Unterricht innovativ

Deutscher Lehrerpreis geht an die Gesamtschule Eiserfeld

Das hat die Jury überzeugt: Nicht nur Schüler profitieren, weil sie beim Lernen ihr eigenes Tempo wählen können. Auch Lehrer gewinnen Freiräume, in denen sie sich einzelnen Schülern widmen können.

Foto: Gesamtschule Eiserfeld

Das hat die Jury überzeugt: Nicht nur Schüler profitieren, weil sie beim Lernen ihr eigenes Tempo wählen können. Auch Lehrer gewinnen Freiräume, in denen sie sich einzelnen Schülern widmen können. Foto: Gesamtschule Eiserfeld

Eiserfeld/Berlin.   „Lerntheken in Mathematik“ sei ein besonders innovatives Unterrichtskonzept, findet die Jury: Schüler können im eigenen Tempo lernen, ohne Druck.

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Ein Lehrerteam der Gesamtschule Eiserfeld um Jan-Martin Klinge hat den Sonderpreis in der Kategorie „Unterricht innovativ“ des Deutschen Lehrerpreises erhalten. „Lerntheken in Mathematik“ überzeugte die Jury, weil sich das Konzept der Lernkarten am Leistungsniveau und der Erfahrungswelt der Schüler orientiert und ihnen einen stets verfügbaren Wissensspeicher ermöglicht. Schüler können in vorgegebenem Rahmen das Lerntempo selbst gestalten, das verspreche ein weitestgehend angstfreies Lernen, so die Jury. Flüchtlingskinder, die schlecht Deutsch sprechen, erhalten digital die gleichen Aufgaben – aber in ihrer Sprache. Eingereicht hat das Konzept Jan-Martin Klinge, ihm zur Seite standen Tobias Dorweiler, Riza Kara und Philipp Kinkel. Sie erhielten außerdem 1000 Euro.

So funktioniert’s

Das Konzept „Lerntheken“ wurde in den vergangenen Jahren an der Gesamtschule Eiserfeld für den Mathe-Unterricht für die Jahrgangsstufen 5 bis 10 entwickelt. Das Konzept kommt inzwischen auch in Fächern wie Sport, Sozialwissenschaften oder Geschichte zum Einsatz. Bei dieser Methode werden einzelne Aufgaben nach einem festgelegten Design-Schema auf laminierten Karteikarten an einer Stelle in der Klasse gesammelt. In freier Arbeit können die Schüler die Karten eigenständig heraussuchen und bearbeiten. Diese Methode wird in weiten Teilen des Matheunterrichts angewendet.

Nach zwei- bis dreistündiger Einführung folgt die entdeckende Arbeitsphase mit Lerntheken in verschiedenen Farben:
Grün steht für einfache Grundrechnungen,
Gelb weist auf mittleren Schwierigkeitsgrad hin,
Rot sind besonders anspruchsvolle Aufgaben, die freiwillig bearbeitet werden können,
Lilafarbene Lernkarten dienen als Hilfestellung, auf ihnen wird etwa die Rechenregel noch einmal genauer erklärt, die Lösungen stehen auf der Rückseite der Karten.

Das haben Schüler davon

Sie bekommen direktes Feedback, ob sie die Station erfolgreich gelöst haben. Außerdem können sie die einzelnen Stationen in ihrem eigenen Tempo bearbeiten – den Schülern wird ein hohes Maß an Ehrlichkeit und Selbstständigkeit zugesprochen. In höheren Jahrgangsstufen gibt es die Möglichkeit, die gesamte Einheit digital auf dem Tablet abzurufen. Die Lerntheke dient auch dabei als Rahmen, um Aufgaben, Projekte und Methoden zu vereinen.

So entstand beispielsweise die Lerntheke zu den quadratischen Funktionen in Zusammenarbeit mit Sportlehrern: Es wird zu Sprüngen und Würfen aufgefordert, die mit dem Handy fotografiert und dann mathematisch analysiert werden müssen.

Das haben Lehrer davon

Das hohe Maß an Selbstorganisation des individuellen Lernfortschritts innerhalb der vorbereiteten Lernumgebung ermöglicht der Lehrkraft Freiräume – sie kann sich intensiv mit einzelnen Schülern auseinandersetzten, ohne dass andere warten müssen.

Darum ist das preiswürdig

Das entdeckende Lernen steht stark im Vordergrund, so die Jury. An den Stationen fänden sich immer wieder Probleme aus dem Alltag, die die Lernenden selbst ganz neu durchdenken müssten. Das Lernen werde von der Tafel zum Schüler verlagert. Besonders zukunftsorientiert sei die Bereitstellung der Lerntheken als freies Open-Educational-Resources-Material – so hätten Schüler und Eltern, aber auch Lehrer anderer Schulen die Möglichkeit, das gesamte Material einer Unterrichtseinheit herunterzuladen.

Und: Einzelne Lerntheken wurden in andere Sprachen übersetzt. Nun können sich auch Kinder mit geringen Deutschkenntnissen aktiv am Mathematik-Unterricht beteiligen und gefördert werden. Im Frühjahr 2017 etwa startete ein Projekt mit einer serbischen Schule, die mit dem System arbeiten möchte. Passende Aufgaben wurden adaptiert und übersetzt.

Das sind die Erfahrungen

Bemerkenswert sei die Schüler-Aktivität von nahezu 100 Prozent. Das Medium „Karte“ sei für die Schüler eine Aufgabe, die sie bewältigen können – was motivierend sei. „Das Mathematik-Buch oder das nächste und übernächste Arbeitsblatt mit unzähligen Aufgaben kann häufig eher ermüdend wirken“, so die Jury-Begründung. Die Erfahrung zeige, dass Schüler durch diese Methodik Lust am Lernen und Forschen entwickeln.

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