Sommerferien

Deutsch lernen in Siegen: Die Wörter sind besonders beliebt

| Lesedauer: 4 Minuten
Im Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung feiern Schülerinnen und Schüler aus sechs Klassen den Abschluss des Sommerferiensprachkurses gemeinsam mit ihren Lehrkräften. V.l.n.r.: Jessie Fritsche, Katharina Schnirpel (beide Dozentinnen eines A1-Kurses), Jana, Anastasiia, Gunda Heck (Dozentin eines A2-Kurses), Nikita und Vladislav.

Im Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung feiern Schülerinnen und Schüler aus sechs Klassen den Abschluss des Sommerferiensprachkurses gemeinsam mit ihren Lehrkräften. V.l.n.r.: Jessie Fritsche, Katharina Schnirpel (beide Dozentinnen eines A1-Kurses), Jana, Anastasiia, Gunda Heck (Dozentin eines A2-Kurses), Nikita und Vladislav.

Foto: Kreis Siegen-Wittgenstein

Siegen.  Im Deutschsprachkurs in Siegen lernen die Teilnehmer Deutsch. Viele von ihnen kommen aus der Ukraine. Die Begeisterung für die Sprache ist groß.

„Lepeschka ist ein Weißbrot. Man hat es immer im Haus, falls Gäste vorbeikommen. Man serviert es mit grünem Tee“, erzählt Jana. Die 33-Jährige stammt aus Usbekistan, lebt aber seit zwei Jahren in Siegen. Damit gehört sie zu denen, die am besten Deutsch sprechen im Sommerferiensprachkurs, den das Kommunale Integrationszentrum des Kreises Siegen-Wittgenstein zum mittlerweile siebten Mal organisiert hat und der nun zu Ende geht.

Sprachkurs-Teilnehmer in Siegen: „Ich liebe Deutsch“

Das Wort „Gastfreundschaft“ kannte Jana noch nicht. Als man es ihr erklärt, meint sie, dass es da keinen großen Unterschied zwischen Usbeken und Deutschen gebe. „Aber in Usbekistan sitzen alle an einem großen runden Tisch. In Deutschland stehen auf Festen oft alle in kleinen Gruppen verteilt zusammen.“ Jana ist eine von 87 Schülerinnen und Schülern, die am Sommerferienkurs teilgenommen haben. Vier Tage pro Woche, drei Wochen lang hat sie wertvolle Deutschkenntnisse auf dem Grundlagen-Niveau A2 erworben.

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Genauso wie Nikita aus der Ukraine. „Ich liebe Deutsch“, sagt der 15-Jährige. „‚Schlafen‘, ‚essen‘, ‚Katze‘ – das sind schöne Wörter! Mein Vater spricht sehr gutes Deutsch und ich würde es gerne einmal so sprechen wie er.“ Nikitas Vater ist mit ihm vor vier Monaten nach Siegen geflüchtet. Sein Bruder ist in der Ukraine geblieben. Die Familie steht in Kontakt über den Messengerdienst Telegram. Über 90 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Sommerferienkurses stammen aus der Ukraine. Auch Anastasiia, die jetzt in Geisweid wohnt. „Ich möchte dauerhaft in Deutschland bleiben“, sagt die 16-Jährige und dann weiter auf Englisch: „Ich lebe hier mit meiner Tante. Meine Eltern sind in Cherson. Es ist schwer den Kontakt zu ihnen aufrechtzuerhalten.“

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Der Ukraine-Krieg ist ein unausweichliches Thema im Sommerferienkurs. Das ist auch Dozentin Gunda Heck bewusst. „Ich liebe die Ukraine und ich liebe auch Russland, weil ich in Zeiten der Sowjetunion in Odessa Russisch studiert habe. Aber ich spreche kein Ukrainisch.“ Deswegen habe sie die Kursteilnehmer frei heraus gefragt: „Darf ich zwischendurch auch Russisch mit euch sprechen?“ Gunda Heck betont: „Die Sprache war eine wichtige Brücke, um die Lernenden abzuholen, zu erreichen, ihnen vieles erklären zu können. Deshalb merke ich auch, wie groß das Leid und der Hass gerade angesichts des Ukraine-Kriegs ist. Es ist ein sensibles Thema.“

Deutsch lernen in den Sommerferien mit abwechslungsreichem Unterricht

Weit weg scheinen Leid und Hass dann beim Abschlussfest, das die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit den Lehrkräften organisiert haben. Es gibt Buffet und Spiele, viel Austausch. Der 14-jährige Vladislav – ebenfalls aus der Ukraine – möchte nach dem Sommerferienkurs sein Deutsch weiter an der Sekundarschule Netphen verbessern. Für Gunda Heck findet er warme Worte: „Sie ist sehr nett und lustig. Zum Welt-Schokolade-Tag hat sie für alle Schokolade mitgebracht.“

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Der Unterricht sei sehr abwechslungsreich gewesen. „Wir haben in Gruppen auch Plakate gemalt und darauf geschrieben, was typisch für unsere Geburtsländer ist und typisch für Deutschland.“ Auf den Plakaten treffen Lepeschka auf Brezeln und Würstchen auf Wareniki (ukrainische Teigtaschen). Was alle drei Plakate gemeinsam auf der „Typisch-deutsch-Seite“ haben – Bier. Die 16-jährige Anastasiia muss schmunzeln: „In Deutschland habe ich mein erstes Bier getrunken.“

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