträucher, wie die schwarzen und roten Johannisbeeren-sträucher in Bruchs Garten seien häufig die fleißigsten Obstlieferanten, sagt der Hobbygärtner. „Dabei lassen sich Qualität und Quantität durch sachgemäßes Schneiden steigern.“ Bei Johannisbeeren komme es darauf an, dass frisch gesetzte Sträucher geschnitten werden, um den Austrieb zu fördern. Wichtig dabei: „Man lässt dem Strauch etwa fünf bis sieben starke Triebe und kürzt diese um die Hälfte.“

Bei Himbeeren lautet die Faustregel: Zweige auf 40 bis 50 Zentimeter über dem Boden zurückschneiden. „Dadurch wird das Anwachsen gefördert und der Austrieb der Knospen angeregt.“

Krankheitsrisiko

Etwas, das oft unterschätzt oder gar nicht erst erkannt wird, sei der Pilzbefall. „Teilweise werden solche befallenen Pflanzen dann von Gartencentern noch zu einem reduzierten Preis verkauft“, weiß Heinrich Bruch. Viele Menschen würden die Symptome nicht erkennen und die erkrankte Pflanze mit nach Hause nehmen.

So würden auch alle anderen Pflanzen dem Risiko ausgesetzt werden, an dem Pilz zu erkranken. „Da reicht schon ein falscher Windzug und die Pilzsporen breiten sich auf den umliegenden Pflanzen aus.“ Entstehen kann so ein Pilz auch durch zu dicht bewachsene Baumkronen. „Obstbaumschnitt ist also auch eine Art vorbeugender Pflanzenschutz.“

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